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Neuer Stabschef im Weißen Haus : John Kelly – der Disziplinator

Bislang war John Kelly Trumps Heimatschutzminister – und war seinem Präsidenten gegenüber sehr loyal. Bild: AFP

An diesem Montag wird der pensionierte Vier-Sterne-General als Trumps neuer Stabschef vereidigt. John Kelly soll die Regierungszentrale in Washington zähmen. Die Erwartungen sind hoch. Doch wie will Kelly sie erfüllen?

          Donald Trumps Personalentscheidung leuchtet ein. Nach einer Woche, in der einige seiner engsten Berater ihre schmutzigen Kämpfe öffentlich ausfochten, zwang der Präsident seinen überforderten Stabschef Reince Priebus zum Rücktritt und holte sich einen gestandenen General an die Seite. Nach mehr als vier Jahrzehnten in der Marineinfanterie besteht kein Zweifel an John Kellys Hang, ja Drang zur Disziplin. In beiden Parteien wird Kelly, ein pensionierter Vier-Sterne-General, zudem als nüchterner Analytiker geschätzt.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Trotzdem herrschten vor seiner Vereidigung an diesem Montag Zweifel, ob Kelly die Regierungszentrale zähmen kann. Denn Trump zeigt keine Neigung, die Konkurrenz seiner Berater einzudämmen. Scheinbar genüsslich hat er die Scharmützel sogar noch angeheizt. Niemand hat es ihm austreiben können, mit unabgestimmten Tweets binnen Sekunden zunichtezumachen, woran seine Mitarbeiter wochenlang gearbeitet haben.

          Weniger Washingtoner Seilschaften zu pflegen

          Kelly hat weniger Washingtoner Seilschaften zu pflegen als der frühere Republikaner-Funktionär Priebus und dürfte mit 67 Jahren und einer stattlichen Sammlung von Orden auf der Uniform auch keine Karrierepläne für die Nach-Trump-Ära mehr schmieden. Kürzlich hat er erzählt, wie unverhofft für ihn nach Trumps Wahlsieg dessen Bitte gekommen sei, Heimatschutzminister zu werden.

          Seine Ehefrau habe ihn seinerzeit daran erinnert, dass der Dienst an der Nation den Kellys im Blut liege. Das war nicht leichtfertig dahingesagt: Beide Söhne hatten sich bei der Marineinfanterie verpflichtet; der ältere ist 2010 in Afghanistan gefallen. Die Kellys erfuhren es, als im Morgengrauen General Dunford vor ihrer Haustür stand, der heutige Generalstabschef. Ihm fühlt sich Kelly so verbunden wie seinem Kommandeur beim Irak-Einmarsch 2003, dem heutigen Verteidigungsminister James Mattis.

          Aus der Blamage um die Gesundheitsreform hat Trump nicht gefolgert, dass er einen mit allen politischen Wassern gewaschenen Strippenzieher brauche, der die Erfahrung und Kontakte mitbringt, um sperrige Volksvertreter bei Laune halten zu können. Kelly hatte zwar während Obamas Amtszeit als rechte Hand zweier Verteidigungsminister für gute Beziehungen zum Kongress zu sorgen.

          Ideologie ist Kelly fremd

          Doch in den meisten innenpolitischen Fragen kennt er sich kaum aus – und aus seinem Abscheu für das politische Spiel hat er auch in seinen sechs Monaten als Minister kein Hehl gemacht. Wenn Abgeordneten sein Vorgehen bei Abschiebungen nicht passte, schimpfte er etwa, dann sollten sie „den Mund halten“ und versuchen, das Gesetz zu ändern.

          Nach einem langen Leben in der Befehlskette hat sich der Spross einer Bostoner Arbeiterfamilie auch als Politiker stets darauf berufen, dass er sich nur ans Gesetz halte. Ideologie ist ihm fremd. Kelly hat zwar Zweifel an Trumps Vorhaben einer Betonmauer an der Grenze zu Mexiko aufblitzen lassen, aber die Politik des Präsidenten nie grundsätzlich in Frage gestellt. Die Einreiseverbote verteidigte er stringenter als jedes andere Mitglied der Regierung. Solche Loyalität gefällt Trump. „John Kelly ist ein echter Star“, versicherte er am Freitag.

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