https://www.faz.net/-gpf-8xx3d

Donald Trump : Wer Hunderte Male lügt, dem glaubt man nicht

  • -Aktualisiert am

Hat einen sehr alternativen Umgang mit der Wahrheit: Amerikas Präsident Donald Trump. Bild: AP

Geheimnisverrat, Behinderung der Justiz: Immer neue Enthüllungen setzen Amerikas Präsidenten unter Druck. Dass er Medienberichte dementieren lässt, beeindruckt viele Amerikaner schon lange nicht mehr. Das liegt vor allem an Donald Trump selbst.

          Als Donald Trump vor wenigen Wochen seine ersten hundert Tage im Amt komplettierte, präsentierten viele amerikanische Tageszeitungen und Faktencheck-Portale erstaunliche Zahlen. In der so wichtigen Anfangsphase seiner Präsidentschaft habe der Republikaner sage und schreibe 492 Mal falsche oder irreführende Aussagen gemacht, rechnete etwa die Zeitung „Washington Post“ vor.

          Natürlich haben auch Präsidenten vor Trump immer mal wieder Lügen verbreitet, doch die meisten Beobachter sind sich einig: Kaum ein Vorgänger habe ein derart gespaltenes Verhältnis zu Wahrheit gehabt wie der aktuelle Amtsinhaber. Nur an zehn von hundert Tagen habe Trump keine falschen oder irreführenden Aussagen von sich gegeben. An sechs dieser zehn Tage soll er übrigens Golf spielen gewesen sein.

          Man muss diese Vorgeschichte im Hinterkopf haben, wenn man die aktuelle Debatte über angeblich von Trump an Russland ausgeplauderte Top-Secret-Informationen eines befreundeten Geheimdiensts oder die mögliche Behinderung von FBI-Ermittlungen analysiert. Viele Amerikaner, unter ihnen auch Republikaner, sind zunehmend skeptisch, wenn sie mit Aussagen der Trump-Regierung konfrontiert werden. Zu oft wurde ihr Präsident beim Lügen erwischt.

          Da hilft es offenbar auch nicht viel, dass Trump in dieser Woche mit seinem Nationalen Sicherheitsberater H.R. McMaster einen Mitarbeiter vorschickte, dessen Glaubwürdigkeit – bisher zumindest – über nahezu jeden Zweifel erhaben war. Dass der frühere General die entsprechenden Berichte vieler Medien als „falsch“ und die Vorgehensweise des Präsidenten als „völlig angemessen“ bezeichnete, heißt nicht, dass der Großteil der Öffentlichkeit das auch glaubt.

          Spicers Absturz

          Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass ein enger Mitarbeiter Trumps beim Versuch, den eigenen Chef zu verteidigen, eine peinliche Bauchlandung erlitte. Präsidentensprecher Sean Spicer, bis zu Trumps Amtsantritt im Januar eigentlich auch eine parteiübergreifend respektierte Person in Washington, zerstörte gleich an seinem ersten Arbeitstag viel Glaubwürdigkeit, als er in aggressivem Ton verkünden musste, dass die Zuschauermenge bei Trumps Amtseinführung größer war, als Fotos belegten.

          Seitdem vergeht kaum eine Woche, in der Spicer sich bei seinen Pressekonferenzen nicht im Gestrüpp von Fehlinformationen, Halbwahrheiten und Trump-Deutungen verstrickt. Spicers Stellvertreterin Sarah Huckabee-Sanders ereilte vergangene Woche ein ähnliches Schicksal, als sie den von Trump veranlassten Rauswurf von FBI-Direktor James Comey mit einer Erklärung zu begründen versuchte, der der Präsident kurz danach selbst widersprach. Sogar Vizepräsident Mike Pence fand sich bereits des Öfteren blamiert und frustriert in solchen Situationen wieder.

          Trump attackiert Mitarbeiter

          „Menschen, die ein Leben lang im öffentlichen Dienst für Integrität standen, riskieren in dieser Regierung, ihren Ruf zu verspielen“, sagt der Republikaner-Berater Steve Schmidt. Der demokratische Senator Brian Schatz sagt im Magazin „Politico“, Trump und sein Team hätten bereits „am Inaugurationstag damit begonnen, ihre Glaubwürdigkeit zu verspielen“.

          Derweil versucht Trump offenbar, die Schuld für die schlechten Schlagzeilen auf seine Mitarbeiter abzuwälzen. So soll der Präsident bereits zu Beginn dieser Woche das PR-Team um Spicer, Huckabee-Sanders und Kommunikationsdirektor Michael Dubke regelrecht angepfiffen haben, sich „endlich auf einer gemeinsamen Wellenlänge“ einzufinden, wie die Zeitung „New York Times“ unter Berufung auf eine gut informierte Quelle berichtet.

          Gut möglich, dass Spicer der erste Mitarbeiter ist, der bei einem „Shake-up“ im Weißen Haus gehen müsste. Andere Beobachter glauben, dass Stabschef Reince Priebus ganz oben auf der Entlassungsliste steht.

          Affäre um FBI-Chef Comey

          Am Dienstagabend bricht dann die nächste Eilmeldung über Washington herein. Demnach soll Trump bei einem Treffen im Februar den damaligen FBI-Chef Comey darum gebeten haben, die Ermittlungen gegen seinen früheren Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Das berichtet die Zeitung „New York Times“ unter Berufung auf ein Memo, das Comey kurz nach dem Treffen mit Trump geschrieben haben soll. Flynn steht derzeit wegen seiner Russland-Kontakte im Wahlkampf im Visier von Sicherheitsbehörden und Kongressausschüssen.

          Der Sturm der Empörung lässt nicht lange auf sich warten. „An einem Tag, an dem wir dachten, dass die Dinge nicht mehr schlimmer werden können, sind sie es doch geworden“, sagt der demokratische Senator Chuck Schumer am Abend im Kapitol mit düsterer Miene. Die Vereinigten Staaten würden „auf eine Probe gestellt“. Wenn ein Präsident einem FBI-Direktor rate, die laufende Untersuchung eines führenden Wahlkampfberaters zu beenden, dann sei das nur mit den Worten „Behinderung der Justiz“ zu beschreiben, empört sich der renommierte Jurist und CNN-Kommentator Jeffrey Toobin.

          Und was macht Trump? Er lässt die Skandalmeldungen dementieren – bereits zum zweiten Mal in dieser Woche. Sagt er die Wahrheit? Blickt man auf seine Bilanz der ersten hundert Regierungstage, sind Zweifel angebracht.

          Weitere Themen

          Ist Muellers Arbeit getan?

          Russland-Ermittlungen : Ist Muellers Arbeit getan?

          Die Ermittlungen in der Russland-Affäre stehen angeblich kurz vor dem Abschluss. Bald soll es einen Bericht des Sonderstaatsanwalts Robert Mueller geben – doch der könnte geheim bleiben.

          Trump droht mit Veto

          Resolution gegen Notstand : Trump droht mit Veto

          Vor einer Woche hatte Präsident Trump den Notstand ausgerufen, um die von ihm versprochene Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu können. Die Demokraten wollen die Maßnahme nun im Kongress kippen.

          Topmeldungen

          Trotz Notstandserklärung : Trump muss um Mauer-Geld kämpfen

          Mit dem nationalen Notstand will Donald Trump Mittel aus dem Verteidigungshaushalt für seine Mauer an der mexikanischen Grenze umlenken. Ein großer Teil des Geldes wurde aber schon anderweitig ausgegeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.