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Trumps Wirtschaftspläne : Steuern runter, Regeln weg

  • Aktualisiert am

Donald Trump hat große Pläne. Bild: Reuters

Donald Trump hat vor allem zwei Ideen für die amerikanische Wirtschaft. Inspiriert hat den Kandidaten der Republikaner offenbar ein Vorgänger aus den Achtzigern.

          Mit drastischen Steuersenkungen und Deregulierung will der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Wirtschaft seines Landes voranbringen. Trump kündigte am Montag in einer Rede in Detroit „die größte Steuer-Revolution“ seit der Präsidentschaft von Ronald Reagan in den achtziger Jahren an. Die Unternehmenssteuer solle von derzeit 35 auf 15 Prozent gesenkt, die Einkommensteuer quer durch alle Einkommensgruppen reduziert werden. Davon werde besonders die Mittelschicht profitieren.

          Trump kündigte zudem eine Vereinfachung des Einkommensteuersystems an. Demnach solle es nur noch drei Sätze in Höhe von zwölf, 25 und 33 Prozent geben. Viele Arbeitnehmer würden nach seinem Plan gar keine Einkommensteuer zahlen. Außerdem wolle Trump nach seinem Amtsantritt ein Moratorium für alle neuen Regulierungen für die amerikanische Wirtschaft verhängen. Er werde sich sodann daran begeben, nach einer Prüfung alle überflüssigen Regulierungen rasch abzuschaffen, kündigte der Republikaner an.

          Rating-Agentur: Wirtschaft würde unter Trump leiden

          Vor seiner Rede hatte die Rating-Agentur Moody’s die wirtschaftspolitischen Pläne der beiden Präsidentschaftskandidaten unter die Lupe genommen und ist dabei zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: Fast jede gesamtwirtschaftliche Kennzahl würde sich unter Trump deutlich verschlechtern. So schätzt die amerikanische Rating-Agentur, dass das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten unter Clinton höher läge als unter Trump. Die Staatsverschuldung würde unter einem republikanischen Präsidenten weitaus drastischer ausfallen. Ebenso nannte Moody's Zahlen zu Erwerbstätigen und der Arbeitslosenquote.

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          Am vergangenen Freitag hatte Donald Trump sein neues Team von Wirtschaftsberatern vorgestellt. Bei den 13 Personen, ausschließlich Männer, handele es sich einem Bericht der „Washington Post“ zufolge um enge Freunde oder langjährige Geschäftspartner Trumps.

          Trump lästert weiter über Clinton

          Mit der Präsentation eines umfassenden Plans für die Reform der amerikanischen Wirtschaft versuchte der Präsidentschaftskandidat, seine zuletzt schwer ins Straucheln geratene Kampagne auf Kurs zu bringen. Der rechtspopulistische Immobilienmilliardär hatte sich in den vergangenen Wochen mit einer Serie von Fehltritten selbst beschädigt und verlor in den Umfragen deutlich an Boden gegenüber der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. In der jüngsten Umfrage lag Clinton mit 52 Prozent deutlich vor Trump, der neun Prozentpunkte Differenz zu der Demokratin hatte.

          Trump hatte unter anderem mit seiner Aufforderung an Russland zum Cyberangriff auf Clinton sowie durch seinen Schlagabtausch mit den muslimischen Eltern eines im Irak gefallenen amerikanischen Soldaten für Entrüstung gesorgt. Zudem verweigerte er den Parteigrößen Paul Ryan, Vorsitzender des Repräsentantenhauses, und Senator John McCain, den Beistand in deren Wahlkämpfen zum Wiedereinzug in den Kongress, bevor er sich dann letztlich doch dazu entschloss, diese beiden innerparteilichen Kritiker zu unterstützen.

          Auch aus Europa kam zuletzt heftige Kritik. So nannte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier den Republikaner einen „Hassprediger“, bei Frankreichs Staatspräsident François Hollande erzeugten Trumps „Exzesse“ ein „Gefühl des Brechreizes“. Präsident Obama sagte über seinen möglichen Nachfolger, dass der Posten für Trump „ungeeignet“ sei.

          In seiner Rede in Detroit konzentrierte sich Trump nun ganz auf seine Pläne für die Wirtschaft und auf Attacken gegen Clinton. „Sie ist die Kandidatin der Vergangenheit. Wir sind die, die für die Zukunft stehen“, sagte er. Der Immobilienmogul warf der Demokratin vor, für eine verfehlte Wirtschaftspolitik zu stehen, wie sie in ihrer Amtszeit als Vertreterin des Bundesstaates New York im Senat gezeigt habe.

          Wütende Proteste in Detroit

          Die Rede des Präsidentschaftskandidaten im Wirtschaftsclub von Detroit wurde wiederholt durch wütende Proteste von Demonstranten gestört. Die einzeln nacheinander in Erscheinung tretenden Demonstranten wurden vom Sicherheitspersonal aus dem Saal gebracht. Im Gegensatz zu früheren Auftritten blieb Trump diesmal jedoch kühl, unterbrach nur kurz seine Rede und setzte sie an der unterbrochenen Stelle fort.

          Detroit war jahrzehntelang ein Symbol für die Wirtschaftsmacht Amerika. Die Stadt ist das Zentrum der Automobilindustrie in den Vereinigten Staaten, kämpft aber seit Jahren gegen den wirtschaftlichen Niedergang und Leerstand an.

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