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Durchsuchung bei Michael Cohen : Trump wirft FBI Einbruch bei seinem Anwalt vor

  • -Aktualisiert am

Unter Beschuss: Donald Trumps Anwalt Michael Cohen im Dezember 2016 im Trump Tower in New York Bild: AP

Das FBI hat genug Verdachtsmomente, um die Räume von Donald Trumps Anwalt Michael Cohen zu durchsuchen. Für den amerikanischen Präsidenten sind die Ermittlungen „ein Angriff auf unser Land“.

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          Donald Trump war wütend. Am Abend ließ er niemanden aus, auch nicht seinen eigenen Justizminister. Dass das FBI das New Yorker Büro und das Hotelzimmer seines Anwalts Michael Cohen durchsuchte, hatte den Präsidenten offenbar einigermaßen kalt erwischt, denn er sprach von einem „Einbruch“ und einem „neuen Level der Unfairness“: „Ich habe gerade gehört, dass sie in das Büro eines meiner persönlichen Anwälte eingebrochen sind. Guter Mann. Und es ist eine absolute Schande. Es ist eine totale Hexenjagd.“ Trump ließ sich von der Tatsache, dass es einen richterlichen Durchsuchungsbefehl gab, nicht beeindrucken: „Das ist ein Angriff auf unser Land“, sagte er. „Es ist eine Attacke gegen alles, wofür wir stehen.“

          Die Durchsuchungen im Rockefeller Center und in einem Hotel an der Park Avenue sollen mit der angeblichen Affäre Donald Trumps mit der Pornodarstellerin Stephanie Clifford zusammenhängen. Michael Cohen zahlte Clifford im Wahlkampf 2016 130.000 Dollar, damit sie nicht über einen Jahre zurück liegenden One Night Stand mit dem damals bereits verheirateten Trump sprach.

          Die Durchsuchungen wurden vom Gerichtsbezirk Süd-New York veranlasst. Der Bezirk hatte Informationen von Sonderermittler Robert Mueller erhalten, der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein soll die Übergabe an den Bundesrichter nach New York verfügt haben. Dass Robert Mueller seinem Anwalt die Durchsuchung einbrockte, machte Trump besonders wütend. „Warum feuere ich Robert Mueller nicht? Wir werden sehen. Die Situation ist eine echte Schande.“ Entlassen kann Trump Mueller zwar nicht, er kann aber das Justizministerium dazu bringen, es zu tun. Muellers Team sei „entsetzlich voreingenommen“, schimpfte der Präsident. Darin säßen vor allem Demokraten oder Republikaner, die für Präsident Obama gearbeitet hätten. Über seinen Justizminister Jeff Sessions sagte der Präsident, dieser habe einen „furchtbaren Fehler“ gemacht, als er die Aufsicht über die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller an seinen Stellvertreter Rod Rosenstein abgab. Auf die Frage der Reporter, ob Rod Rosenstein seinen Job behalten werde, sagte Trump nichts und beendete die Runde: „Danke.“

          Trump bestreitet die Affäre mit Stephanie Clifford, die in Pornofilmen unter dem Namen „Stormy Daniels“ auftritt. Seitdem Cohens Zahlung bekannt wurde, wird spekuliert, ob dieser sich einer illegalen Wahlkampfspende schuldig gemacht haben könnte. Cohen behauptete stets, das Schweigegeld habe er als Freundschaftsdienst für Trump aus eigener Tasche bezahlt. Der Präsident habe davon nichts gewusst. Clifford, sagte vor kurzem in einem Interview, dass sie bedroht wurde, bevor sie die Zahlung annahm – sie wisse aber nicht, ob der Mann, der sie bedrohte, von Trump beauftragt wurde oder nicht.

          „Absolut vernichtende“ Beweise?

          Die Durchsuchungen von Cohens Räumen könnten ausschließlich mit diesen Vorwürfen zusammenhängen. Cohen ist seit Jahren an Trumps Seite und hat den Ruf, dessen „Pitbull“ zu sein, der auch schon mal Gegner einschüchtert und unerwünschte Informationen unter dem Deckel hält. Deswegen könnten die Informationen der Ermittler auch viele andere Ereignisse in Trumps Leben betreffen. Dass die Durchsuchung erfolgte, nachdem der Sonderermittler Robert Mueller Informationen an den Gerichtsbezirk Süd-New York weiter gegeben hatte, könnte auf Verbindungen zur Russland-Affäre hinweisen. Laut Medienberichten soll Michael Cohen für Donald Trump beispielsweise mit Russen über einen Trump Tower in Moskau verhandelt haben – Robert Mueller wollte vor kurzem auch hierzu Dokumente einsehen, berichtet CNN. Mueller untersucht laut der „New York Times“ zudem auch eine Spende an die Trump Stiftung – ein ukrainischer Milliardär soll im Jahr 2015 150.000 Dollar gezahlt haben.

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