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Nordkorea-Krise : Wenn Trump in den Krieg ziehen will

Der Flugzeugträger USS Ronald Reagan ist Teil der schlagkräftigen Armada Amerikas in Reichweite der koreanischen Halbinsel Bild: EPA

Mit ihren Wortgefechten steuern Kim und Trump ihre Länder in eine diplomatische Sackgasse. Ein militärischer Konflikt ist nicht mehr auszuschließen. Welche Optionen liegen in Washington auf dem Tisch?

          Auf Twitter stockte am Freitag manchem der Atem, als Donald Trump eine Nachricht des Pazifikkommandos der amerikanischen Streitkräfte teilte. Bomber der Luftwaffe stünden auf Guam bereit, hieß es da, um bei Bedarf die Mission der eigenen Truppen in Korea zu unterstützen. Versehen war die Nachricht mit dem Hashtag „FightTonight“, also „Kampf heute Abend“. Schickte sich der amerikanische Präsident ein weiteres Mal an, Prognosen über sein Verhalten zu entkräften? Wollte er aus dem Krieg der Worte, den er mit Kim Jong-un sein Tagen führt, einen handfesten militärischen Konflikt werden lassen? Beabsichtigte er wirklich, Nordkorea präemptiv anzugreifen?

          Die Unruhe legte sich rasch wieder. Das Pazifikkommando erklärte kurz darauf in einer eilig herausgegebenen Mitteilung, die amerikanischen Streitkräfte stünden stets bereit, die Vereinigten Staaten, inklusive Guam, sowie ihre Alliierten zu verteidigen. Dabei entpuppte sich der Hashtag „FightTonight“ nicht als (militärisch ziemlich dämliche) Ankündigung eines Angriffs, sondern als Motto der amerikanischen Streitkräfte in Korea. Auch sonst erweckte das amerikanische Militär, dessen Stützpunkte rund um die Welt verteilt sind, an diesem Wochenende bislang nicht den Eindruck, sich intensiv auf einen Krieg vorzubereiten. Große Truppenbewegungen in Richtung koreanische Halbinsel waren nicht zu beobachten. Der Flugzeugträger „Ronald Reagan“ kehrte laut Angaben der Navy samt seiner Armada aus zahlreichen weiteren Kriegsschiffen nach drei Monaten in der Krisenregion zurück nach Japan. Kein Grund zur Sorge also?

          Kurzfristig spricht trotz gegenseitiger Drohungen Kims und Trumps sowie einiger Hysterie in den Medien und sozialen Netzwerken wenig für einen militärischen Konflikt. Andererseits aber laufen beide Länder gerade auf eine Sackgasse zu, aus der kein diplomatischer Ausweg mehr herausführt. Kim will um jeden Preis Atomraketen, die Amerika treffen könnten, verbunden mit der Hoffnung, sein Regime so dauerhaft zu sichern. Die Vereinigten Staaten wiederum wollen das um jeden Preis verhindern. Der Diktator gilt nicht nur Donald Trump als unberechenbar. Auf ein Gleichgewicht des Schreckens, das im Kalten Krieg mit reichlich Glück gehalten hat, will sich in Washington kaum jemand einlassen. Das Pentagon hat seit langer Zeit Pläne in den Schubladen liegen, die beschreiben, wie eine militärische Auseinandersetzung gegen Nordkorea geführt werden könnte.

          Zudem hat Präsident Trump bei allem rhetorischen Säbelrasseln nicht zu erkennen gegeben, wie er mit konkreten Bedrohungsszenarien umzugehen gedenkt: Was passiert, wenn Kim Jong-un den Plan seiner Generäle umsetzt und Raketen um die Insel Guam herum ins Meer stürzen lässt, ohne dass Menschen verletzt werden oder Infrastruktur zerstört wird? Was passiert, wenn Nordkorea auf offener See eine Atombombe zünden würde, wiederum mit keinen oder nur wenigen Opfern wie früher schon bei Scharmützeln an der koreanischen Grenze?

          Sicher ist: Die Bandbreite möglicher Optionen ist für Trump gewaltig. Die Vereinigten Staaten unterhalten die modernste und leistungsfähigste Militärmaschinerie weltweit. Hinzu kommen starke Verbündete wie Japan und Südkorea, wo die Amerikaner bereits heute knapp 30.000 Soldaten stationiert haben. Die amerikanischen Marine könnte binnen kürzester Zeit bis zu drei Flugzeugträgergruppen rund um die koreanische Halbinsel zusammenziehen, bestückt mit hunderten Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern, flankiert von U-Booten und Langstreckenbombern, die von Stützpunkten im Pazifik wie zum Beispiel Guam aufsteigen. Hinzu kommen die immer größeren Wirkungsmöglichkeiten im Cyberraum, für die es keinerlei Truppen vor Ort bedarf. 

          Die politisch unbedenklichste Maßnahme wäre es wohl, eine anfliegende ballistische Rakete Nordkoreas zu zerstören. Dafür verfügen die amerikanischen Streitkräfte und ihrer Verbündeten über mehrere Abwehrsysteme (Thaad, Patriot, SM-3), die in Südkorea und auf Basen im Pazifik beziehungsweise auf Kriegsschiffen vorhanden sind. Die Gefahr dabei: Sollten die Raketenabwehrsysteme ihr Ziel verfehlen – und die Möglichkeit besteht – untergräbt das die Glaubwürdigkeit der eigenen Verteidigungsfähigkeiten.

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