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Ehemaliger Chefstratege : Der tiefe Fall des Steve Bannon

  • -Aktualisiert am

Jack Posobiec, einer der prominentesten Vertreter der „Alt-Right“, retweetete den ebenso bekannten Mike Cernovich: „Ich glaube nicht, dass Steve Bannon Don Juniors Treffen Verrat genannt hat. Bannon muss auf Periscope gehen und sich gegen diesen Schmutz verteidigen, der keinem hilft und allen schadet.“ Beide forderten also eine Ansprache Bannons via Livestream-Video im Netz – die blieb aus. Auch „Infowars“-Chef Alex Jones wurde am Mittwochabend unruhig: „Warum haben wir noch kein Statement von Steve Bannon gehört?“ Jones behalf sich erst einmal damit, die Glaubwürdigkeit des Buchautors Michael Wolff anzuzweifeln, womit er keineswegs der Einzige war. In seiner neuesten „Infowars“-Videoausgabe sagte Jones aber auch, Bannon wirke manches Mal durchaus „paranoid“.

Innere Rivalitäten in der rechten Szene könnten sich nun schnell zu Ungunsten des „Breitbart“-Chefs verschärfen. Evan McLaren, Leiter des von dem Rechtsradikalen Richard Spencer gegründeten „National Policy Institute“, sagte laut „Vice“: „Bannon ist für uns als eine ideologische Größe schon lange erledigt. Er ist nur so lange relevant, wie er Geld einbringen kann, für die Sache und für Kandidaten.“ Spencer selbst twitterte: „Sich mit Russen zu treffen, um über Politik zu diskutieren, ist weder Verrat noch illegal, und Don Jr. hat nichts falsch gemacht. Bannon lebt in einem comicartigen Fiebertraum des Kalten Krieges, oder er erfindet Sündenböcke, um sein eigenes Versagen zu überdecken.“

Wer bekommt „das Sorgerecht für die Nazis“?

Das rechte Spektrum, von den „Alt-Right“-Anhängern bis zu den offen neonazistischen Propagandisten, verachtet „Verräter“ genauso sehr wie der Präsident das tut. Viele an der rechten Basis könnten zu dem Ergebnis kommen, dass Bannon der „Verräter“ ist, weil er sich gegen Trump und die gemeinsamen Ziele richtet. Wenn Bannon keine Siege einfährt, sondern Niederlagen wie zuletzt in Alabama, ist er nicht nützlich. „Im Scheidungskampf zwischen Donald Trump und Steve Bannon ist jetzt die Frage, wer das Sorgerecht für die Nazis bekommt“, witzelte Schauspielerin Patricia Arquette auf Twitter. Mit Stephen Miller sitzt im Weißen Haus immerhin noch ein rechter Berater, der die Verbindung zur Basis ebenso halten könnte wie Bannon das tat – Donald Trump könnte den Konflikt also durchaus für sich entscheiden, ohne zu viele Unterstützer zu verprellen.

Trumps Bruch mit Bannon könnte allerdings auch in die andere Richtung wirken. Er könnte sich zumindest ein wenig von den Rechten distanzieren, denen erst einmal ihr sichtbarster Verbindungsmann zu ihm fehlt. Wahlforscher glauben, dass es Trump eher schadet, sich auf eine schmale rechte Basis zu verlassen – stattdessen müsse er sich mehr in die Mitte oder zumindest ins traditionell konservative Lager bewegen. Mehr Distanz zur „Alt-Right“, deren Größe und Relevanz ohnehin niemand so genau einschätzen kann, würde dem zugute kommen.

Konservative applaudieren Trump jedenfalls bereits: das Magazin „National Review“ nannte seinen Bruch mit Bannon einen der besten Schritte seiner Amtszeit. Endlich sei Platz für vernünftigere Leute im Umfeld des Präsidenten. Wie unbeschadet Trump aus der Angelegenheit herauskommt, hängt aber letztlich davon ab, wie sich Steve Bannon in den kommenden Wochen verhält und ob er dem Präsidenten mit seinem Insider-Wissen noch mehr schaden will.

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