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Einbürgerung unter Trump : „Zum Frühstück noch Ausländer, zum Mittagessen schon Amerikaner“

Der amerikanische Vizepräsident Mike Pence (Mitte) posiert am Nationalfeiertag mit frischgebackenen Amerikanern bei einer Einbürgerungszeremonie in Washington. Bild: AP

Der amerikanische Vize-Präsident spricht vom großzügigsten legalen Einwanderungssystem der Welt. Er könnte sogar Recht haben: Auch unter Trump werden jährlich rund 700.000 Ausländer in die Vereinigten Staaten eingebürgert.

          George Washingtons beschaulicher Landsitz Mount Vernon liegt 40 Fahrminuten südlich von Washington, wo Donald Trump an diesem Tag die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag geleitet hat. Der Präsident ist zuvor schwer beschäftigt: Er twittert, dass modernste Flugzeuge der Luftwaffe und vielleicht sogar die Air Force One über die Massen fliegen würden für „eine der größten Feiern in der Geschichte dieses Landes“.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Zu Füßen des Mount Vernon-Anwesens weitet sich der Fluss Potomac. Hier wird auch gefeiert. Auf dem Rasenstück zwischen dem alten Wohnsitz Washingtons und dem Gewässer haben die Veranstalter vom Einwanderungsamt weiße Stühle in Reih und Glied und ein Podium für eine traditionelle Zeremonie aufgestellt. Jedes Jahr am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika, werden hier Einwanderer feierlich zu Amerikanern gemacht. An diesem Tag sind es 51 Menschen aus 28 Ländern.

          Meshir Khella aus Ägypten ist einer der glücklichen. Er hat 2012 in der Greencard-Lotterie gewonnen, durfte nach Amerika ziehen und ist inzwischen Koch beim Airline-Caterer LSG Skychefs am Dulles Flughafen. Er hat mit seiner Frau zwei kleine Kinder, die in Amerika geboren sind und ein Haus. Er will nie mehr zurück, höchstens zu Besuch. Dieser Tag ist der wichtigste in seinem Leben, sagt er.

          „Wir sind ein Volk“

          Yogesh Sawant aus Bombay hat einen etwas nüchterneren Zugang: Er lebt seit seinem Masterstudium in den Vereinigten  Staaten und damit ungefähr sein halbes Leben. Er ist Software-Ingenieur, der Arbeitsmarkt sei glänzend. Doch mit seiner neuen Staatsbürgerschaft kann er sich auch um Projekte bewerben, die relevant für die nationale Sicherheit sind.

          René Camp dagegen weint vor Rührung, sie umarmt viele Leute, darunter die überraschte Beamtin vom US Immigration Service. Camp  kam vor 18 Jahren mit ihrem Mann, von dem sie inzwischen geschieden ist, aus Südafrika. Ihre Tochter, seit Geburt Amerikanerin, betrachtet sie heute mit freundlichem Interesse. Die Hebamme würde am liebsten die ganze Welt umarmen. „Wir sind ein Volk“, sagt sie.

          „Zum Frühstück noch Ausländer, zum Mittagessen Amerikaner, nicht viele Länder können das bieten“, hatte Mark Krikorian, Chef des Centers für Immigration Studies den Neubürgern mit auf dem Weg gegeben. Kurz zuvor waren sie aufgestanden und hatten mit der Hand auf dem Herzen den Treue-Eid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten geschworen. Dieser Akt machte sie zu Amerikanern. Ein paar Tränen flossen.

          Trumps politische Hartherzigkeit nicht repräsentativ für Amerika

          Unter Präsident Trump ist die Zuwanderung zum politischen Kampfthema Nummer eins geworden. Noch am Vortag hatte er getwittert, wenn illegale Einwanderer mit den Bedingungen in den Auffanglagern unzufrieden seien, müssten man ihnen nur sagen, sie sollten zurückgehen – „Problem gelöst“. Zudem hätten es die Flüchtlinge in den provisorischen Lagern immer noch besser als in ihrer Heimat.  Er reagierte damit auf Bilder, die auf engstem Raum zusammengepferchte Flüchtlinge aus Zentralamerika zeigten.

          Trump hat in Flüchtlingsfragen eine Hartherzigkeit hoffähig gemacht, die im starken Kontrast zur freundlichen Atmosphäre der Einbürgerungsfeier in Mount Vernon steht und auch sonst für Amerika nicht repräsentativ ist. Die Zahlen spiegeln ebenfalls nicht wieder, dass die Vereinigten Staaten ihre Grenzen für Einwanderer schließen. Allein in der ersten Juli-Woche veranstaltet das amerikanische Amt für Bürgerschaft und Immigration 110 Feiern, auf denen 7500 Neubürger begrüßt werden, vermeldet die Immigrationsbehörde nicht ohne Stolz.

          Im gesamten Jahr 2018 erwarben 756.000 Menschen die amerikanische Staatsbürgerschaft. Es waren in den vergangenen Jahren immer stets um die 700.000. Vizepräsident Mike Pence sprach auf einer Einbürgerungsfeier davon, dass Amerika das großzügigste legale Einwanderungssystem der Welt habe. Er könnte sogar Recht haben: Von den insgesamt 330 Millionen Bürgern der Vereinigten Staaten wurden knapp 45 Millionen nicht im Land geboren.

          Neu-Amerikaner lassen sich sofort als Wähler registrieren

          In großer Geschwindigkeit wird das Land immer vielfältiger: Der Feiertag in Mount Vernon ist nur ein Beleg. Afrika, Asien und Lateinamerika stellen mit Abstand die größten Gruppen, nur zwei der 51 Neubürger stammen aus Europa. In gut 20 Jahren werden die Weißen voraussichtlich nicht mehr die Mehrheit stellen, in vier Bundesstaaten ist das jetzt schon der Fall.

          Der Trend ist kaum zu bremsen und bietet den Vereinigten Staaten zwei mögliche Zukunftsszenarien: Das Land macht seinen Frieden mit der demografischen Vielfalt oder es eskaliert die gesellschaftlichen Kämpfe. Als Trump seine Präsidentschaftskandidatur verkündete, bezeichnete er mexikanische Einwanderer als Vergewaltiger und Kriminelle, vor denen eine Mauer schützen sollte. Die mexikanische Anwältin Aranza Aleman, die am 4. Juli in Mount Vernon Amerikanerin wurde, warb für ihre Landsleute, selbst wenn sie illegal kämen. Sie seien keine Vergewaltiger, sondern suchten für ihre Familien ein besseres Leben. Die Hebamme René Camp wiederholte: „Wir sind ein Volk.“

          Die meisten Neu-Amerikaner haben sich an diesem Tag noch an Ort und Stelle als Wähler registrieren lassen. Die demokratische Lokalpolitikerin Kathy Tran hat das mit Genugtuung registriert. Sie ist 1979 mit ihren Eltern aus Vietnam geflüchtet.

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