https://www.faz.net/-gpf-87y7u

Amerikas Republikaner : Donald Trump will Demut heißen

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

In der zweiten Fernsehdebatte der Republikaner dreht sich fast alles um den Spitzenreiter und seine Sprüche. Nur als es um Inhalte geht, wurde Donald Trump stiller. Konkurrent Jeb Bush kann trotzdem nur einmal richtig punkten.

          Donald Trump ist sich treu geblieben. In der zweiten Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten nahm er frühere Beleidigungen seiner Konkurrenten gönnerhaft zurück, beleidigte dafür ein paar neue, trieb Jeb Bush vor sich her und würdigte unablässig seine eigene Geschäftstüchtigkeit, sein Milliardenvermögen und sein „sehr gutes Temperament“. Vor allem im ersten Drittel drehte sich alles um den Mann, der seit fast drei Monaten die Umfragen anführt.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Alle zehn Kandidaten, die zu Trumps Linker und Rechter mit auf die große Bühne durften, hatten sich intensiv darauf vorbereitet, entweder mit Attacken gegen den Spitzenreiter auf sich aufmerksam zu machen oder durch ein betont anderes Auftreten den Anti-Trump zu geben. Nur Ted Cruz, der Tea-Party-Mann aus Texas, hatte sich offenbar entschieden, Trumps Wähler zu umgarnen, indem er ihren Helden ebenfalls möglichst oft rühmt.

          Donald Trump: Feinheiten lerne ich noch

          Der Fernsehsender CNN hatte die elf Republikaner für ganze drei Stunden zur Befragung in die Halle der Ronald-Reagan-Bibliothek geladen, und je mehr es im Verlauf des Abends um Einzelheiten der Außen-, Sicherheits-, Wirtschafts- oder Gesellschaftspolitik ging, desto stiller wurde Trump – jedenfalls für seine Verhältnisse. Er gab sogar zu, dass er sich in der Außenpolitik noch nicht besonders gut auskenne. Schließlich, so Trump, sei er nicht wie der auf diesem Feld mehrfach punktende Marco Rubio ein Senator, der sich hauptberuflich mit den Feinheiten der Weltkrisen befasse, sondern ein Geschäftsmann.

          Mächtige Kulisse: Vor der „Air Force One“ des früheren Präsidenten Reagan stehen die Teilnehmer der Debatte. Bilderstrecke

          Aber bis zu seiner Vereidigung im Januar 2017, versprach Trump, werde er genau Bescheid wissen. Und so viel könne er bereits sagen: Wenn er im Weißen Haus sitze, dann werde Amerika wieder respektiert. Auf dieser Grundlage werde er zum Beispiel „mit Putin richtig gut auskommen“, bekräftigte Trump.

          Fiorina setzt Nadelstiche

          Mit dabei war diesmal auch die spitzzüngige Carly Fiorina. Erstmals konnte sie vor ganz großem Publikum vorführen, wie treffsicher sie robusten Männern mit Nadelstichen zusetzen kann. So sprach sie das Offensichtliche aus: dass nicht erst seit Trumps Kandidatur, wie dieser unablässig behauptet, sondern schon seit 25 Jahren in Amerika über Einwanderungspolitik gestritten werde. Die Moderatoren sprachen Trump auf seinen bösen Kommentar über die einzige Frau unter den Republikaner-Kandidaten an, mit dem ihn die Zeitschrift „Rolling Stone“ zitiert hatte: „Guck dir dieses Gesicht an! Würde jemand dafür stimmen?“

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Trump beteuerte nun, er habe Fiorinas politische Positionen gemeint, ihr Äußeres sei „sehr hübsch“. Fiorina sagte nur: „Ich glaube, Frauen im ganzen Land haben sehr genau gehört, was Trump gesagt hat.“ Da applaudierten die Leute im Saal heftig, und Trump wirkte fast ein wenig zerknirscht.

          Danach zankten die beiden Nicht-Politiker aus der Wirtschaftswelt darüber, wer von ihnen in dieser dramatischer versagt habe: Trump, der für mehrere seiner Unternehmen in der Casino-Branche Gläubigerschutz beantragt hat, oder Fiorina, deren Zeit als Chefin des Computerkonzerns Hewlett Packard mit einem hässlichen Rauswurf in einer schweren Unternehmenskrise endete. Das gab Chris Christie, dem Gouverneur von New Jersey, Gelegenheit für einen kraftvollen Appell an die Kandidaten, nicht nur um sich selbst zu kreisen, sondern an die Bürger zu denken.

          Streitpunkt Marihuana

          Mit seinem Lieblingsgegner Senator Rand Paul (an dessen Äußerem es übrigens laut Trump viel auszusetzen gäbe) lieferte sich Christie noch eine längere Auseinandersetzung über die Freigabe von Marihuana. Paul will sie den Bundesstaaten überlassen, Christie sieht darin eine Vorstufe der Heroinepidemie – und bekam darin Unterstützung von Fiorina, die daran erinnerte, dass ihre Stieftochter an Drogen gestorben sei. Immerhin erfuhren die Zuschauer, die es noch nicht wussten, in dieser Debattenetappe, dass Jeb Bush vor Jahrzehnten als Schüler gekifft hat. „Meine Mutter wird sich nicht freuen, dass ich das hier erzähle“, sagte Bush – und hob sogleich hervor, wie er sich in Florida gegen die Freigabe von Marihuana eingesetzt habe.

          In seinen Scharmützeln mit Trump zog Bush mit seiner im Vergleich technokratischen Ausdrucksweise fast immer den Kürzeren. Kaum dass Bush ihn einmal attackierte, lobte Trump väterlich: „Sehr schön, mehr Energie!“ Wenig hatte Bushs Kampagne so zugesetzt wie Trumps Feststellung vor einigen Wochen, dass der frühere Gouverneur eine „low energy person“ sei. Selbst als es am Mittwochabend darum ging, ob Bushs moderate Linie im Einwanderungsstreit auf seine aus Mexiko stammende Ehefrau Columba zurückgehe, übertrumpfte Trump Bush beim Lobgesang auf dessen Gattin

          Irak als unverhoffter Treffer

          Nur einen Treffer landete Bush, und er schien selbst am meisten überrascht darüber. Trump hatte den von George W. Bush befohlenen Irak-Einmarsch von 2003 scharf kritisiert („obwohl ich wirklich militaristisch bin“) und zudem gesagt, Jeb Bushs Bruder habe Amerika Barack Obama eingebrockt: Denn er habe die Wirtschaft so ruiniert, „dass nicht einmal Abraham Lincoln die Wahl hätte gewinnen können“.

          Jeb Bush entgegnete, dass er über seinen Bruder eines wisse: „Er hat dafür gesorgt, dass wir sicher waren.“ Da spendete das Publikum Bush langen Beifall, und als Trump nachlegte, sprangen mehrere Kandidaten den Bushs bei. Vor kurzem hatte der Nachname noch als größte Bürde des Kandidaten gegolten. Jetzt verschafft er ihm ein bisschen Erleichterung an einem zähen Abend.

          Am Schluss sollten sich die Kandidaten zum Spaß einen Tarnnamen für den Secret Service aussuchen. Endlich gelang Bush, was er sich vorgenommen hatte: Trump auf eine freundliche, humorvolle Art Paroli zu bieten: Er wolle „Allzeitbereit“ heißen, weil das zeige, wie energiegeladen er sei. Da musste auch Trump lachen. Der Immobilienmagnat war als nächster an der Reihe. Sein Codename für den Secret Service? „Demut“, schlug Trump  vor. Das fanden alle lustig.

          Weitere Themen

          Eiskalte Interessen

          Trumps Grönland-Idee : Eiskalte Interessen

          Manche Republikaner unterstützen die Idee von Donald Trump, Grönland zu kaufen. Schließlich könnte man so den Einfluss von China und Russland begrenzen – und riesige Rohstoffvorkommen ausbeuten.

          Trumps Buhmann

          FAZ Plus Artikel: Fed-Präsident Jerome Powell : Trumps Buhmann

          Jerome Powell lenkt die mächtigste Zentralbank der Welt. Der Fed-Chef schlägt eine fast aussichtslose Schlacht – auch gegen seinen eigenen Präsidenten. Nun warten Anleger und Politiker in der ganzen Welt auf eine Rede von ihm.

          Topmeldungen

          Frühchen brauchen besonders intensive Betreuung durch Ärzte und Pflegekräfte.

          Muttermilch-Spenden : Ein Milliliter Lebenskraft

          Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sich die Frühchen in diese Welt – auch dank gespendeter Muttermilch.

          Fußball in Italien : Der Großangriff auf Juventus Turin

          In den vergangenen acht Jahren gelang es keiner Mannschaft mehr, den italienischen Serienmeister Juventus zu entthronen. Nun schickt sich ein früherer Juve-Trainer an das zu ändern – und seine Chancen stehen nicht schlecht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.