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Mexiko und Donald Trump : „Der Typ hat sie nicht mehr alle“

  • -Aktualisiert am

Masken von Donald Trump und „El Chapo“ Seite an Seite in einem mexikanischen Laden. Bild: Reuters

Kaum irgendwo ist Donald Trump so verhasst wie in Mexiko. Die zahllosen Pöbeleien des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zeigen Wirkung. Die mexikanische Regierung gibt sich erstaunlich zahm.

          Um Mexikaner zu finden, die einer möglichen Präsidentschaft Donald Trumps etwas Positives abgewinnen können, muss man lange suchen, aber es gibt sie. In der kleinen Stadt Jiutepec, einhundert Kilometer südlich von Mexiko-Stadt, lebt und arbeitet Ricardo Esponda. Seine Familie betreibt hier seit Jahrzehnten eine große Halloween- und Karnevalsmaskenfabrik.

          Die Geschäfte liefen nicht immer gut zuletzt, doch seitdem Trump bekanntgegeben hat, ins Weiße Haus einziehen zu wollen, haben sie einen neuen Kassenschlager im Sortiment. Latex-Gesicht, kombiniert mit gelblicher Polyester-Frisur: Die Trump-Maske verkaufe sich „weltweit, vor allem aber in den Vereinigten Staaten hervorragend“, so Esponda. „Wenn er wirklich Präsident werden sollte, gehe ich davon aus, dass wir noch viel mehr davon verkaufen werden“, lacht der Unternehmer und verweist auf hunderte Arbeitsplätze, die seine Firma in Jiutepec garantiere.

          Das Lachen ist schon lange vergangen

          Anderen Menschen im Land ist, wenn es um Trump geht, das Lachen schon lange vergangen. Die zahlreichen Beleidigungen, die der Politik-Neuling aus Manhattan im Vorwahlkampf in Richtung Mexiko abgefeuert hat, haben in Amerikas südlichem Nachbarstaat Spuren hinterlassen. Kaum jemand ist in Mexiko so unbeliebt wie Trump, der die Mexikaner gleich zu Beginn seiner Kampagne als „Vergewaltiger“ bezeichnete, die vor allem „Kriminalität und Drogen“ in die Vereinigten Staaten bringen würden. Sollte er die Wahl für sich entscheiden, würde er, so lässt Trump wissen, die mehr als elf Millionen illegal im Land lebenden Immigranten, etwa die Hälfte davon Mexikaner, deportieren lassen und entlang der mehr als 3000 Kilometer langen amerikanischen Südgrenze eine Mauer hochziehen. Von Mexiko finanziert, versteht sich.

          „Der Typ hat sie nicht mehr alle, das muss ihm mal langsam jemand sagen“, empört sich Juan José Castro, ein Straßenverkäufer im Zentrum der mexikanischen Hauptstadt. „Wer macht denn die ganze Arbeit in den Vereinigten Staaten, damit die amerikanische Gesellschaft funktioniert“, ruft die Rentnerin Laura Isi. „Das sind ja wohl wir Mexikaner.“ So wie die beiden sehen das viele hier. Seitdem klar ist, dass Trump nicht nur ein schriller Außenseiter im amerikanischen Präsidentschaftsrennen ist, sondern tatsächlich Kandidat einer der beiden großen amerikanischen Parteien werden wird, mehren sich die Stimmen in Mexiko, die fordern, dass es endlich an der Zeit ist, Trump zu zeigen, dass man sich nicht alles gefallen lässt.

          Einer, der schon seit Monaten immer mal wieder gegen Trump zurückpoltert, ist Mexikos ehemaliger Präsident Vicente Fox. Er werde die Mauer nicht bezahlen, brach es aus ihm im Winter in einem Interview heraus, wobei er eine alles andere als jugendfreie Ausdrucksweise wählte, die viele Fernsehsender dazu veranlasste, die entscheidende Passage des Statements wegzupiepen. Danach verging kaum eine Woche ohne persönliche Angriffe des früheren Staatschefs auf Trump über diverse soziale Medien. Mit einer Intensität, die Fox wie einen Stalker erscheinen ließ und auf einem Niveau, das viele Mexikaner, vor allem viele Geschäftsleute, peinlich berührt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ. Die Beziehungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten, dem mit Abstand wichtigstem Wirtschaftspartner des Landes, seien zu wertvoll, um sie von egozentrischen Dampfplauderern kaputt machen zu lassen.

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