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Personalien im Weißen Haus : Der Drückeberger Donald Trump

„You’re fired“: Donald Trump in einer Pose, in der er sich selbst gern sieht. Bild: AP

Donald Trump präsentiert sich gerne als harter Geschäftsmann, der keiner Konfrontation aus dem Weg geht. Doch in Wirklichkeit schiebt er unangenehme Aufgaben lieber auf andere ab.

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          Donald Trumps wohl meistzitierter Satz ist „You´re fired“, „Du bist gefeuert“. Der amerikanische Präsident war vor seiner politischen Schnellkarriere sowohl Immobilienmagnat als auch Hauptperson einer Fernsehserie. Dort prüfte er Woche für Woche Kandidaten, ob sie es wert waren, in seinem Unternehmen einen Arbeitsplatz zu bekommen. Jede Woche musste einer der Kandidaten gehen. Trump schaute ihm in die Augen, streckte seinen Zeigefinger aus und nutzte die bekannten Worte: „You´re fired“.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Trump nutzte diesen dramaturgischen Kniff, um ein ganzes Image darauf aufzubauen. Er porträtierte sich als harten Geschäftsmann, der durchzugreifen weiß und keine Angst vor persönlichen Konfrontationen hat. Doch die Wirklichkeit abseits des Reality-Fernsehens zeichnet ein anderes Bild vom Mann im mächtigsten Amt der Welt.

          Schon vor Trumps Amtsantritt im Januar waren Äußerungen und Einschätzungen ehemaliger Mitarbeiter und Bekannter von Trump über sein Naturell im Umlauf. Trump sei im Gegensatz zu dem Bild, dass er gepflegt hat, ein Mann, der sich vor Konfrontationen scheut. Er wolle von allen Menschen gemocht werden und sei deshalb in persönlichen Begegnungen vielmehr konziliant, freundlich und charmant.

          Trumps Unterstützer Newt Gingrich sagte, er denke, dass Trump es nicht möge, Menschen zu entlassen. Der amerikanische Fernsehsender CNN wiederum sprach mit einer ehemaligen Mitarbeiterin von Trump, die sagte, sie habe es in 18 Jahren nicht einmal mitbekommen, dass Trump jemanden persönlich gefeuert habe. Er habe kein Problem damit, die Zusammenarbeit mit Firmen zu beenden, doch wenn es um Menschen gehe, drücke er sich davor.

          Reince Priebus ist zurückgetreten

          Dieses Verhalten lässt sich auch nun beobachten, da Trump im Oval Office sitzt. Der jüngste personelle Abgang, Stabschef Reince Priebus musste seinen Posten verlassen, war keine Kündigung von Seiten Trumps, sondern Priebus bat, nach eigenen Angaben, darum, gehen zu dürfen. Trump verkündete das dann auf seinem bevorzugten Kommunikationskanal,  Twitter. Priebus war davor seit längerem auf dem absteigendem Ast gewesen. Sein Einfluss auf den Präsidenten nahm immer weiter ab. In den vergangen Tagen war er dann noch einer Hetzkampagne von Trumps neuem Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci ausgesetzt gewesen, die dieser schwerlich ohne die Deckung des Präsidenten hätte durchziehen können.

          Jeff Sessions hat das Vertrauen des Präsidenten verloren

          Einer, bei dem Trump persönlich die öffentlichen Angriffe übernimmt, ist Jeff Sessions. Immer wieder verkündet Trump – in Interviews und über Twitter –, dass er unzufrieden mit der Leistung des Justizministers sei. In scharfen Worten kritisiert er diesen. Doch bis dato hat Trump es nicht fertig gebracht, Sessions in die Augen zu blicken, seinen Zeigefinger auf ihn zu richten und ihn in die Wüste zu schicken. Vielmehr scheint er ihm so lange zusetzen zu wollen, bis dieser, immerhin sein erster Unterstützer im Senat, von sich aus geht.

          Untergebene, die Trump gefeuert hat, erfuhren das nicht von ihm, sondern durch Boten oder aus dem Fernseher. James Comey, damaliger FBI-Direktor war in Kalifornien, als er die Nachricht von seiner Entlassung über den Bildschirm flimmern sah. Später bekam er die Neuigkeiten von Trumps Vertrautem Keith Schiller überbracht. Der damaligen amtierenden Generalstaatsanwältin Sally Yates wurde ein Brief überreicht, bevor das Weiße Haus ihre Entlassung verkündete.

          James Comey erfuhr aus dem Fernsehen von seiner Entlassung.

          Dieses Muster zieht sich durch die gesamten Entlassungen, die Trump als Präsident verantwortet hat. Hinter verschlossenen Türen und im Kreise von Vertrauten echauffiert er sich über andere Personen, im direkten Aufeinandertreffen gibt es davon jedoch keine Spur. Der Tag, an dem Trump seine Attacken gegen Jeff Sessions auf Twitter losließ, sei der Justizminister zu einem Routinetreffen im Weißen Haus gewesen, schreibt CNN.

          Bisherige Präsidenten hielten es bislang entweder so, dass sie einen Vertrauten zu dem in Ungnade Gefallenen schickten, der diesem nahelegte, dass er um seine Entlassung nachsuchen solle. Oder sie riefen den Betreffenden ins Oval Office und überbrachten ihm die unangenehmen Nachrichten persönlich. Doch Trump, der bekanntermaßen nicht viel von Traditionen hält, hat auch mit dieser Sitte gebrochen.

          Trotz dieser bekannten Fakten spielt Trump immer noch gern mit dem Image des harten Geschäftsmanns. Gerade in der vergangen Woche sagte er bei einem Treffen von Pfadfindern gerichtet an seinen Gesundheitsminister Tom Price, er hoffe, diesem gelinge die Abschaffung der Obamacare genannten Gesundheitsreform. Ansonsten müsse er zu ihm sagen: „You´re fired“.

          Diese Eigenschaft von Trump scheint die Rivalitäten im Weißen Haus zu befeuern. Jede der streitenden Fraktionen versucht, so viel Einfluss zu gewinnen, dass sie Mitglieder des anderen Flügels aus dem Amt drängen kann. Möglicherweise kommt Trump mit seinem „Teile-und-Herrsche“-Prinzip auch entgegen. Doch der Eindruck eines tief zerstrittenen Weißen Hauses mit einem Präsidenten, der unangenehme Erledigungen auf andere abwälze, könnte verheerend sein. Und im Jahr 2020 könnten dann die Wähler zu Trump sagen: „You´re fired“.

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