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Trump zu Nordkorea : Hemmungslos bloßgestellt

„Ich werde nicht scheitern“: Donald Trump ist sich seines Sieges über Kim Jong-un gewiss. Bild: dpa

Der amerikanische Präsident Donald Trump macht seinen Außenminister Tillerson öffentlich lächerlich. Er scheint ein Hollywood-Klischee falsch verstanden zu haben.

          In Hollywood-Filmen gibt es ein wiederkehrendes Klischee, wenn zwei Polizisten einen Verdächtigen verhören. Einer der beiden bietet dem mutmaßlichen Verbrecher ein Geschäft an und tut so, als sei er sein Freund, während sein Partner Drohungen ausstößt und den Verdächtigen einschüchtert. Good cop, bad cop heißt dieses Spiel und ist mittlerweile so ausgelutscht, dass kaum ein Drehbuchschreiber noch wagen dürfte, es in einen Film einzubauen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Der amerikanische Präsident wiederum scheint dieses Spiel gerne zu spielen, doch ist das Opfer in diesem Fall nicht ein Verdächtiger, sondern sein eigener Außenminister. Rex Tillerson war auf einer Auslandsreise in China, um den Besuch seines Präsidenten im nächsten Monat vorzubereiten. Bei dieser Gelegenheit erzählte er mitgereisten Journalisten am Samstag, dass das Außenministerium weiterhin Gesprächskontakte nach Nordkorea pflege und auf diplomatischem Wege versuche, die gegenwärtige Krise im Verhältnis der beiden Staaten beizulegen. „Wir haben ein zwei, drei offene Kanäle nach Pjöngjang“, sagte Tillerson der „New York Times“ zufolge. Diese Offenbarung der amerikanischen Gesprächsbereitschaft könnte als good-cop-Taktik verstanden werden.

          Diese Ankündigung von Tillerson wurde kurze Zeit später von seinem eigenen Haus, dem Außenministerium, wieder etwas relativiert. Sprecherin Heather Nauert sagte, Nordkorea habe seinerseits kein Interesse daran gezeigt, über sein Nuklear- und Raketenprogramm zu verhandeln, obwohl die Vereinigten Staaten dem Machthaber Kim Jong-un versicherten, dass sie nicht planten, seinem Regime ein Ende zu setzen. Eine Tatsache, über die sich Tillerson in China noch ausgeschwiegen hatte.

          Doch der echte Schuss in den Rücken folgte am Sonntag. Präsident Trump sei wütend auf Tillerson gewesen, heißt es in der „New York Times“ weiter. Während eines Wochenendaufenthalts in seinem Golfclub in New Jersey griff sich Trump deshalb sein Handy und verkündete in seinem Lieblingsmedium Twitter: „Ich habe Rex Tillerson, unserem wunderbaren Außenminister, gesagt, dass er seine Zeit verschwendet, wenn er mit dem kleinen Raketenmann verhandeln will...“ Und: „Spare deine Kraft, Rex, wir werden tun, was getan werden muss!“

          Mit „kleiner Raketenmann“ ist Nordkoreas Führer Kim Jong-un gemeint; die Ankündigung, zu „tun, was getan werden muss“ könnte darauf hindeuten, dass der amerikanische Präsident eine militärische Lösung des Konflikts bevorzugt. Trump, der bad cop. Doch mit seinen Tweets dürfte Trump dem Verdächtigen, Kim Jong-un, kaum beeindruckt haben. Seinem Partner Rex Tillerson hingegen nimmt er jegliche Glaubwürdigkeit. Auch wenn das Außenministerium danach noch versuchte, Trumps Äußerungen einzufangen und eine Sprecherin twitterte, noch seien die diplomatischen Kanäle für Kim offen, doch das sei nicht endlos der Fall.

          Trump macht Politik aus dem Bauch heraus und tut vor allem das, was ihn vor seiner Basis stark aussehen lässt. Diese würde ein Einknicken vor Pjöngjang nicht goutieren, und so opfert Trump lieber seinen Außenminister. Tillerson ist nach diesem Wochenende völlig desavouiert. Niemand im Ausland kann ihn noch ernst nehmen, da keiner weiß, ob er noch die Rückendeckung von Trump hat oder ob der Präsident ihm nicht Minuten später schon wieder in die Parade fährt.

          Diese Politik mag bei Trumps Anhängern funktionieren, im Fall Nordkoreas jedoch wirkt sie nicht. Genauso wie der amerikanische Präsident will Kim Jong-un nach innen Stärke demonstrieren. Er will seinen Anhängern klar machen, dass er es sogar mit dem amerikanischen Präsidenten aufnehmen kann und sich nicht einschüchtern lässt. Trumps Äußerungen dürften Kim deshalb eher noch darin bestärken, seine Politik fortzuführen. Nur die glaubwürdige Abschreckung mit funktionstüchtigen Atomraketen, die auch das amerikanische Festland erreichen könnten, wird von Kim als Überlebensgarantie angesehen. Seine Drohung, den ersten Test einer Atombombe in der Atmosphäre seit 37 Jahren durchzuführen, muss also durchaus ernst genommen werden.

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