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Trumps Sensationssieg : Eine Wutwelle bis ins Weiße Haus

Er hat es geschafft: Donald Trump bei seiner Siegesfeier in New York Bild: AFP

Donald Trump hat entgegen vielen Vorhersagen das Undenkbare tatsächlich geschafft. Seinen Sieg verdankt er einer Revolte der amerikanischen Wähler. Ein Kommentar.

          Donald Trump hatten nur wenige auf der Rechnung, als er der Führung der Republikaner und deren Geldgebern einen Strich durch die Rechnung machte und ihre Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur zusammenfaltete. Doch schon im Winter und im Frühjahr war offenkundig, dass es in der amerikanischen Gesellschaft brodelte. Ein „populistischer Aufstand“ war in Gang gekommen, und Trump war dessen Profiteur und Anheizer. Diesem Aufstand und dieser Revolte gegen „die“ Eliten in Politik, Wirtschaft und Kultur verdankt der Immobilienmilliardär, dem selbst unflätigste Sprüche und niederträchtige Hetzparolen nichts anhaben konnten, den Einzug ins Weiße Haus. Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Die Hoffnung der Demokraten, dass Hillary Clinton die erste Frau im höchsten Staatsamt sein und Geschichte schreiben werde, machten viele Millionen weißer Wähler in Schlüsselstaaten zunichte. Die sahen in der früheren Außenministerin und Senatorin keine historische Verheißung, sondern das Sinnbild eines (angeblich) korrupten Systems. So zumindest wurde es ihnen im Wahlkampf eingehämmert, und das glauben sie auch. Ihren Hass gegen Clinton artikulierten Trumps Hardcore-Fans auf eine Weise, die einen schaudern ließ. Es ist ein Ausdruck für die Feindseligkeit in der amerikanischen Politik und für die Polarisierung der Gesellschaft.

          In seiner „Siegesrede“ hat ein auffallend milder Trump versprochen, diese Polarisierung zu überwinden, das Volk wieder zu einen und Präsident aller Amerikaner sein zu wollen. Ein solches Einigungsversprechen ist für gewählte Präsidenten Pflicht; Clinton, Bush und Obama gaben es ab. Am Ende ihrer jeweiligen Amtszeit war die Lage schlimmer als am Anfang, hatten sich die verschiedenen politischen, sozialen und kulturellen Milieus weiter voneinander entfernt.

          So sind die Zweifel mehr als angebracht, dass der Sturm, der über das Land gezogen ist, wieder abflaut und die Leute zur Vernunft kommen, angefangen beim neuen Oberkommandierenden. Denn sein Erfolgsrezept war es ja, sich den Wütenden, Verbitterten und Enttäuschten nicht als oberster Dialogbeauftragter anzubieten, sondern mit Bombast als unerbittlicher Rächer eines Amerikas, das im Strudel des wirtschaftlichen und soziokulturellen Wandels untergegangen ist. Dass Trump demnächst den Versöhner und Heiler gibt, der Brücken baut und Gräben zuschüttet, kann man sich nicht so recht vorstellen. Doch wer weiß?

          Sein Amt wird er in einer komfortablen Position antreten. Potentiell kann er sich auf republikanische Mehrheiten im Kongress stützen; doch ob die immer Assistenzdienste leisten wollen, steht dahin. Die Vermutungen, die Republikaner würden am Wahltag die Quittung ihres gefährlichen Flirts mit dem Populismus bekommen, hat sich jedenfalls nicht bestätigt. Ihr Sieg ist umfassend. Nur, was werden sie damit anfangen?

          Das Land erneuern und auf Vordermann bringen wollten schon andere, zuletzt Barack Obama. Viel ist dabei nicht herausgekommen; zugenommen haben allein der allgemeine Verdruss auf die Politik und die Zerrüttung der politischen Verhältnisse. Dank ihrer Stärke könnten die Republikaner hier einiges ändern, wenn sie wollten. Sie könnten übrigens auch der Radikalisierung Einhalt gebieten.

          Donald Trump ist von einer Bewegung ins Weiße Haus getragen worden. Dort wird sich zeigen, ob die sich mit „Regieren“ verträgt und ob Unberechenbarkeit Programm ist. Aber wie kommt das Gift aus dem System?

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