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Auftritt der Trump-Familie : Meine Frau, meine Kinder und ich

  • -Aktualisiert am

Stolzer Vater: Trump und seine Tochter Ivanka am 20. Februar in Spartanburg, South Carolina Bild: dpa

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner setzen die Bewerber auf Fernsehauftritte mit ihren Familien. Auch die Trumps inszenieren sich als harmonischer Patchwork-Clan. Der Patriarch gönnt sich  eine kurze Pöbel-Pause.

          „Ich habe eine großartige Familie.“ Selig lächelnd blickt Donald Trump in die Runde. Neben ihm sitzen Ivanka, Eric und Donald Junior, seine drei Kinder aus erster Ehe. Sie haben Tiffany, seine ebenfalls bereits erwachsene Tochter aus zweiter Ehe, in die Mitte genommen. Zwischendurch schleicht sich eines der acht Enkelkinder aus dem Publikum, wo noch mehr Verwandte sitzen, auf die Bühne. Melania, seine dritte und aktuelle Ehefrau, strahlt ihren Donald an. Mehr Harmonie geht kaum. Meet the Trumps – eine schrecklich nette Familie.

          Ob man sie nun kitschig findet oder nicht, es sind auf jeden Fall bemerkenswert unpolitische Politiker-Auftritte, die die amerikanischen Fernsehzuschauer in dieser Woche zur besten Sendezeit präsentiert bekommen. An drei Abenden in Folge stellen sich nicht nur die drei verbliebenen republikanischen Präsidentschaftsbewerber einer nach dem anderen den Fragen der Wähler, sondern auch ihre Ehefrauen und Kinder. Am Montag machte John Kasich zusammen mit Gattin Karen und den Töchtern Reese und Emma den Anfang. Am Dienstagabend folgte jetzt die mit Spannung erwartete Stunde der Trumps.

          Wer allerdings einen der üblichen Krawall-Auftritte des Unternehmers erwartet hatte, der bei den Vorwahlen der Republikaner bisher die meisten Delegiertenstimmen gewinnen konnte, wurde enttäuscht. Wie weichgespült gibt sich der 69-Jährige im Kreise seiner Lieben. Die wiederum tun alles, um das angekratzte Image des Patriarchen aufzupolieren. Niemand arbeite so hart wie ihr Vater, ist sich der eloquente Trump-Nachwuchs einig. Stets sei er für sie „ein Mentor“ gewesen, „ein Freund“, „immer erreichbar“. Dass Ivanka und Eric bei der anstehenden Vorwahl in New York nicht für ihren Vater stimmen können, weil sie die Registrierungsfrist verschwitzt haben, hat ihnen das Familien-Oberhaupt längst verziehen.

          Melania findet ihren Mann „amazing“

          Während Trumps Kinder vielen Amerikanern aus der jahrelang ausgestrahlten Reality-TV-Sendung „The Apprentice“ bestens bekannt sind, bleibt Ehefrau Melania weiterhin im Hintergrund. Das in Slowenien geborene frühere Model ist schon lange amerikanische Staatsbürgerin, ihren osteuropäischen Akzent aber hat sich die 45-Jährige beim Sprechen bewahrt. Vielleicht fallen ihre Antworten auch deswegen eher kurz aus. „Amazing“ sei ihr Ehemann, sagt sie, wann immer sie gefragt wird. Das kann man zum Beispiel mit „toll“ oder „erstaunlich“ übersetzen.

          Auch sie stehen zur Wahl: Donald Trumps Ehefrau Melania (r.), seine Tochter Ivanka und die beiden Söhne Eric (M.) und Donald Trump Jr. Mitte Januar bei einer Wahlkampfveranstaltung in Charleston, South Carolina

          Der Gebauchpinselte genießt und schweigt. Hatte er noch unmittelbar vor der Familien-Show mit harschen Worten mal wieder gegen das republikanische Establishment gewettert, das angeblich alles versuche, um ihm die verdiente Präsidentschaftskandidatur doch noch aus den Händen zu reißen, legt Trump an diesem Abend eine seltene Pöbel-Pause ein. Als er stattdessen mit ruhiger Stimme vom frühen Tod seines alkoholkranken Bruders berichtet, wird es still im Publikum. Es ist einer der Momente des Abends, den Beobachter später als „bewegend“ und „authentisch“ bezeichnen.

          Wie viel Privates ist politisch relevant im amerikanischen Wahlkampf? Das neue Format gewähre „Einblicke in die Familiendynamik“ der Kandidaten, erklärt CNN-Moderator Anderson Cooper fast schon entschuldigend. Und in der Tat: Wer am Montag in die peinlich berührten Gesichter von John Kasichs Teenager-Töchtern schaute, als ihr prominenter Vater über deren erste Erfahrungen mit jungen Verehrern aus dem Nähkästchen plauderte, bekommt einen Eindruck, wie es beim Gouverneur von Ohio zu Hause zugeht.

          Kasich liegt auf dem Sofa und macht müde Witze

          Er liege gerne auf dem Sofa, schaue Golf und mache unlustige Witze, sagen Kasichs Kinder über ihren Vater. Der lächelte daraufhin erst etwas gequält, dann dankbar. Nichts kommt im Wahlkampf schließlich besser an als Hobbys und Eigenschaften, mit denen sich Millionen Amerikaner identifizieren können. Normalität ist Trumpf, gerade wenn es gegen Typen wie Trump geht. Der Milliardär predigt zwar den amerikanischen Traum, aber sein Luxus-Leben hat dann doch sehr wenig mit dem amerikanischen Durchschnittsalltag zu tun.

          Ob volksnahes Auftreten à la Kasich reicht? Meinungsforscher weisen zu Recht darauf hin, dass die meisten Wähler von sich sagen, nach inhaltlicher Präferenz und nicht nach Sympathie abzustimmen. Dennoch solle man „das Gesamtpaket“, das eben auch aus Familie und Persönlichkeit bestehe, nicht unterschätzen, schreibt der bekannte Kolumnist Joe Concha. Zumal ja viele Wähler gar nicht genau wüssten, welcher Kandidat denn nun genau welche Positionen vertritt. Und selbst wenn sich letzten Endes doch nicht viele Wähler von menschelnden Familien-Auftritten beeinflussen lassen, so Concha, schaue man sich diese doch trotzdem gerne im Fernsehen an.

          Genau deswegen dürften auch beim dritten und letzten Teil des republikanischen Familienduells am Mittwoch wieder Millionen einschalten, wenn Texas-Senator Ted Cruz vor die Kameras tritt, mit Ehefrau Heidi an seiner Seite. Die Investmentbankerin mit Harvard-Abschluss war bereits vor Wochen mitten in der politischen Schlammschlacht gelandet, als sich Trump auf Twitter über ihr Aussehen lustig machte. Für Zündstoff ist am Mittwochabend also gesorgt.

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