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Wahlen in Amerika : Sogar der eigene Vize-Kandidat brüskiert Donald Trump

  • Aktualisiert am

Nicht immer einer Meinung? Trump und sein Vize-Kandidat Mike Pence Bild: Reuters

Donald Trump treibt seine Partei immer mehr zur Verzweiflung. Die Zahl der Republikaner, die sich gegen den Präsidentschaftskandidaten stellen, wächst. Doch der hat noch einen echten Trumpf auf der Hand.

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          Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump treibt seine Partei zunehmend zur Verzweiflung. Führende Republikaner warnten Trump am Mittwoch eindringlich davor, mit seinen unkontrollierten Auftritten jede Chance auf einen Sieg bei der Wahl im November zu verspielen. Die Zahl republikanischer Politiker, die sich offiziell von ihrem Spitzenkandidaten lossagten, wuchs weiter.

          Selbst Trumps eigener Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten, Mike Pence, ließ öffentlich Distanz erkennen. Pence stellte sich im Fernsehsender Fox News ausdrücklich hinter „Sprecher“ des Senats Paul Ryan, dem Trump zuvor die Unterstützung verweigert hatte. Mit Ryan verbinde ihn eine „langjährige Freundschaft“ und er unterstütze dessen Kampagne zum Wiedereinzug in den Kongress, sagte Pence.

          Mit seiner provokanten Distanzierung von Ryan, der zu den einflussreichsten Republikanern in Washington zählt, hatte Trump zuvor die Parteiführung herausgefordert. Parteichef Reince Priebus ließ erklären, er sei „außerordentlich empört“ über Trumps beispielloses Verhalten gegenüber Ryan. In Washington wird Trumps Vorgehen als Retourkutsche gewertet, weil sich Ryan wiederholt kritisch über Trump geäußert hatte.

          Eingreifen geplant

          Zur Verärgerung der Partei hatten in den vergangenen Tagen vor allem Trumps Angriffe auf die muslimischen Eltern eines im Irak gefallenen amerikanischen Soldaten beigetragen, mit denen der Kandidat nach Ansicht vieler Republikaner die Regeln des Anstands verletzt hatte. Eine ganze Reihe als unglücklich empfundener Auftritte ließ bei der Parteiführung zudem die Hoffnung schwinden, Trump könnte nun nach seiner offiziellen Nominierung als Kandidat in eine Art Parteidisziplin eingebunden werden.

          Der einflussreiche Republikaner Newt Gingrich appellierte eindringlich an den Kandidaten, sein Auftreten zu ändern. „Er hat noch nicht den Übergang zum potenziellen Präsidenten der Vereinigten Staaten geschafft“, sagte Gingrich am Mittwoch im Sender Fox Business Network. „Seine Äußerungen der vergangenen Woche lassen nichts Gutes für seine Kampagne ahnen.“ Gingrich warf Trump vor, mit fahrlässigen Provokationen die Wähler der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zuzutreiben: „Trump hilft ihr, die Wahl zu gewinnen, weil er noch inakzeptabler ist als sie.“

          Es gab sogar Gerüchte, eine einflussreiche Gruppe Republikaner plane ein Treffen mit Trump, um mit ihm über seine Strategie zu sprechen. Unter anderem wurden die Namen von Gingrich, dem Vorsitzenden der Republikaner Reince Pribus und dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani genannt. Dieser schrieb jedoch in einer E-Mail er sei nicht dabei. Auch Trumps Kampagnenmanager Paul Manafort sagte im Fersehsender Fox News, er wisse nichts von so einem Vorhaben. Die „Washington Post“ schreibt, ein gut informierter Republikaner habe gesagt, ein solches Treffen werde nicht stattfinden. „Es braucht kein Genie, um zu verstehen, dass es nicht klappen wird, Donald Trump anzurufen und ihn anzuschreien“, sagte er laut der Zeitung.

          Spenden für Trump steigen

          Trump selbst zeigte sich von den innerparteilichen Turbulenzen unbeeindruckt. Seine Wahlkampagne für das Präsidentenamt sei „noch nie so geeint“ gewesen wie jetzt, sagte er in Florida und schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

          Trump hat aber noch einen wirklichen Trumpf in seiner Auseinandersetzung mit der Partei auf der Hand: die Spenden. Wie seine Kampagne am Mittwoch berichtete, habe sie in den vergangenen zwei Montan 64 Millionen Dollar an Spenden eingesammelt. Ein Großteli davon seien Beträge von zehn 25 oder 50 Dollar gewesen, hieß es. Zusammen mit der Partei hat Trump somit 84 Millionen Dollar eingesammelt, nur etwas weniger als Hillary Clintons 90 Millionen, berichtet die „New York Times“.

          Trumpo scheint damit endlich von seiner Beliebtheit in einem Großteil der Bevölkerung profitieren zu können, denn viele Großspender der Partei haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten wegen Trumps wiederholter Ausfälle von dem republikanischen Kandidaten abgewandt. Noch Ende Mai gab es in der Partei die Befürchtung, Trump werde finanziell von Clinton in den Schatten gestellt, da er zu dem Zeitpunkt Berichten zufolge nur über 1,3 Millionen Dollar für den Wahlkampf verfügt haben soll

          „Zu viele rote Linien überschritten“

          Die Zahlen sind jedoch auch noch mit Vorsicht zu genießen, da sie nur vorläufig sind. Erst im Laufe des Monats werden Trumps und Clintons Kampagnen ausführliche Berichte bei der amerikanischen Wahlbehörde einreichen, die dann einen genaueren Blick auf die Finanzen der beiden Kandidaten gestatten werden.

          Die Zahl der Republikaner, die sich aus Protest von Trump lossagten, wuchs unterdessen weiter. Der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger, ein Luftwaffenveteran, sagte im Sender CNN, Trump habe „zu viele rote Linien überschritten“. Er werde den Kandidaten nicht länger unterstützen – „egal, welchen politischen Preis ich dafür zahlen muss“.

          Zuvor hatte die Republikanerin und Chefin des IT-Konzerns Hewlett Packard, Meg Whitman, angekündigt, dass sie Trumps Rivalin Hillary Clinton unterstützen werde. Der Rechtspopulist Trump sei ein „unehrlicher Demagoge“, der das Land „auf einen sehr gefährlichen Weg führen würde“, begründete sie ihre Entscheidung in der Zeitung „New York Times“.

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