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Vereinigte Staaten : Wer wählt Donald Trump?

  • -Aktualisiert am

Personenkult Trump: Tausende treuer Anhänger wollen ihren Kandidaten berühren. Bild: AFP

Abstiegsängste, Wut und Hoffnungslosigkeit charakterisieren Donald Trumps Anhängerschaft. Sie ist voller Widersprüche.

          Robert Crooks Warnung vor Donald Trump liest sich wie viele andere auch: „Der einzige Mensch, für den sich Donald Trump jemals interessiert hat, ist Donald Trump. Gott behüte, dass unsere Gesellschaft einen solchen Mann zum Präsidenten macht.“ Ungewöhnlich an diesem Kommentar ist nur das Datum: 19. Oktober 1987. Das ist fast 29 Jahre her. Trump war damals 41 Jahre alt, Crook war 23 und Leser des Magazins „Newsweek“. Ein Interview mit dem schon damals hemmungslos prahlenden Multimillionär beunruhigte den Studenten dermaßen, dass er den ersten Leserbrief seines Lebens schrieb – einen Brief, der im Rückblick geradezu prophetisch erscheint: Trump ist zwar noch nicht im Weißen Haus angekommen (und gegen seine Wahl spricht immer noch viel), aber immerhin hat er sich gegen 16 Kandidaten im Feld der Republikaner durchgesetzt. Die Gefahr, die ein Student vor fast 30 Jahren erkannte, übersahen die professionellen Beobachter noch vor wenigen Monaten. Bis zuletzt hielten die meisten von ihnen Trumps Erfolg in den Vorwahlen für undenkbar. Die „Huffington Post“ bezifferte seine Chancen Anfang des Jahres mit „zwei Prozent“. Nate Cohn von der „New York Times“ entschuldigte sich in dieser Woche bei seinen Lesern, denen er bis zuletzt erklärt hatte, warum Trump praktisch chancenlos sei.

          Aber warum haben sich alle politischen Kommentatoren getäuscht und Trump derart unterschätzt? Wer sind die Menschen, die Trump wählen und die niemand im medialen und politischen Establishment auf der Rechnung hatte?

          Amerikanische Sozialwissenschaftler haben in den vergangenen Wochen fieberhaft daran gearbeitet, den Überraschungserfolg des politischen Neulings zu analysieren. In Umfragen und Wahlanalysen, in Einzel- und Gruppen-Interviews haben sie die bislang rund elf Millionen Wähler nach sozialen, ökonomischen, geographischen und ideellen Kriterien geordnet und unters soziologische Mikroskop gelegt. Ergebnis: Gängige Vorurteile über Trump-Wähler werden teils widerlegt – teils aber auch bestätigt.

          Tiefgreifende Enttäuschung über Regierung und Parlament

          Aus der Fülle der Daten ragt eine Zahl heraus: Über 75 Prozent der Wähler Trumps sagen, dass es ihnen heute schlechter geht als vor vier Jahren. Sie klagen stärker als die Anhänger aller anderen Kandidaten über finanzielle Sorgen und sind pessimistisch mit Blick auf die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten. Zum Vergleich: Nur 22 Prozent der Anhänger Hillary Clintons meinen, dass es ihnen heute schlechter geht. Ein anderer Faktor kommt bei Trump-Wählern hinzu: eine tiefgreifende Enttäuschung über Regierung und Parlament, über Parteien, Politiker und Wahlkampfversprechen. Zwei Drittel der Trump-Wähler bejahen das Statement: „Leute wie ich haben in diesem Land nichts zu sagen.“ Zur Angst vor dem sozialen Abstieg kommt offenbar die Hilflosigkeit und das Gefühl, vom politischen Prozess ausgeschlossen zu sein.

          Auch Hillary Clinton bekommt den Frust über das „Establishment“ zu spüren und muss sich mit einem hartnäckigen Widersacher auseinandersetzen, der vom „verkommenen System“ in Washington spricht. Doch unter Trump-Anhängern ist die Politikverdrossenheit am größten. Viele waren bislang Nichtwähler, die nach Jahren und Jahrzehnten des Wahlboykotts wieder zurückkehren, weil sie in Trump jemanden sehen, der mit Härte und Rücksichtslosigkeit den Washingtoner Politbetrieb aufräumen könnte. Ein Detail hat die Meinungsforscher dabei besonders überrascht: Viele Trump-Wähler nennen seinen Reichtum als politischen Pluspunkt, weil sie glauben, dass der Milliardär so vom Einfluss der üblichen Wahlkampffinanziers und Lobbygruppen unabhängig sei. Dass die Trump-Wähler zugleich durch ihren Groll auf die Wall Street, auf Banker und Millionäre auffallen (darin etwa gleichauf mit den Anhängern von Bernie Sanders) erscheint paradox. An Trump wird genau jener Reichtum bewundert, für den andere verachtet werden – es muss an der raffinierten Art liegen, wie Trump sich selbst stilisiert. „Er ist ein ganz normaler Kerl, einer wie ich selbst“, sagte ein Wähler den Meinungsforschern im Interview und nannte allen Ernstes das Beispiel, dass „Trump zwischen den Wahlkampfauftritten in seinem Jet einen ganz normalen Cheeseburger isst“. Der Cheeseburger als Ausweis der Bodenständigkeit also – aber was ist mit dem Privatjet??? Wähler sind voller Widersprüche.

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