https://www.faz.net/-gpf-8nnwm

Trump über Folter : Bier und Zigaretten statt Waterboarding

Im Gespräch mit der „New York Times“ räumt Donald Trump einige seiner Wahlversprechen ab. Bild: AP

Im Wahlkampf fand Donald Trump die Foltermethode Waterboarding zu lasch und wollte „noch höllisch Schlimmeres“ einführen. Jetzt ließ er sich angeblich von einem pensionierten General überzeugen, dass Terrorverdächtige anders befragt werden sollten.

          4 Min.

          Zwei Wochen nach der Präsidentenwahl hat sich Donald Trump ganz anders über Folter geäußert als noch im Wahlkampf. Zum ersten Mal sprach er jetzt als gewählter Präsident über das Waterboarding, dessen Wiedereinführung er seit Monaten vehement gefordert hatte. Und gibt Zweifel an der Wirksamkeit dieser Foltermethode zu erkennen. Die Zweifel hat angeblich ein Mann gestreut, den Trump „ernsthaft, sehr ernsthaft“ als künftigen Verteidigungsminister in Erwägung zieht: der pensionierte General James Mattis.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Trump traf Mattis am Wochenende in seinem Golfklub in New Jersey und ist seitdem voll des Lobes. In einer spannungsgeladenen Begegnung mit der „New York Times“ sagte Trump am Dienstag, er habe Mattis gefragt, was der vom Waterboarding halte. „Er sagte – ich war überrascht – er sagte, ‚Ich fand es nie nützlich‘. Er sagte, ‚Ich war immer der Meinung, gebt mir eine Packung Zigaretten und ein paar Bier, und ich werde damit erfolgreicher sein als mit Folter‘. Und diese Antwort hat mich sehr beeindruckt.“

          So klingt eine 180-Grad-Wende. So klingt Trump, der gewählte Präsident.

          Trump, der Wahlkämpfer, hatte noch ganz anders gesprochen: „Würde ich Waterboarding unterstützen?“, sagte er während eines Auftritts in Ohio. „Wetten Sie Ihren Arsch darauf, dass ich das tun würde. Nur ein Idiot würde sagen, dass das nicht funktioniert.“

          Trump wollte „noch höllisch Schlimmeres“

          Trump hatte das Waterboarding nicht nur immer wieder verteidigt. Er hatte es auch als zu lasch bezeichnet und angekündigt, er würde noch „höllisch Schlimmeres zurückbringen“. Er wolle die Gesetze „erweitern“, damit die Vereinigten Staaten mit der Taktik von Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“ „mithalten“ könnten. Für seine Sicherheit müsse Amerika „Dinge tun, die fast undenkbar sind“. Waterboarding würde er zulassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Denn „es funktioniert“, so Trump immer wieder, und wenn es nicht funktionieren sollte, wenn es also nicht zu den erhofften Informationen führte, „hätten sie (die Terrorverdächtigen) es trotzdem verdient für das, was sie getan haben“.

          Damit hatte Trump Befürchtungen genährt, er könnte als Präsident tatsächlich an die schwärzesten Zeiten der Bush-Regierung anknüpfen, in denen die CIA alle Zügel im Antiterrorkampf abstreifte. Sie griff damals auf immer brutalere Verhörmethoden zurück, unter ihnen das Waterboarding. Dabei wird der Gefangene auf ein Brett mit 10 bis 15 Grad Neigung gebunden, seine Füße höher als der Kopf. Der wird fixiert und ein Tuch über das Gesicht gespannt. Dann gießt ein Vernehmer Wasser auf das Tuch. Der Atemwiderstand steigt bedrohlich. Im Blut des Gefangenen reichert sich immer mehr Kohlendioxid an, der Atemreiz wird unerträglich groß, er schnappt nach Luft, aber er kriegt keine. Panik überkommt ihn. Er hat das Gefühl zu ertrinken, zu ersticken. Nach 20 bis 40 Sekunden, so heißt es in einem Memo des amerikanischen Justizministeriums aus dem Jahr 2002, sei die Prozedur „für drei oder vier volle Atemzüge“ zu unterbrechen - bevor sie wieder von vorn beginnt.

          Weitere Themen

          New York meldet mehr als 600 Tote in 24 Stunden Video-Seite öffnen

          Coronavirus wütet in Amerika : New York meldet mehr als 600 Tote in 24 Stunden

          In Amerika steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus weiter kräftig an. Zuletzt wurde die Zahl von 300.000 Infizierten überschritten. Über 8.100 Menschen starben bislang an dem Virus. Präsident Trump nutzt die Gelegenheit, um gegen New Yorks Gouverneur Cuomo zu feuern.

          Moderne Piraterie?

          Tausende Masken verschwunden : Moderne Piraterie?

          Hat Amerika wegen der Corona-Krise der deutschen Hauptstadt 200.000 Atemschutzmasken weggeschnappt? Das sagt der Berliner Senat. Das Weiße Haus stellt die Sache anders dar.

          Topmeldungen

          Unter Federführung des Robert- Koch-Instituts haben Experten im Jahr 2012 durchgespielt, was in Deutschland passieren würde, wenn sich eine Seuche ausbreitet. Der Bericht ging an alle Bundestagsabgeordneten.

          Pandemie-Szenario : Der Bericht, den keiner las

          Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz warnte schon 2012 vor einem Virus, das unser Gesundheitssystem zum Einsturz bringen könnte. Doch geschehen ist nichts. Die Autoren sagen: Weil sich keiner dafür interessierte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.