https://www.faz.net/-gpf-8mk8e

Drittes TV-Duell : Die vielen Gesichter des Donald T.

  • -Aktualisiert am

Trump auf allen Kanälen Bild: Reuters

Trumps letzter Debattenauftritt wirkt wie ein Schnelldurchlauf seiner bisherigen Präsidentschaftskampagne. Er inszeniert sich als Hardliner, Heilsbringer, Außenseiter und düsterer Prophet. In Erinnerung aber bleiben vor allem Provokationen und Tabubrüche.

          „The Good, the Bad and the Ugly “ ist ein Western, der zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs im Südwesten der Vereinigten Staaten spielt. Ungefähr da also, wo später die Stadt Las Vegas in den Wüstensand gebaut wurde, der Schauplatz der dritten Fernsehdebatte des diesjährigen amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs. Mit Donald Trump hat der Streifen, obwohl eine der Hauptfiguren den Namen „Blondie“ trägt, natürlich nichts zu tun – und doch könnte der Titel des Films die Kampagne des republikanischen Kandidaten nicht besser zusammenfassen. Auch Trump, den Fans als guten Heilsbringer verehren und Gegner als das personifizierte Böse verachten, spielt bei seinen Wahlkampfauftritten gerne mit schmutzigen Tricks und anderen Hässlichkeiten.

          Zum Auftakt des letzten TV-Duells mit seiner Kontrahentin Hillary Clinton geht es allerdings erst einmal um Inhalte, genauer gesagt um zwei Themen, bei denen gerade konservative Amerikaner besonders genau hinhören: Waffengesetze und Abtreibung. Trump spricht mit ruhiger Stimme, aber harten Worten. Er sei dagegen, dass „ein Baby am letzten Tag vor der Geburt aus der Gebärmutter gerissen“ werde, poltert er. „So etwas passiert doch gar nicht“, hält Clinton dagegen.

          Er sei stolz darauf, dass die Waffenlobby hinter ihm stehe, während Clinton das verfassungsgegebene Recht auf Selbstverteidigung einschränken werde, so Trump. Das sei doch nicht wahr, sagt Clinton. Sie wolle einfach nur effektivere Waffengesetze schaffen, um zum Beispiel zu verhindern, dass Pistolen in die Hände von Kleinkindern geraten.

          Trump: „Wir haben ein paar böse Hombres hier“

          Es ist ein Muster, dass sich an diesem Abend noch öfter wiederholt. Clinton versucht abwägende Positionen zu erläutern, Trump antwortet mit knappen und plakativen Ansagen. Ja, er werde die Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und sich für schnelle Abschiebungen einsetzen, denn „wir haben ein paar böse Hombres hier, und die müssen raus“. Als Clinton versucht, ihre eigenen Pläne zum Thema Immigration und Freihandel darzulegen, schweift sie ab und landet bei Russland beziehungsweise Trumps Verhältnis zu Wladimir Putin. „Das war jetzt aber ein ganz schöner Schwenk“, merkt Trump an und hat die Lacher auf seiner Seite. Darauf folgt dann auch das erste echte Wortgefecht des Abends: Clinton sei ein „Feigling“, sagt Trump, die ihn daraufhin als „Marionette“ bezeichnet. „Nein, du bist die Marionette“, blafft Trump zurück.

          Umfragen

          Der Abend in Las Vegas gleicht einem Schnelldurchlauf Trumps bisheriger Präsidentschaftskampagne. Der Milliardär, der dieses Mal konzentrierter und schlagfertiger wirkt als sonst, inszeniert sich als harter Typ, der für Amerika bessere Deals aushandeln werde, vor allem aber als Außenseiter, der im verfilzten Washington mal so richtig aufräumen werde. Dass er keine Vergangenheit in politischen Ämtern habe, sei seine große Stärke. „Ja, die Erfahrung hast Du mir voraus“, sagt Trump in Richtung Clinton, „aber es ist schlechte Erfahrung“.

          Weitere Themen

          Sicherheitsrisiko Trump

          Russland-Affäre : Sicherheitsrisiko Trump

          Justizminister William Barr kann ab jetzt Geheimdienstinformationen freigeben, um zu belegen, dass die Russland-Ermittlung eine „Hexenjagd“ gewesen sein soll. Aus politischen Motiven geht Donald Trump erhebliche Sicherheitsrisiken ein.

          Grüne Großstädte – blauer Osten Video-Seite öffnen

          Analyse der Europawahl : Grüne Großstädte – blauer Osten

          Die Grünen punkten bei der Europawahl in den Städten und in der Fläche, die AfD ist stärkste Kraft in Teilen Ostdeutschlands. Doch auch andere Entwicklungen sind bemerkenswert: Gab es einen Rezo-Effekt für die CDU? Und woher kommen die Stimmen für „Die Partei“?

          „Wo ist Toyota?“

          Trump in Japan : „Wo ist Toyota?“

          Die Beziehungen japanischer Unternehmen zur amerikanischen Regierung sind nicht mehr ungetrübt. Donald Trump versucht sich in Japan dennoch als Verkäufer auf der Suche nach Investoren – für Beschwerden ist er allerdings nicht empfänglich.

          Topmeldungen

          Analyse der Europawahl : Grüne Großstädte – blauer Osten

          Die Grünen punkten bei der Europawahl in den Städten und in der Fläche, die AfD ist stärkste Kraft in Teilen Ostdeutschlands. Doch auch andere Entwicklungen sind bemerkenswert: Gab es einen Rezo-Effekt für die CDU? Und woher kommen die Stimmen für „Die Partei“?
          Innenminister und Lega-Chef Salvini bei einer Pressekonferenz nach der Europawahl

          Lega siegt in Italien : Und wieder küsst er das Kruzifix

          Matteo Salvinis Lega erzielt bei der Europawahl das beste Ergebnis ihrer Geschichte – und kann damit wohl auch ihren Koalitionspartner Fünf Sterne unter Druck setzen. Der Parteichef zelebriert den Erfolg am Montag mit einer umstrittenen Geste.

          TV-Kritik: Anne Will : Lieber Klimakrise als Flüchtlingskrise lautet das Motto

          Union und SPD fehlte bei der Europawahl die Kraft zur harten Auseinandersetzung. Bei Anne Will machen Armin Laschet und Sigmar Gabriel die Hilflosigkeit ihrer Parteien sichtbar. Insgesamt ähnelt Deutschland in einem Punkt dem restlichen EU-Europa.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.