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Einsamer Donald Trump : Der Beginn vom Ende der Präsidentschaft?

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Ob der Präsident das will, wollte seine Sprecherin auch am Donnerstag nicht klar sagen – sie erinnerte lieber daran, wie „enttäuscht“ Trump von dem Minister sei. Dem Stabschef erging es nicht besser. Der Präsident, so die Sprecherin, werde Bescheid sagen, wenn er dem Stabschef nicht mehr vertraue. Scaramuccis Fehde mit Reince Priebus geht darauf zurück, dass Letzterer sich monatelang gegen seine Ernennung gewehrt hatte, die der New Yorker Investor schon überall angekündigt hatte. Am Donnerstag erklärte Scaramucci nun seine frühere Aussage, Priebus und er seien „wie Brüder“, mit Verweis auf die Brüder Kain und Abel. Ob sein Zerwürfnis mit Priebus auch in (politischen) Totschlag münden müsse, müsse „der Präsident entscheiden“, sagte er am Donnerstag in einem Interview. Dann berichtete der Journalist Ryan Lizza von dem Telefonat, das er am Mittwochabend mit Scaramucci geführt hatte.

Trumps Vertrauter hatte Lizza angerufen, weil der gemeldet hatte, dass Trump den Fox-News-Moderator Sean Hannity und einen früheren Manager des Senders für ein Dinner zu Gast hatte. Scaramucci wollte von Lizza hören, wer ihm das verraten habe. Er appellierte an den Patriotismus des Reporters und versicherte ihm, dass sein Schweigen niemanden beschützen werde: „Denn ich werde jeden einzelnen (Mitarbeiter des Kommunikationsteams) feuern.“

Eine schwere Straftat?

In Wahrheit war Scaramucci vor allem erbost darüber, dass das Onlinemagazin „Politico“ seine Finanzen offengelegt hatte, und zwar auf Grundlage der Angaben, die er auf einem Formular für seine Anstellung bei der Bundesregierung machen musste. Scaramucci warf Priebus vor, das Formular weitergegeben zu haben. Das sei eine schwere Straftat, und er stehe für die Ahndung dieser und anderer Vergehen von Durchstechern im Weißen Haus bereits mit dem FBI und dem Justizministerium in Verbindung, das Anklagen vorbereite. Die „Politico“-Reporterin freilich belehrte Trumps Kommunikationschef, dass die Finanzerklärungen öffentlich einsehbar sind. Scaramucci bezeichnete Priebus im Telefonat mit Lizza mehrmals vulgär als „cock blocker“, womit gemeinhin Leute gemeint sind, die andere Männer am Vollzug sexueller Handlungen hindern. Doch im Gegensatz auch zu Steve Bannon „versuche ich nicht, an meinem eigenen Schwanz zu lutschen“.

Donald Trump: Hat seine Mannschaft nicht mehr unter Kontrolle.

„Ich liebe Trump“, versichert Scaramucci seit Tagen. Lizza sagte er: „Ich will die beschissenen Durchstecher töten und die Agenda des Präsidenten in die Spur setzen.“ Auf Twitter versprach Scaramucci später, sich beim Gebrauch seiner „farbigen Sprache“ künftig zurückzunehmen. Doch er weiß, dass auch sein Chef ein Faible für eine gewisse Buntheit des Ausdrucks hat.

Die mehr als 40.000 Jugendlichen, die Trump auf dem Pfadfindertreffen mit einer Anhängerschar auf einer Kundgebung zu verwechseln schien, wissen das jetzt auch. „Wer zur Hölle will vor Pfadfindern über Politik reden?“, hatte Trump am Montag zwar gefragt. Aber dann zog er über Obama, Hillary Clinton und die „Fake News“ her, witzelte über die Liebe zwischen Männern, nannte Washington eine „Jauchegrube“, erzählte von den „heißesten New Yorkern“, die er auf einer Cocktailparty getroffen habe, und resümierte vor dem minderjährigen Publikum sein Wirken als Präsident: „Was wir schon alles getan haben ist, ehrlich gesagt, ein unglaublicher Tribut an euch und die anderen Millionen von Menschen, die sich hervorgewagt und dafür gestimmt haben, Amerika wieder großartig zu machen.“

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