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Neuer Regierungsstil : Der Twitterer-in-Chief

Sorgen weltweit für Nachrichten: Trumps Tweets Bild: dpa

Auch als amerikanischer Präsident will Donald Trump nicht darauf verzichten, seine Anhänger bei Twitter direkt anzusprechen. Der Kurznachrichtendienst dient ihm für Selbstlob und viel Kritik.

          7 Min.

          Am 20. Januar 2017 wurde Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Die Einladung an seine Anhänger, der Amtseinführung zu folgen sprach, er dabei nicht nur über die herkömmlichen Medien Fernsehen, Zeitung oder Radio aus, sondern über seinen bevorzugten Kommunikationskanal Twitter: „Heute beginnt es. Ich sehe euch um 11 Uhr zur Vereidigung“, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst. Seitdem hat der amerikanische Präsident rund 2600 weitere Tweets (also rund sieben an jedem Tag) abgesetzt – einige hat er auch wieder gelöscht.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Seit einem Jahr sorgen Trumps Tweets immer wieder für Aufregung und treiben die Berichterstattung der Medien an. Wie viele seiner mehr als 46 Millionen Follower Journalisten und Medienorganisationen sind, ist dabei leider nicht zu überprüfen. Twitter ist Trumps Weg, direkt zu seinen Anhängern zu sprechen ohne den Umweg über die klassischen Medien nehmen zu müssen. Dass er mit seinen Wortmeldungen Kontroversen auslöst, wird ihn umso mehr freuen. Er selbst schrieb am 2. Juli des vergangenen Jahres: „Ich nutze soziale Medien nicht präsidentiell. Ich nutze sie MODERN PRÄSIDENTIELL.“ Der Wirkung Twitters und anderer sozialer Medien ist sich Trump bewusst. Im Oktober 2017 sagte er bei Fox News: „Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass ich hier wäre ohne die sozialen Medien.“ Und: „Wenn jemand etwas über mich sagt, dann mach ich nur ,bing, bing, bing‘ und nehme mich der Sache an.“ Schon im Januar 2017 schrieb die „New York Times“: „Jetzt ist er amerikanischer Oberbefehlshaber und seine 140-Zeichen-Äußerungen haben die gleiche Macht wie ein Blitz vom Olymp.“

          Berichten können von dieser Wirkung viele Menschen. Die Komödiantin Kathy Griffin zum Beispiel. Griffin hatte für Fotoaufnahmen mit einer blutigen Maske in der Hand posiert, die Donald Trump darstellte. Es sah so aus, als würde sie den abgetrennten Kopf des amerikanischen Präsidenten in der Hand halten. Dass das Bild viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, war ihr wohl klar, doch dass sie danach viele Jobs verlor und als Komikerin in Amerika kaum noch gebucht wurde, führt sie direkt darauf zurück, dass Trump das Bild auf Twitter erwähnte und schrieb, Griffin solle sich schämen. Da Trump das Bild aufgriff, kurz nachdem er den damaligen FBI-James Comey entlassen hatte, vermutet Griffin im Nachrichtenmagazin „Politico“, dass er damit von den „schlechten Nachrichten des Tages“ ablenken wollte. Ohne den Tweet von Trump wäre die Sache in einer Woche erledigt gewesen, sagt sie. So jedoch habe sie darüber nachgedacht, ihren Account zu löschen, weil sie massenweise Morddrohungen erhalten habe.

          Ganz andere Folgen musste Alan Dershowitz erleiden. Der Jurist ist eigentlich ein Liberaler und steht Trump politisch nicht nahe. Doch seine Analyse, dass Trump nicht wegen Behinderung der Justiz strafrechtlich belangt werden könne, brachte ihm das Lob des Präsidenten ein. Seitdem er das in einem Gespräch bei Fox News sagte und damit Trumps Aufmerksamkeit erregte, habe er viele Freunde verloren, sagt er. Seine engsten Freunde pflichteten seiner Analyse zwar bei, forderten ihn jeodoch auf, sie für sich zu behalten.

          Die Attacken von Trump auf missliebige Politiker sind jedoch auch eine Gefahr. Denn wer wagt es noch, Trump zu kritisieren, wenn der danach auf Twitter seine Millionen Anhänger mobilisiert und diese einen Sturm der Entrüstung über den Kritiker hereinbrechen lassen? Im Dezember musste Kirsten Gillibrand erfahren, was es bedeutet, Trumps Weg zu kreuzen. Die Senatorin aus New York hatte Trump zum Rücktritt aufgefordert, weil mehrere Frauen ihm vorgeworfen hatten, sich ihnen unerwünscht genähert zu haben. Als Antwort insinuierte Trump auf Twitter, Gillibrand habe potenziellen Wahlkampfspendern sexuelle Gefälligkeiten angeboten. Die Senatorin berichtete, ihre größte Sorge sei gewesen, die Angelegenheit von ihren Kindern fernzuhalten. Trumps Tweets und damit die völlig aus der Luft gegriffene Behauptung fanden dennoch ihren Weg in die Nachrichten und wurden von Trumps Anhängern bereitwillig aufgegriffen. Trotzdem wolle sie sich nicht einschüchtern lassen, sagte Gillibrand „Politico“.

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