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Trump dankt saudischem Prinzen : Roter Teppich für den großartigen Käufer

  • -Aktualisiert am

Waffen im Wert von 110 Milliarden Dollar verkaufen die Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren an Saudi Arabien. Bild: dpa

Donald Trump empfängt den saudischen Kronprinzen im Weißen Haus – und hofiert Mohammed bin Salman dabei nach allen Regeln der Kunst. Dass die Saudis gute Abnehmer amerikanischer Waffen sind, daraus macht der Präsident keinen Hehl.

          Selten sah man Donald Trump so angetan wie bei seinem Besuch in Saudi-Arabien im vergangenen Sommer – ein königlicher Empfang mit Pomp, Fanfaren und Schwerttanz war ganz nach dem Geschmack des Präsidenten. Heute rollte Washington Saudi-Arabien nun seinerseits den Roten Teppich aus, wenn auch eine Nummer kleiner, was die Kulissen angeht. Prinz Mohammed bin Salman traf erst Donald Trump im Weißen Haus, anschließend wird er drei Wochen lang in den Vereinigten Staaten unterwegs sein. Nach Washington besucht er das Silicon Valley, Los Angeles, Houston und New York, um sich mit Geschäftsleuten aus Ölindustrie, Computerbranche und Finanzwelt zu treffen. Der Prinz, der mehr und mehr Verantwortung von seinem 82-jährigen Vater, König Salman, übernommen hat, will damit nicht nur Geschäftskontakte pflegen, sondern auch das Image seines Landes aufpolieren. Bei einem kurzen Fototermin mit Trump sagte der Prinz, man habe viel zu besprechen, die Beziehung beider Länder lobte er als „tief“.

          Prinz Mohammeds Reise ist für die Saudis wichtig, weil er im Ausland gern als Reformer wahrgenommen werden will. Immerhin kündigte er zuletzt an, dass Frauen ihren Kopf und ihr Gesicht nicht mehr verhüllen müssten. In Zukunft dürfen sie auch Auto fahren, im Militär dienen und Kultur- und Sportveranstaltungen besuchen. Auch wenn der Prinz gern über Reformen spricht – die Neuerungen ändern nichts daran, dass sein Land Menschen wegen kritischer Meinungen inhaftiert und keine freie Rede zulässt. Saudi-Arabien zog international negative Aufmerksamkeit auf sich, als es im Herbst 300 Geschäftsmänner, ehemalige Minister und Mitglieder der Königsfamilie in einem Hotel in Riad festsetzte. Eine Anti-Korruptionsmaßnahme, hieß es offiziell. Doch viele Geschäftsleute sollen Milliarden für ihre Freilassung gezahlt haben. Ohne Not unterstützte Donald Trump trotzdem damals den Prinzen und twitterte: „Ich habe großes Vertrauen in König Salman und den Kronprinzen von Saudi-Arabien. Sie wissen genau, was sie tun...“

          Eine Freundschaft mit Dissonanzen

          Hinter Trumps Haltung steht nicht zuletzt die enge persönliche Beziehung seines Beraters und Schwiegersohns Jared Kushner zum Kronprinzen und zu Geschäftsleuten in Saudi-Arabien. Kushner hat in Washington ein Netzwerk aus Kontakten in die arabische Welt aufgebaut, seit er mit dem Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate, Yousef al-Otaiba, Freundschaft schloss. Er soll auch dafür gesorgt haben, dass Trumps erster Staatsbesuch in Saudi-Arabien stattfand. Auch seine Verbindung zum saudischen Prinzen soll intensiver und persönlicher sein als dies üblich ist. Die „zwei Prinzen“ nannte die  „Washington Post“ die beiden Männer – beide haben in den kommenden Tagen eine ganze Reihe gemeinsamer Termine. Kushners Hoffnung, die Saudis würden ihm bei einem „Friedens-Deal“ zwischen Israelis und Palästinensern helfen, hat sich allerdings nicht erfüllt. Und seine Macht wurde vor Kurzem zumindest eingeschränkt, als er seine vorläufige Sicherheitsfreigabe im Weißen Haus verlor.

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