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Künftiger Botschafter Amerikas : Ein neuer Fox-Kommentator für Berlin?

Douglas Macgregor im März in Israel Bild: Wikimedia Commons/BMG-2048

Donald Trump will Douglas Macgregor nach Berlin schicken. Militärisch ein unabhängiger Geist, liegt der frühere Offizier politisch ganz auf der Linie des Präsidenten.

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          Der amerikanische Fernsehsender Fox News scheint ein gutes Sprungbrett zu sein, um vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump als Botschafter nach Deutschland geschickt zu werden. Schon Richard Grenell, der von Mai 2018 bis Juni 2020 die Vereinigten Staaten in Berlin vertrat, war vor seiner Berufung ein regelmäßiger Kommentator auf dem Sender. Grenell hat den Posten jedoch verlassen und derzeit gibt es keinen vom amerikanischen Senat bestätigten Botschafter am Pariser Platz. Trump scheint auf der Suche nach einem Nachfolger nun fündig geworden zu sein – wieder bei Fox News. Wie das Weiße Haus am Montag mitteilte, soll Douglas Macgregor den Posten übernehmen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Macgregor ist ein ehemaliger Offizier der amerikanischen Armee, der in seinen 28 Dienstjahren bis in den Rang eines Oberst befördert wurde. In der Pressemitteilung heißt es, Macgregor sei „ein ausgezeichneter Veteran mit Kampferfahrung, Autor und Berater“. Er sei weithin anerkannt als Fachmann für „die Aufstellung von Armeen und Gesamtstrategie“.

          Mit Trump auf einer Wellenlänge

          Vor allem aber ist Macgregor ein Anhänger von Donald Trump. Das machte er bei seinen Auftritten immer wieder klar. Trump werde kämpfen, um die Vereinigten Staaten zu beschützen, sagte er im Juni 2018 dem Moderator Tucker Carlson. Jeder der Amerika bedrohe, so lange Trump im Weißen Haus sei, solle psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen. Wiederholt drängte er in Artikeln und bei Fox News auf einen Rückzug der amerikanischen Truppen aus Syrien und Afghanistan, womit er auf Linie Trumps liegt. Im Gegensatz zu diesem sieht er jedoch nicht Iran als das größte Problem der internationalen Politik an, sondern die Türkei. Präsident Erdogan wäre gerne wieder Herrscher über die früheren Gebiete des osmanischen Reiches und wolle dort ein islamisches Regime errichten, schrieb er im März im Magazin „The National Interest“.

          Der frühere Offizier bringt für seinen möglichen neuen Posten in Berlin zumindest die sprachlichen Voraussetzungen und Kenntnisse der deutschen Militärgeschichte mit. Macgregor spricht fließend deutsch und hat sich im Studium mit den Schlachten der Wehrmacht gegen die sowjetische Armee im Zweiten Weltkrieg sowie den Beziehungen der früheren DDR mit der Sowjetunion im Kalten Krieg beschäftigt.

          In seiner Armeelaufbahn hat sich Macgregor als fähiger Truppenführer erwiesen. Im zweiten Golfkrieg führte er seine Panzer gegen die irakischen Streitkräfte und zerstörte in einer rund 23 Minuten währenden Auseinandersetzung 70 irakische gepanzerte Fahrzeuge ohne eigene Verluste. Seine eigenen Streitkräfte gingen dabei oft unkonventionell vor und antizipierten die Bewegungen der Gegner.

          Er tat sich auch als militärischer Querdenker hervor, der für seine eigene Vorstellung einer Armeereform warb. So veröffentlichte er 1997 das Buch „Breaking the Phalanx“, in dem er seine Vision der amerikanischen Streitkräfte und deren Aufstellung im 21. Jahrhundert darlegte. Die Anerkennung als Fachmann ist jedoch umstritten.

          Kritiker gestehen zwar zu, dass Macgregor ein unabhängiger Kopf ist, der kreative Lösungsansätze bietet. In seiner Laufbahn hat er mit seinen Ansichten aber manche Generäle vor den Kopf gestoßen. Nach seiner Dienstzeit bezeichnete er dann General David Petraeus, den früheren Befehlshaber der amerikanischen Truppen im Irak als „nützlichen Idioten“, der von Politikern und den Medien gefördert werde. Dieser habe die Stärke der irakischen Armee absichtlich übertrieben dargestellt, um seine eigene Karriere voranzutreiben. Frühere Kameraden von Macgregor behaupten ob dieser Aussagen, er sei nachtragend, weil er nie zum General befördert wurde. Tatsächlich wurde er mehrmals bei Beförderungen übergangen.

          Donald Trump und Angela Merkel im Juli 2017 in Hamburg

          Macgregor war 1976 in die Armee eingetreten und wurde an der amerikanischen Militärakademie West Point ausgebildet. Später studierte er an der Universität von Virginia und wurde dort im Fach Internationale Beziehungen promoviert. Er war Truppenführer in der Operation „Desert Storm“ und arbeitete dann für Richard Holbrooke währen der Verhandlungen über einen Frieden im Bosnien-Konflikt in Dayton. Außerdem wurde er in Brüssel im Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Brüssel während des Kosovo-Krieges eingesetzt. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee im Jahr 2004 gründete er eine Beratungsfirma. In dieser Funktion unterstützte er unter anderem die israelische Armee bei ihren Umstrukturierungsmaßnahmen.

          Macgregor würde seinen Posten in Berlin in einer Zeit antreten, in der das Verhältnis zwischen den beiden Staaten angespannt ist. Richard Grenell hatte sich immer wieder zu innenpolitischen Debatten in Deutschland geäußert und war damit oft nicht auf Gegenliebe bei der deutschen Regierung gestoßen. Außerdem hat der amerikanische Präsident angekündigt, 9500 amerikanische Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Auch das führte zu Verwerfungen zwischen Berlin und Washington. (Anm. der Redaktion: Am 29.7.2020 wurde bekannt, dass die Vereinigten Staaten sogar 12.000 Soldaten aus Deutschland abziehen wollen)

          Dem Online-Magazin „Politico“ sagte Macgregor am Montag, er freue sich auf die Anhörungen im Senat, der seine Berufung auf den Botschafterposten bestätigen muss. Angesichts der Corona-bedingten Probleme in den Vereinigten Staaten und der Tatsache, dass in fast drei Monaten Präsidentenwahl ist, ist allerdings unklar, ob es nächster Zeit noch dazu kommen wird. Bis ein neuer Botschafter bestätigt ist, führt Robin Quinville die Geschäfte der Botschaft in Berlin.

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