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Trumps Triumph : Die verstümmelte Nation

  • -Aktualisiert am

„Liebe übertrumpft Hass“: Das scheint ein Trump-Anhänger auf einer Clinton-Wahlkampfveranstaltung nicht zu glauben. Bild: Reuters

Die Demoskopen lagen daneben, die Journalisten haben geirrt: Die Amerikaner haben Trump zum Präsidenten gewählt. Die mächtigste Nation wird von einem Unberechenbaren regiert, der die Mechanismen der digitalen Revolution perfekt zu nutzen wusste.

          „Wie konnte das passieren?“, werden sich heute Millionen Menschen in der ganzen Welt besorgt fragen. Wie konnte es passieren, dass die Amerikaner einen Präsidenten gewählt haben, der nach allen Regeln einer zivilisierten Gesellschaft des Amtes nicht würdig ist? Wie konnte es passieren, dass vernünftige Bürger das wichtigste Regierungsmandat der westlichen Welt einem ungehobelten Raubein zusprechen, das bisher nur eines sicher verspricht: Der Welt einen gehörigen Schuss Unberechenbarkeit zu injizieren?

          Eigentlich hätte dieser Kandidat ja nicht gewinnen dürfen. Er hat im Wahlkampf gelogen, dass sich die Balken bogen. Er hat gedroht, seine Gegnerin ins Gefängnis zu werfen und – einmalig in der amerikanischen Geschichte – das Ergebnis der Wahl nicht anzuerkennen. Er hat Minderheiten beleidigt, sich als rüpelhafter und ungebildeter Flegel präsentiert, als Chauvinist der Extraklasse. Amerika hat einen Präsidenten, der sich damit rühmt, Frauen in den Schritt zu fassen. „Der am wenigsten geeignete Kandidat in der amerikanischen Geschichte“, haben ihn mehrere führende amerikanische Medien genannt, darunter auch die „New York Times“.

          Seine Gegnerin Hillary Clinton dagegen ist eine routinierte Diplomatin, eine erfahrene Politikerin, eine liberale Denkerin. Ihre Laster sind ein zuweilen nachlässiger Umgang mit der Wahrheit, eine ausgeprägte Gier, ihre Nähe zum Establishment, aber keine unberechenbare Leidenschaft. Revolutionen waren von ihr nicht zu befürchten, eher eine dauernde Lähmung, weil der republikanisch dominierte Kongress die verhasste Kandidatin umgehend an ihren Sessel im Weißen Hauses gefesselt hätte, um ihr nicht einen Erfolg zu ermöglichen.

          Journalisten und Meinungsforscher lagen daneben

          Doch die Amerikaner haben sich anders entschieden. Es war wie kürzlich beim Brexit: Die Demoskopen lagen daneben, die Journalisten auch. Sie alle haben wie bei der Abstimmung in Großbritannien die Wucht der populistischen Bewegung unterschätzt, die der Immobilien-Tycoon Trump angeführt hat.

          Dieser Wahlkampf, der zuweilen eher einem Vernichtungsfeldzug glich denn einem politischen Wettbewerb, wird noch lange nachwirken. Er hinterlässt eine politisch verwüstete Nation. Und der neue Präsident hat bisher deutlich gemacht, dass er sich nicht als Seelendoktor einer zutiefst gespaltenen Nation versteht, sondern zunächst einmal bestimmen möchte, wer überhaupt dazugehört: „Das Wichtigste ist es, das Volk wieder zu einigen", sagte er kürzlich, wer allerdings nicht dazugehören wolle, der spiele auch „keine Rolle“.

          Bisheriges Ergebnis

          Die Amerikaner haben sich Wunden zugefügt, die noch nach Monaten nicht ausgeheilt sein werden. Und ihre Narben werden noch nach Jahren für Schmerzen sorgen. So schnell wird der Hass nicht verschwinden. Die Bürger der westlichen Vormacht, deren Unterhaltungserzeugnisse die meisten verschlingen, deren unternehmerischen Mut viele Europäer bewundern, werden auch in der kommenden Zeit keinen Spaß an sich selbst haben. Und viele Deutsche und andere Europäer nicht an ihnen.

          Die Folgen dieser politischen Selbstzerstörung reichen weit über Amerika hinaus. Welcher junge Chinese oder Russe wird in seiner Heimat ernsthaft für ein System eintreten, dessen demokratischer Prozess so hässlich abläuft? Systeme überzeugen nicht allein mit einem politischen Konzept, auch die Ästhetik der politischen Praxis muss eine gewisse Anziehungskraft ausüben. Ein abschreckenderes Wahltheater hat eine große westliche Nation der Welt lange nicht geboten. Der Schaden für die Sache der Demokratie ist kaum zu überschätzen.

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