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Kommentar : Dann helfe uns Gott

Was aber wird er vor den Mauern und Wällen seiner Trumpburg tun? Das einzige konkrete außenpolitische Ziel, das er nannte, lautete: Wir wollen den radikalen islamischen Terrorismus vollständig vom Angesicht der Erde tilgen. Dazu werde er alte Allianzen stärken und neue bilden. Auch dieses Vorhaben („eradicate completely“) kündet von einer Selbstüberschätzung und einer außenpolitischen Ahnungslosigkeit, die, um einen von ihm benutzten Begriff zu verwenden, „unpresidented“ sind.

Trump selbst glaubt freilich, sein Weg könnte ein „leuchtendes Beispiel“ auch für den Rest der Welt sein. Diese Gefahr besteht tatsächlich. Denn sein Sieg über das „Establishment“ wird ja nicht nur im Mittleren Westen bejubelt. Trumps Erfolg steht für eine auch in Europa zu beobachtende Abkehr von den Mühen der parlamentarischen Demokratie und ihren „Eliten“ und für eine Hinwendung zu starken Männern und Frauen, die ihren Nationen wieder Größe, Glanz und Gloria versprechen. Man muss sich nur den güldenen Pomp im Trump-Tower ansehen, um zu verstehen, warum sein Bewohner in Russlands Präsidenten-Zaren einen Wesensverwandten zu erkennen glaubt, mit dem man gute „Deals“ machen könne.

Es steht zu befürchten, dass auch ein frühes Scheitern von Trumps Plänen den Spuk nicht beenden und die Geister, die ihn ins Oval Office brachten, nicht verschwinden lassen würde. Trump ist nicht dafür bekannt, Fehler zuzugeben; der Siebzigjährige wird jetzt, da er gegen alle Vorhersagen Präsident geworden ist, kaum noch damit anfangen. Läuft seine Präsidentschaft auf Grund, dann wird daran das „Establishment“ schuld gewesen sein, das sich mit Klauen und Zähnen gegen die Vertreibung von den Schalthebeln der Macht gewehrt hat – oder andere finstere Kräfte im In- und Ausland, es gibt ja so viele. Wenn Trump etwas von einer Theorie versteht, dann ist es die der Verschwörung.

Apocalypse now? Ein Colonel Kurtz, der in Francis Ford Coppolas Vietnam-Kriegsepos ein Königreich des Wahnsinns errichtete, ist Trump nicht. Und die Europäer haben, wie Kanzlerin Merkel sagte, ihr Schicksal selbst in der Hand. Doch wird Trump gelingen, was sogar der russische Neoimperialismus nicht schaffte – die zerstrittenen Europäer zu einen, was Voraussetzung ist, wenn sie ihre Interessen so „beinhart“ (Gabriel) vertreten wollen, wie es im Umgang mit Trump nötig sein wird? Oder wird Trumps Triumphzug ins Weiße Haus auch in Europa jenen Auftrieb geben, die in nationalen Alleingängen die Lösung aller Probleme sehen? Die Europäer werden es bald erfahren, in den Wahlen, die in diesem Jahr anstehen. In Washington konnte der Populismus schon seinen T-Day feiern. Die nächste Schlacht wird an den Stränden Europas geschlagen. Wer will jetzt noch hohe Summen darauf wetten, dass die Vereinfacher, Verführer und Verhetzer dort aufzuhalten sind? Nicht allein Amerika stehen schwere und unsichere Zeiten bevor, sondern der ganzen Welt. Wenn der Trumpismus Schule macht, dann helfe Gott uns.

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