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Präsidentschaftswahl 2020 : Republikaner planen schon für die Zeit nach Trump

  • Aktualisiert am

Kein Anschluss unter dieser Nummer? Donald Trump ist in seiner Partei zunehmend isoliert. Bild: AP

Verhindert seine eigene Partei, dass Donald Trump für eine zweite Amtszeit kandidiert? Offenbar bereiten führende Republikaner bereits die Präsidentschaftswahl 2020 ohne den amerikanischen Regierungschef vor.

          3 Min.

          Nach nur etwas mehr als einem halben Jahr im Amt hat es Donald Trump zu einem der unbeliebtesten amerikanischen Präsidenten in der Geschichte gebracht. Doch nicht nur große Teile der Weltbevölkerung und des amerikanischen Volkes sehen den mächtigen Mann im Weißen Haus überaus kritisch – auch in seiner Partei hat Trump in den vergangenen Monaten bereits viel Zuspruch verloren. Das hat Folgen: Offenbar bringen sich schon jetzt einige führende Republikaner für die Präsidentschaftswahlen in drei Jahren in Stellung – und planen ihn ohne Donald Trump.

          Einem Bericht der „New York Times“ zufolge sind zuletzt auffällig viele namhafte Politiker der Republikaner in verschiedensten Wahlkreisen aufgetreten. Für die Zeitung ist das ein klares Indiz, dass bereits nicht einmal ein Jahr nach der Wahl von Trump erste Schattenkampagnen in den eigenen Reihen gegen den amerikanischen Präsidenten anlaufen. Einige mögliche Präsidentschaftskandidaten hätten bereits Kontakt zu potentiellen Geldgebern und Interessengruppen aufgenommen und versucht, sich bei ihnen beliebt zu machen.

          Üblicherweise wird für zweite Amtszeit kandidiert

          Trump selbst hat bislang nicht im Ansatz angedeutet, er würde bei Zweifeln innerhalb der eigenen Partei über den Verzicht auf eine abermalige Kandidatur nachdenken. Doch nach Angaben der „NYT“ haben in den letzten Tagen bereits mehrere Republikaner deutlich gemacht, dass es auch mögliche andere Bewerber für eine Präsidentschaftskandidatur geben könne. Einige führende Parteifunktionäre würden sich dabei bereits offen für den derzeitigen Vizepräsidenten Mike Pence aussprechen, der sich angeblich schon jetzt für die Amtsübernahme in Stellung bringe. Auch der im vergangenen Vorwahlkampf der Republikaner an Trump gescheiterte John Kasich hat bereits in mehreren Interviews angekündigt, nochmals zu kandidieren – selbst wenn Trump eine zweite Amtszeit anstreben sollte.

          Dass die Republikaner ihren eigenen Präsidenten nach der ersten Legislaturperiode nicht mehr unterstützen, wäre ein äußerst ungewöhnlicher Schritt in der amerikanischen Politik. Üblicherweise kandidiert der amtierende Präsident für eine zweite Amtszeit – erst danach kann er nicht noch einmal antreten. Doch nicht zuletzt seit der gescheiterten Gesundheitsreform gilt das Verhältnis zwischen Trump und einigen führenden republikanischen Senatoren als zerrüttet.

          Unterdessen hat Trump nach tagelanger harter Kritik seinen Justizminister Jeff Sessions erstmals wieder öffentlich gelobt. Nachdem in Washington viele Jahre lang vertrauliche Informationen an die Medien weitergegeben worden seien, sei es „toll“, dass der Generalstaatsanwalt nun dagegen vorgehe, schrieb Trump am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter. Bei Fragen der nationalen Sicherheit gelte die Devise: „je härter, desto besser“.

          Trump hatte Sessions in den vergangenen Wochen mit scharfer öffentlicher Kritik in die Enge getrieben. Er bezeichnete seinen Justizminister unter anderem als „sehr schwach“ und „angeschlagen“. Der Präsident ist erzürnt darüber, dass sich Sessions im März in der Affäre um dubiose Russland-Kontakte von Trumps Wahlkampfteam für befangen erklärt und aus den entsprechenden Ermittlungen zurückgezogen hatte. Vor zweieinhalb Wochen hatte Trump diese Wut erstmals öffentlich geäußert. Er warf dem Minister vor, sich ihm gegenüber mit seiner Befangenheitserklärung „extrem unfair“ verhalten zu haben. In der vergangenen Woche bezichtigte er Sessions zudem, nicht entschlossen genug gegen die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an die Medien vorzugehen.

          Trotz der beispiellosen Attacken lehnte Sessions einen Rücktritt ab. Am Freitag kündigte er dann an, künftig verschärft gegen die Weitergabe von Informationen an die Medien vorzugehen. Gegen vier Verdächtige wurden seinen Angaben zufolge wegen solcher Informationslecks bereits formelle Anschuldigungen erhoben.

          Darüber hinaus lobte Trump China und Russland nach der Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea für ihre Unterstützung im UN-Sicherheitsrat gelobt. „Der Präsident begrüßt Chinas und Russlands Zusammenarbeit bei der Verabschiedung dieser Resolution“, erklärte das Weiße Haus am Samstag. Trump werde sich weiter „mit Verbündeten und Partnern“ dafür einsetzen, den diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf Nordkorea zu erhöhen. Die Führung in Pjöngjang müsse dazu gebracht werden, ihr „gefährliches und destabilisierendes Verhalten“ zu beenden.

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          Trump hatte das Weiße Haus am Freitag für einen 17-tägigen Aufenthalt in seinem Golf-Club in Bedminster bei New York verlassen. Um einen Urlaub handele es sich dabei aber nicht, schrieb Trump am Samstag in einem weiteren Tweet. Er arbeite wegen Renovierungsarbeiten im Weißen Haus nun in Bedminster. „Das ist kein Urlaub“, erklärte der Präsident. Er nehme weiterhin an Sitzungen teil und erledige Telefonanrufe. Das Weiße Haus hat Trumps Aufenthalt in Bedminster als „Arbeitsurlaub“ bezeichnet und auf Reparaturarbeiten am Heizungs-und Kühlsystem im Weißen Haus verwiesen. Seit seinem Amtsantritt im Januar hat Trump bereits zahlreiche Wochenenden außerhalb Washingtons in dem Golf-Anwesen in Bedminster oder in seinem Privatclub Mar-a-Lago in Florida verbracht.

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