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Amerika unter Trump : Das bedrohliche politische Genie des Steve Bannon

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Während seiner kurzen, achtmonatigen Zeit im Weißen Haus hat sich Bannon – der als „Leninist“ beschrieben worden ist – der Verwirklichung dieser Dialektik verschrieben. Sein Einfluss lässt sich an drei politischen Schlachten ablesen, die er mit angestiftet hat und die alle darauf abzielten, Trumps politische Gegner und die Medien (von Bannon als „Opposition“ tituliert) auf ein politisches Terrain zu zwingen, auf dem die Rechte traditionell einen Heimvorteil hat: den so genannten „Einreisestopp für Muslime“, das hastig verkündete Verbot für Transgender beim Militär und der vor kurzem ausgebrochene Kampf um Denkmäler und historische Erinnerung. In jedem dieser Fälle hat Bannon Demokraten und Liberale durch einen Anschubser dazu gebracht, Positionen anzunehmen, die bei ihren Anhängern und der Medienelite gerade in Mode, für eine große Mehrheit der Amerikaner aber entweder unpopulär oder irrelevant sind. Indem sie seinen Köder immer wieder geschluckt hat, hat die amerikanische Linke Bannon erlaubt, sie zu definieren.

Immer dabei: In den ersten Amtsmonaten von Trump wich Bannon dem Präsidenten nicht von der Seite

Nehmen wir den Einreisestopp, der, so kontrovers und unmoralisch er sein mag, nur sieben mehrheitlich muslimische Länder betrifft. Der erste Fehler der Liberalen war es, die Präsidentenverfügung als „Einreisestopp für Muslime“ zu bezeichnen – und das nicht nur, weil diese Bezeichnung faktisch falsch ist, sondern weil die Amerikaner angesichts der Aussicht auf mehr muslimische Migranten ehrlich gesagt nicht gerade enthusiastisch sind. Laut Umfragen gibt es eine überwältigende Mehrheit für den Einreisestopp, 60 Prozent der Amerikaner sind dafür und nur 28 Prozent dagegen. 56 Prozent der Unabhängigen und 41 Prozent der Demokraten unterstützen Trumps Position.

Bannon selbst hätte die Reaktion der Liberalen nicht besser planen können: In der Minute, in der der Stopp verkündet wurde, rannten die Demonstranten im ganzen Land zu den Flughafenterminals und verunglimpften Trump. Am New Yorker JFK-Flughafen schrien Hunderte „Keine Grenzen, keine Nationen, Fuck Deportationen“ – eine Botschaft, die bei jenen Wählern, die die Demokraten zurückgewinnen müssen, um bei den Wahlen 2018 und 2020 zu gewinnen, mit Sicherheit ganz toll ankommt. Trump, der Bannons strategischem Rat folgte, konnte sich als Mann präsentieren, der hart gegen den Terrorismus vorgeht, während seine Gegner für die Integration von Muslimen argumentierten.

„Gebt mir mehr“, schwärmte Bannon

Danach folgte das Verbot für Transgender im Militärdienst, zu dessen Verkündung auf Twitter Bannon angeblich Trump überredete und der die Miltärführung offenkundig kalt erwischte. Obwohl eine Mehrheit der Amerikaner es unterstützt, dass Transgender das Recht haben, im Militär zu dienen, ist es schwer vorstellbar, dass Trump wegen dieser Entscheidung irgendwelche Unterstützer verloren hat. Für seine Basis aber war das, was er damit anbot, rohes Fleisch. Außerdem ist es die Art von Modethema, die umso unmusikalischer klingen, je mehr die Demokraten darüber reden und absurde Behauptungen machen wie jene, 150.000 Transgender hätten im Militär gedient, was bedeuten würde, dass doppelt so viele angeworben worden wären wie aus der allgemeinen Bevölkerung.

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