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Chaos in Amerikas Regierung : Trumps Chefstratege Stephen Bannon verlässt das Weiße Haus

  • Aktualisiert am

Haben sich wohl nichts mehr zu sagen: Donald Trump und Stephen Bannon. Bild: AFP

Donald Trump verzichtet künftig auf die Ratschläge von Stephen Bannon. Der umstrittene Chefstratege des amerikanischen Präsidenten verlässt mit sofortiger Wirkung das Weiße Haus.

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          Donald Trumps umstrittener Chefstratege Stephen Bannon verlässt das Weiße Haus. Das habe der amerikanische Präsident mehreren seiner Berater anvertraut, berichtete am Freitag unter anderem die „New York Times“ unter Berufung auf zwei nicht genannte Quellen im Weißen Haus. Das Blatt meldete unter Berufung auf eine Person im Umfeld von Bannon, dieser habe am 7. August selbst seinen Rücktritt eingereicht. Die amerikanische Börse reagierte auf die Nachricht mit Kursgewinnen, der Dollar legte zu.

          Kurz darauf bestätigte das Weiße Haus den Abgang von Bannon. Der Stabschef des Präsidenten, John Kelly, und Bannon hätten sich darauf geeinigt, dass der Freitag der letzte Arbeitstag Bannons im Weißen Haus sein solle, heißt es in einer Mitteilung von Trumps Sprecherin Sarah Sanders. „Wir sind ihm dankbar für das Geleistete und wünschen ihm das Beste“, heißt es in der Erklärung.

          Architekt der „America-First“-Strategie

          Der 63-Jährige gilt als vehementer Vertreter der nationalistischen Wirtschaftspolitik des Präsidenten. Bannon hatte Mitte der Woche im Gespräch mit einem Journalisten die Nordkorea-Politik Trumps konterkariert, indem er eine militärische Option zur Lösung des Konflikts kategorisch ausschloss. Bannon war zudem seit geraumer Zeit in den Verdacht geraten, vertrauliche Details aus dem Weißen Haus an Medien weitergegeben zu haben. Zu seinen internen Widersachern gehören die moderateren und  wirtschaftsliberalen Kräfte im Team um Trump, wie dessen Schwiegersohn Jared Kushner, Wirtschaftsberater Gary Cohn und Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster.

          Bannon gilt gemeinsam mit Stephen Miller als Architekt der „America-First“-Strategie Donald Trumps. Der Mitgründer der erzkonservativen Internet-Plattform Breitbart war vor Beginn der  Endphase des Wahlkampfs 2016 zum Team-Trump gestoßen. Ihm wird ein maßgeblicher Anteil am Wahlsieg Trumps zugeschrieben. Der Abgang Bannons ist der Höhepunkt einer extrem turbulenten Woche im Weißen Haus, in der Trump vor allem wegen seines Umgangs mit gewalttätigen Rechtsextremisten in der Stadt Charlottesville ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war. Die umstrittene Haltung Trumps, die Extremisten nicht eindeutig zu verurteilen, war weltweit auf Kritik gestoßen.

          Vor 25 Jahren war Bannon noch Teil exakt des Establishments, das er aus dem Weißen Haus heraus bekämpfen wollte. In seiner Zeit bei Goldman Sachs kam er zu einigem Reichtum, er ist vielfacher Millionär. Als er dann zu Trump kam, ließ er seine Arbeit für Breitbart News ruhen. Die Publikation kämpfte jahrelang erbittert gegen Hillary und Bill Clinton, ist Heimstatt vieler Verschwörungstheorien. Mit Breitbart agierte Bannon jahrelang am rechten Rand. Vorwürfe des Antisemitismus stritt er immer ab.

          Das „Bloomberg Magazine“ schrieb Bannon für das Erstarken und Ausformen der ultrakonservativen Bewegung eine zentrale Rolle zu. 2013 bezeichnete er sich als Leninist, wolle er doch wie Lenin den Staat zerstören. Als Bannon dann im Februar 2017 seelenruhig sagte, der radikale Abbau des administrativen Staates sei eines der obersten Ziele der Regierung, war das für viele eine der beunruhigendsten Aussagen der noch jungen Trump-Ära. Vor seiner Zeit im Weißen Haus schätzte Bannon ein hemdsärmeliges Auftreten – das Hemd über einer kurzen Cargohose, unrasiert, das Haar zurückgewuschelt. Bei offiziellen Anlässen trug er indes fast immer Anzug und meistens Krawatte.

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