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Amerika unter Trump : Das bedrohliche politische Genie des Steve Bannon

  • -Aktualisiert am

Die Verbundenheit der Medien zu Twitter und dem Kabelfernsehen macht sie blind dafür, was Bannon begreift: Dass die Demokratische Partei immer mehr eine Geisel ihrer aktivistischen, progressiven, von Identitätspolitik getriebenen Basis wird, die von Themen besessen ist, die für die große Mehrheit der Amerikaner nicht relevant sind, aber gut auf Twitter und MSNBC laufen. Die sozialen Netzwerke haben die Stimmen, die diese Themen vorantreiben, noch verstärkt – und auch ihren Einfluss auf die tagtägliche politische Entscheidungsfindung und die Nachrichtenauswahl. Schon bei Breitbart hat Bannon dieses Phänomen in der ersten Reihe beobachten können, wo sich der Fokus auf die Exzesse der politisch korrekten Linken bei den Lesern als ungemein erfolgreich erwiesen hat – und auch später in Trumps Wahlkampf, in dem sich das Schüren von Ressentiments gegen die herablassende liberalen Eliten als gewinnbringende Strategie erwies.

Bannon will die Demokraten radikalisieren

Bannon sieht seinen Job darin, die Radikalisierung der Demokratischen Partei weiter zu voranzutreiben; „die Widersprüche hervorzuheben“, wie ein Leninist sagen würde, und er scheut sich auch nicht, diese Strategie öffentlich zu verkünden.

Das Bannon die Regierung verlassen hat, heißt nicht, dass sich diese Strategie ändern wird. Sein Abschied hat nichts mit Politik zu tun, in der seine Instinkte die von Trump spiegeln wie bei keinem anderen, der noch im Weißen Haus ist – sondern vielmehr damit, was jeder Entscheidung in Trump-Land zugrunde liegt: mit dem Narzissmus des Präsidenten. Trump hat entschieden, Bannon loszuwerden, weil es ihm missfiel, wie sein Untergebener die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, als wäre er der Zauberer hinter dem Vorhang. Als Trump Bannon zum ersten Mal öffentlich kritisierte, nachdem dieser auf dem Cover des „Time“-Magazins erschienen war, war dies eine Antwort auf die Wahrnehmung, es sei „Präsident Bannon“, der eigentlich regiere. „Ein Kerl, der für mich arbeitet“, nannte Trump seinen Chefberater damals unmissverständlich. Als er letzte Woche bei seiner Pressekonferenz in Manhattan zu Bannon gefragt wurde, betonte Trump: „Ich habe 17 Senatoren und Gouverneure hinter mir gelassen und die Vorwahlen gewonnen. Mr. Bannon kam erst viel später.“ Die Botschaft hätte nicht klarer sein können: Es war Trump, und nur Trump allein, dem die Anerkennung für den Sieg bei der Präsidentenwahl gebührt.

Einflüsterer im Hintergrund: Das Vermächtnis des Steve Bannon, so steht zu vermuten, wird bleiben – selbst wenn er das Weiße Haus mittlerweile verlassen hat

Deshalb sollten wir damit rechnen, dass Trump die Bannonsche Strategie, die Rolle des obersten Kulturkämpfers zu spielen, fortsetzen wird. Diese Einschätzung von Bannons politischem Scharfsinn sollte nicht als moralisches Urteil über die politischen Vorschriften interpretiert werden, denen zu folgen er Trump angewiesen hat. Um es klar zu sagen: Ich stimme Bannon und Trump weder beim Einreisestopp zu, noch beim Verbot für Transgender im Militär oder in der Frage der Konföderierten-Denkmäler. Aber ich bin auch nicht die Sorte von Menschen, die die Demokraten brauchen, um künftige Wahlen zu gewinnen.

Steve Bannon ist ein meisterhafter Märchenerzähler und Schöpfer von Geschichten; Fähigkeiten, die er als Autor politischer Dokumentationen geschliffen und, in einer eher lächerlichen Form, bei Breitbart weiter geschärft hat. In der großen Erzählung, die er in den letzten Jahren immer weiter verfeinert hat, werden die Demokraten immer mehr zu den Karikatur-Schurken in der Kommentarspalte von Breitbart: Sie werden zur Partei von Colin Kaepernick und Melissa Click; zur Partei des schreienden Mädchens von Yale und jener Menschen, die das Lincoln Memorial verwüsten und zur Partei der Fachleute, die einer Verurteilung der Antifa ausweichen und der Transgender-Aktivisten bei Youtube reden, der darauf besteht, dass „manche Frauen Penisse haben“.

In diese Falle sollten die Demokraten nicht tappen.

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