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Nachwahl in Pennsylvania : Wenden sich die Frauen von Trump ab?

  • -Aktualisiert am

Der demokratische Kandidat Conor Lamb bei einer Wahlkampfrede in Houston, Pennsylvania am 13. Januar. Bild: Reuters

Bei den Kongresswahlen im November wollen die Demokraten Siege feiern. In Pennsylvania versucht ein junger Politiker bei der Nachwahl schon mal sein Glück – in einer Gegend mit starker republikanischer Basis.

          Ein Erdrutsch für die Demokraten, eine Welle von Siegen, die die Mehrheit im Repräsentantenhaus, vielleicht sogar im Senat sichert – so stellen sich die Optimisten unter den Trump-Gegnern die Kongresswahlen im November vor. Und jede außerordentliche Wahl gilt als Testabstimmung – so war es besonders in Alabama und in Georgia im vergangenen Jahr, und so wird es auch am 13. März sein, wenn in Pennsylvania ein Sitz im Repräsentantenhaus neu besetzt werden muss.

          Dort ist ein junger ehemaliger Marinesoldat der demokratische Hoffnungsträger: Conor Lamb, 33 Jahre alt. Bislang war er Bundesstaatsanwalt in Pittsburgh – den Job gab er auf, um im 18. Kongress-Distrikt für das Repräsentantenhaus zu kandidieren.

          Notwendig wurde die Nachwahl, weil der bisherige republikanische Abgeordnete Tim Murphy seinen Sitz aufgab. Murphy, verheiratet und ein erklärter Gegner des Rechts auf einen sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch, soll seine Geliebte zu einer Abtreibung ermutigt haben, als diese glaubte, schwanger zu sein. SMS-Nachrichten des Paares gerieten an die Öffentlichkeit – darin soll Murphy auch behauptet haben, seine Mitarbeiter schrieben die Anti-Abtreibungs-Botschaften für die Wähler, er selbst zucke beim Lesen immer nur zusammen. Doppelte Doppelmoral, meinten seine Kritiker – die Berichte darüber veranlassten Murphy schließlich zum Rückzug. Er hatte im Bezirk bis dahin nicht weniger als acht Wahlen gewonnen.

          Die Gegend, die Conor Lamb nun für die Demokraten erobern will, umfasst mehrere südliche Vorstädte von Pittsburgh und gilt seit langem als sichere Bank für die Republikaner. Hier leben viele Menschen, die im Energiesektor und in der Kohleindustrie arbeiten. Seit Mitte der 1990er Jahre gewannen die Republikaner immer mehr Wähler hinzu. Donald Trump siegte mit fast 20 Prozent Vorsprung, John McCain und Mitt Romney fuhren zuvor als Präsidentschaftskandidaten ähnliche Ergebnisse ein.

          Wenn Lamb sich trotzdem realistische Chancen ausrechnen kann, dann liegt das an der demographischen Struktur, an der möglichen Enttäuschung von Arbeitern und Angestellten über Donald Trump, und auch an Lambs Image. Er gilt als einer, der auch mit den eingefleischtesten Konservativen reden kann. Lamb ist gläubiger Katholik und unterstützt ausdrücklich die Gewerkschaften. Er wirbt bei Themen wie Gesundheit und Infrastruktur für überparteiliche Kompromisse. Mit pragmatischen Positionen, die aber doch erkennbar genug arbeiterfreundlich sind, will er die Wähler überzeugen.

          Auf einer Linie mit moderaten Konservativen

          Lamb ist keiner, der die Hoffnungen der Parteilinken auf einen gesellschaftspolitischen Aufbruch verkörpert. Er ist, anders als viele im eigenen Lager, für das Recht auf Waffenbesitz – diese Position bekräftigte er auch nach dem Attentat von Parkland. Man müsse die geltenden Regelungen durchsetzen und gegebenenfalls den Waffenkauf von psychisch Kranken stärker überwachen. Darüber hinaus sieht Lamb keinen Handlungsbedarf: „Ich bin beim Thema Waffen nicht der Bundespartei verpflichtet, sondern den Menschen in West-Pennsylvania“, sagte er.

          Der republikanische Kandidat Rick Saccone (links) mit dem amerikansichen Vize-Präsident Mike Pence auf einer Wahlkampfveranstaltung am 2. Februar.

          Auch beim Streitpunkt Abtreibung könnten sich manche moderate Konservative mit Lambs Position anfreunden. Er sagte in einer Fernsehdebatte mit Konkurrent Rick Saccone, er persönlich sei gegen Schwangerschaftsabbrüche, aber: „Meine persönlichen religiösen Überzeugungen können den Frauen nicht ihre Rechte diktieren.“ Beim Mindestlohn erteilte der Jurist den Vorstellungen vieler Demokraten eine Absage. Die von vielen geforderten 15 Dollar die Stunde „hören sich hoch an“, glaubt Lamb und plädiert stattdessen für eine Mindestgrenze von 10 Dollar.

          Wenn er will, kann er allerdings auch Töne anschlagen, die traditionelle Demokraten lieber hören: Donald Trumps Steuergesetz sei für spendende Unternehmer geschrieben worden, schimpfte Lamb in der Fernsehdebatte. „Ich werde mit Donald Trump bei Themen wie Infrastruktur und dem Kampf gegen Drogen zusammen arbeiten, aber nicht bei einer Steuergesetzgebung, die der Mittelklasse nur Brotkrumen hinwirft und nichts tut, um zu verhindern, dass Jobs nach Übersee gehen“, sagte er gegenüber dem Magazin „Washingon Free Beacon“.

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