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Trumps Rede in Cleveland : Nur einer kann die Welt retten

Heilsbringer: Donald Trump Bild: dpa

Wer Donald Trump in Cleveland zuhörte, musste den Eindruck gewinnen, in der Welt herrsche nur Chaos und man könne jederzeit und überall Opfer einer Gewalttat werden. Wie gut, dass es einen Retter gibt: Donald Trump.

          4 Min.

          Donald Trump hat in der letzten Nacht des Parteitags der Republikaner in Cleveland die Nominierung seiner Partei offiziell akzeptiert. In der Rede, die eine Stunde und 15 Minuten dauerte, malte er ein Bild von Amerika, das sehr negativ war. Nach Trumps Worten steckt das Land in einer Krise, es gebe zu viel Gewalt und Kriminalität. Mit ihm als Präsidenten werde sich jedoch alles ändern, denn er sei der „Kandidat für Recht und Ordnung“ in dieser Wahl.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Als Schuldigen an der Misere sieht Trump vor allem die gegenwärtige Regierung des demokratischen Präsidenten Barack Obama, die nichts gegen die steigende Kriminalität getan habe. In der Amtszeit von Obama sei diese so schnell gewachsen wie kaum zuvor, sagte Trump. Dem entgegen steht jedoch die Statistik des FBI, die seit Jahren eine fallende Kriminalitätsrate in Amerika aufweist.

          Auf das FBI ist Trump aber sowieso nicht gut zu sprechen, denn die Bundesermittler haben nicht empfohlen, Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre anzuklagen. Trump insinuierte, das FBI habe das nicht getan, weil es korrupt sei und hinter der korrupten Quasi-Kandidatin der Demokratin stehe. Auch sonst musste sich Clinton eine Menge Kritik anhören. Fast alle negativen Entwicklungen der Weltpolitik seien ihre Schuld, sagte Trump. Er wette, Präsident Obama bereue seine Entscheidung, sie zur Außenministerin gemacht zu haben.

          Keine großen Abkommen mehr

          Trump tat in seiner Rede nichts dazu, internationale Alliierte der Vereinigten Staaten zu beruhigen, die seine Äußerungen in einem Interview mit der „New York Times“ gelesen haben. Darin hatte er gesagt, dass er einen Angriff auf einen Nato-Staat nicht notwendigerweise mit amerikanischer Hilfe militärisch beantworten werde.

          Vielmehr habe ein Staat nur dann amerikanische Unterstützung verdient, wenn er vorher einen Beitrag zu den Verteidigungsleistungen geleistet habe. Solche Sätze sind von der früheren Außenministern Hillary Clinton sicher nicht zu erwarten.

          Die Aussagen fügten sich jedoch ein in einen anderen wichtigen Punkt von Trumps Rede. Nämlich, dass er die Interessen Amerikas und der amerikanischen Bürger immer als erstes bedenken werde, bevor er eine politische Entscheidung treffe. In der Außenpolitik heiße das, dass es keine militärischen Interventionen mehr geben werde. Viel wichtiger aber sei die Handelspolitik. Hier wiederholte Trump sein Vorhaben, über wichtige Handelsabkommen neu zu verhandeln. Es werde mit ihm keine großen globalen Vereinbarungen mehr geben, sondern nur noch Verträge mit einzelnen Staaten.

          Donald Trump präsentierte sich in Cleveland als Heilsbringer in einer düsteren Welt.

          Dieser Punkt führte dann zu einem der wenigen positiven Passagen von Trumps Rede, mit der eine zuversichtliche Botschaft an die von ihm besonders umworbene weiße Arbeiterschicht aussandte. Er werde dafür sorgen, dass es wieder mehr Arbeitsplätze in Amerika gebe und wieder Geld in das Land komme. Trump sprach von Milliarden Dollar, die dank ihm in die Vereinigten Staaten fließen würden.

          Keine Details zum Programm

          Trump porträtierte sich als Kämpfer für die Arbeiterklasse; für die Menschen, die sich von der Politik allein gelassen fühlen. Dabei vergaß er aber viele andere, die er braucht, um die Wahl im November zu gewinnen. Über Immigranten redete Trump nur Blick auf den von ihm damit verbundenen Anstieg der Kriminalität. Latino-Wähler, eine wichtige Unterstützer-Gruppe von Hillary Clinton, sprach er fast gar nicht an.

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