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Vorwürfe gegen Trump : Leugnen, herunterspielen, weitermachen

  • -Aktualisiert am

Donald Trump bei einem Auftritt in Charleston vergangenen Dienstag. Bild: AP

Donald Trumps ehemaliger Anwalt belastet ihn schwer. Doch die Republikaner stehen zum Präsidenten. Und ein Amtsenthebungsverfahren hätte aus mehreren Gründen kaum Chancen.

          Loyalität ist ein großes Thema für Donald Trump – am Mittwoch war ihm die Wut über die Vorwürfe seines ehemaligen Anwalts deutlich anzumerken. Michael Cohen hatte sich in seinem Prozess in New York schuldig bekannt, gegen die Regeln zur Wahlkampffinanzierung verstoßen zu haben, als er Schweigegeldzahlungen an zwei mutmaßliche ehemalige Geliebte Trumps koordinierte – und zwar in dessen Auftrag.

          Erst reagierte Trump mit den vertrauten Schimpftiraden im Internet. Er könne niemandem, der einen Anwalt brauche, die Dienste von Cohen empfehlen, twitterte er am Mittwoch. Sein ehemaliger Kampagnenmanager Paul Manafort, der wegen Finanzvergehen für schuldig befunden worden war, sei ein „mutiger Mann“, der „anders als Michael Cohen nicht einknickte und Geschichten erfand, um einen Deal zu bekommen“, schrieb Trump.

          Später gab der Präsident „Fox and Friends“ ein Interview und behauptete abermals, er habe zunächst nichts von den Schweigegeldzahlungen gewusst. „Später wusste ich davon“, sagte er. Doch das Geld, das Michael Cohen zurückerstattet worden sei, „kam nicht von der Kampagne, sondern von mir“. Bislang gibt es von dem Interview nur einen Ausschnitt – es soll am Donnerstagmorgen amerikanischer Zeit ausgestrahlt werden.

          „Zweck war Wahlbeeinflussung“

          Cohens Schuldeingeständnis vom Dienstag war denkbar deutlich formuliert: Als er die Zahlung von Schweigegeld koordinierte, habe er „auf Anweisung von und in Zusammenarbeit mit dem Kandidaten“ gehandelt, und zwar „mit dem einzigen Zweck, den Ausgang der Wahl zu beeinflussen“. Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias „Stormy Daniels“ und das ehemalige Playboymodel Karen McDougal sollten daran gehindert werden, öffentlich über mutmaßliche Affären mit Trump zu sprechen.

          Laut den Gerichtsdokumenten bemühte Cohen sich im Januar 2017, also nach Trumps Wahl, seine Auslagen von insgesamt 420.000 Dollar zurück zu erhalten. Die Trump Organization, also das Familienunternehmen des Präsidenten, zahlte die Summe. Mitarbeiter der Firma wiesen einander dabei an, die Ausgaben fälschlich als Anwaltsgebühren zu deklarieren. Trumps Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte am Mittwoch vor Journalisten im Weißen Haus: „Der Präsident hat nichts Falsches getan. Es gibt keine Anklage gegen ihn.“ Nur weil Michael Cohen einen Deal mit der Anklage gemacht habe, heiße das noch lange nicht, dass Trump belastet sei.

          Cohen wird mit Mueller sprechen

          Unterdessen ging Lanny Davis, Anwalt von Michael Cohen, zum Gegenangriff über. Am Mittwoch machte er die Runde durch die Talkshows und stellte weitere Enthüllungen seines Klienten in Aussicht. Cohen sei bereit, mit Sonderermittler Robert Mueller über alles zu sprechen, was er über eine mögliche Zusammenarbeit der Trump-Wahlkampagne mit Russen wisse, erklärte Davis.

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