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Trump gewinnt Wahl in Amerika : Der Ego-Präsident

Donald Trump findet vor allem eines spitze – sich selbst. Bild: Reuters

Donald Trump, der Mann, der ins Weiße Haus einziehen wird, ist bisher vor allem durch sein Ego aufgefallen. Mit ihm haben die Amerikaner sich für ein Experiment entschieden – weil die Abneigung gegen seine Gegnerin so groß war.

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          Als Donald Trump im Juni 2015 in New York verkündete, als Präsidentschaftskandidat anzutreten, hielten viele Amerikaner das für einen schlechten Scherz. Ein milliardenschwerer Immobilien-Tycoon, der in Manhattan für seine nach ihm benannten Hochhäuser bekannt war, viel mehr aber für sein exzentrisches Verhalten – als mächtigster Mann der Welt? Schnell zählten selbst Republikaner genüsslich Trumps Fehltritte auf, die ihn für das Amt disqualifizierten, wie sie glaubten: seine Impulsivität, die ihn Dinge sagen lässt, für die politische Berater längst drei Mal gefeuert worden wären; seine ungezügelte Egozentrik, vor allem aber sein Bild der Welt als großes Geschäft, in dem starke Männer über schwächere Männer siegen und es nicht darauf ankommt, nicht zu schummeln, sondern beim Schummeln im Zweifel schneller zu sein.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Auch als Gastgeber der Fernseh-Reality-Show „The Apprentice“, in der sich Kandidaten bei Trump um einen Einjahresvertrag in einem seiner Unternehmen bewerben und die Verlierer mit den mittlerweile sprichwörtlich gewordenen Worten „You're fired“ hinausbefördert werden, hatte der 70 Jahre alte Trump bewiesen, dass sich sein Kosmos vor allem um eines dreht: um sich selbst.

          Eine politische Witzfigur sei Trump, so lautete in jenem Sommer eine verbreitete Meinung in Washington, die gegen die etablierten Profis niemals werde bestehen könne. Und hatte Trump nicht schon öfter damit kokettiert, ins Weiße Haus zu wollen, es dann aber doch nicht gemacht? Spätestens im Vorwahlkampf, so glaubten die meisten, werde sich die Episode Trump von allein erledigen. Umso ungläubiger mussten konservative Schlachtrosse wie Ted Cruz, Marco Rubio oder auch Jeb Bush, der Bruder des früheren Präsidenten George W., nach den ersten Monaten im Wahlkampf mit ansehen, wie Trump mit jedem Tag stärker wurde und sich schließlich gegen alle großen republikanischen Namen durchsetzte.

          Ein Mann des Klartexts

          Mit offenem Mund registrierten auch die politischen Beobachter, dass sich die Wähler nicht über Trump lustig machten, wie alle erwartet hatten, sondern das Gegenteil eintrat: Mit jeder umstrittenen Äußerung, die „The Donald“ auf seinem Weg zur Kandidatur machte, wurde das Gefühl vieler Amerikaner größer, dass da endlich jemand sei, der die Dinge anders angehen werde. Der endlich nicht mehr auf Konsens und den kleinsten gemeinsamen Nenner aus sei wie das „Establishment“ in Washington, das für viele so unendlich weit entfernt von ihrer Lebenswirklichkeit ist, sondern der Klartext rede.

          Bisheriges Ergebnis

          Und Klartext redete Trump wirklich – so drastisch, dass er schon bald für einen Eklat nach dem nächsten sorgte. Er brandmarkte mexikanische Einwanderer als „Vergewaltiger“ und kündigte an, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, um die illegale Einwanderung zu stoppen. Er sprach darüber, vorübergehend allen Muslimen pauschal die Einreise nach Amerika zu verweigern, bis man besser einschätzen könne, welche Terrorgefahr ihre Einreise bedeute. Vor allem zeigte Trump durch herablassende Angriffe unter anderem auf seine parteiinterne Konkurrentin Carly Fiorina, welche Rolle Frauen in seinem Weltbild einnehmen: „Schaut Euch dieses Gesicht an – soll das irgendjemand wählen?“ Ein anderes Mal beschimpfte Trump die Fox-Moderatorin Megyn Kelly, weil die ihn mit harten Fragen zu seinem Frauenbild attackierte, als „Tussi“ und „Leichtgewicht“. „Aus ihren Augen kam Blut, Blut, Blut kam aus ihr heraus – wo auch immer“, sagte Trump im Sender CNN – offenbar in Anspielung auf die weibliche Menstruation.

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