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Trumps Nuklearpläne : Atomares Wettrüsten oder nicht?

Teil der nuklearen Abschreckung: Die USS Tennessee, ein U-Boot der Ohio-Klasse, auf dem Rückweg zu seiner Basis Kings Bay im Bundesstaat Georgia Bild: Reuters

Lange hat Präsident Trump geschwiegen. Nun werden erste Konturen seiner Nuklearstrategie sichtbar. Manches bleibt offen, aber es gibt eine Gewissheit.

          Dass Donald Trumps Tweets die Gemüter erregen, ist nichts Neues. Doch die Nachricht, die er kurz vor Weihnachten in den digitalen Orbit schoss, sorgte für noch mehr Aufsehen, als sonst. „Die USA müssen ihre nuklearen Fähigkeiten erheblich verstärken und ausbauen, bis die Welt in Sachen Atomwaffen zur Vernunft kommt“, schrieb Trump, nur Stunden nach einer Ankündigung Wladimir Putins, die strategischen Atomwaffen Russlands zu modernisieren.

          In kürzester Zeit verbreitete sich im Netz die Sorge vor einem neuen atomaren Wettrüsten. Die „New York Times“ unternahm als eine der wenigen verbliebenen nüchternen Stimmen eine Exegese des bei näherer Betrachtung äußerst vieldeutigen Tweets, der sich damit zumindest in dieser Hinsicht von vielen anderen Twitter-Botschaften Trumps abhob. Danach wurde es still um das Thema. Auffallend still. Seit seiner Inauguration als amerikanischer Präsident äußerte sich Trump mit keinem Wort mehr öffentlich zu seinen Vorstellungen über die künftige Nuklearstrategie der Vereinigten Staaten. Bis gestern.

          In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters gab Amerikas Präsident nun Äußerungen von sich, die wie eine Langfassung seines Nuklear-Tweets wirken. Trump erklärte seine Absicht, das amerikanische Nukleararsenal wieder zum führenden der Welt zu machen. Die Kapazitäten der Vereinigten Staaten seien zurückgefallen. Das strategische Abrüstungsabkommen New Start bezeichnete er, wie schon Ende Januar gegenüber Russlands Präsident Putin, als „schlechtes Geschäft.“ Den Inhalt des Telefonats hatten ungenannte Quellen aus dem Weißen Haus durchgestochen. Zugleich wiederholte Trump seinen Wunsch nach einer nuklearwaffenfreien Welt. „Ich bin der Erste, der es gerne sehen würde, dass niemand mehr Atomwaffen besitzt“, so Trump. „Aber solange Staaten Atombomben besitzen, müssen wir die Spitze des Rudels sein.“ Ein Widerspruch?

          Von einer neuen Atomstrategie, wie sie zuletzt 2010 Trumps Amtsvorgänger Barack Obama verabschiedet hatte, sind diese Äußerungen noch weit entfernt. Aber sie liefern doch eine Reihe von Hinweisen, wie Trump die eigenen Nuklearstreitkräfte sieht und künftig aufgestellt wissen will:

          These 1: Die amerikanischen Nuklearstreitkräfte sind zurückgefallen

          Mit dieser Äußerung scheint Trump auf die Zahl der Atomsprengköpfe abzuzielen, über die Amerika und Russland verfügen. Über den exakten Umfang gibt es unterschiedliche Schätzungen. Sowohl das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri als auch die amerikanische Anti-Atom-Gruppe Ploughshare Fund gehen aber davon aus, dass Russland über rund 200 Gefechtsköpfe mehr verfügt. Eine Zahl, die angesichts des Gesamtbestands kaum ins Gewicht fällt. Von den 15.000 weltweit verfügbaren Sprengköpfen gehören Amerika und Russland mehr als 90 Prozent, zu etwa gleichen Teilen.  

          Zugleich verfügen die amerikanischen Streitkräfte aber über deutlich weniger taktische atomare Sprengköpfe als Russland. Das Sipri gibt die Zahl nicht-strategischer (taktischer) Sprengköpfe der Vereinigten Staaten im Januar 2016 mit 180 an. Auf Seiten Russland seien es 1950.

          Numerisch argumentiert liegt Donald Trump mit seiner Analyse also teils richtig. Fraglich ist jedoch, ob dieser taktische Rückstand einen tatsächlichen strategischen Nachteil für die Vereinigten Staaten bedeutet, angesichts der gewaltigen Arsenale auf beiden Seiten.

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