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Angst vor Protektionismus : Asiens Albtraum heißt Trump

Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten hat Auswirkungen für die ganze Welt. Bild: AFP

Eine amerikanische Präsidentin Hillary Clinton gilt als schwierig, aber berechenbar. Donald Trump indessen bereitet den Asiaten große Sorgen.

          Noch reiben sich die Asiaten die Augen über Wechsel der Ausrichtung der Philippinen, den vor wenigen Monaten noch niemand für möglich gehalten hätte: Der einst treueste Partner Amerikas in der Region wendet sich unter Präsident Rodrigo Duterte immer stärker China zu. Präsident Barack Obama bezeichnete Duterte als „Hurensohn“, aus Peking aber empfing dieser 24 Milliarden Dollar Aufbauhilfe für sein Land. Der neue Wind auf den Philippinen aber könnte nur ein Vorgeschmack sein: Gewinnt Donald Trump die Wahl in Amerika, steht Asien vor einem großen Unbekannten. Tut er, was er als Kandidat oft erratisch angekündigt hat, wird sich die Fabrik der Welt über Nacht verändern. Der Protektionismus dürfte wachsen, China das Vakuum der Amerikaner schnell füllen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Selbst die sonst so diplomatisch auftretende Außenministerin Australiens hält nicht mehr hinter dem Berg: „Ich glaube, eine Präsidentin Hillary Clinton würde die Außenpolitik der Obama-Regierung fortsetzen. Sie ist überzeugt, dass Amerika die Rolle eines weltweiten Führers zukommt“, sagt Julie Bishop kurz vor der Wahl in Amerika. „Kandidat Donald Trump sieht das nicht so. Er glaubt, Amerika leide unter der Globalisierung, und würde sich mehr auf die Innenpolitik konzentrieren.“ Asien glitte ins Unbestimmte, Chinas Macht und Einfluss könnte gerade unter einem Präsidenten Donald Trump - gegen dessen Willen - weiter wachsen.

          „Eine Präsidentschaft von Trump würde zweifelsohne Asiens Wirtschaftswachstum belasten und könnte langfristig Inflation durch höhere Kosten anheizen, kleinere Handelsüberschüsse erzwingen, und eine unbestimmbarere makroökonomische Politik hervorrufen“, warnt Rob Subbaraman, Asien-Ökonom der Bank Nomura. Nach Mexiko werde Asien am meisten durch einen Wahlgewinn Trumps bedroht. Diese Destabilisierung könnte dann dazu führen, dass Peking als starker Anker für die umliegenden Länder noch interessanter wird.

          Clinton und der Streit um das Südchinesische Meer

          Trumps Gegenspielerin Clinton ist den Asiaten wohlvertraut. Über Jahre bildete die damalige Außenministerin die Speerspitze bei Amerikas friedlicher Rückkehr nach Asien. Sie wollte den Asiaten versichern, dass die Amerikaner eine globale Rolle spielen werden, Verantwortung in Asien, dem Zukunftsmarkt der Welt, übernehmen wollen. Auf einem Regionalgipfel 2010 in Hanoi hatte die Außenministerin erklärt, es liege im „nationalen Interesse“ Amerikas, die Freiheit im Südchinesischen Meer zu erhalten. Chinas Politikelite schäumte. Für Peking besitzt das Südchinesische Meer eine vergleichbare Bedeutung wie Tibet und Taiwan - es wird nicht darauf verzichten. In den vergangenen Jahren hat es weite Teile des Meeres über den Ausbau von Inseln und Atollen unter seine Kontrolle gebracht. Amerika aber hielt bislang, auch mit Hilfe der Philippinen, dagegen.

          Der Konflikt zwischen den Amerikanern sowie ihren Verbündeten in Asien auf der einen Seite und der dortigen Großmacht China auf der anderen Seite war 2010 offen zutage getreten. Für die abtretende Obama-Regierung war der Blick nach Asien ein Schwerpunkt ihrer Außenpolitik. 2011 legte Clinton als Autorin im Magazin „Foreign Policy“ nach: Sie sprach von „Amerikas pazifischem Jahrhundert“, wies darauf hin, dass die Hälfte der Fracht der Welt durch das Südchinesische Meer verschifft werde - das immer stärker von China vereinnahmt wird. Ein Jahr zuvor waren die Amerikaner dem East Asia Summit beigetreten, dem neben den zehn südostasiatischen Ländern (Asean) auch China, Japan und Indien angehören.

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