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Comey-Buch : Eine Abrechnung mit dem Egomanen

Ausführlich geht Comey den Berichten zufolge auch auf das Aussehen Trumps ein. Dieser sei ihm bei ihrem ersten Treffen kleiner vorgekommen, als er bis dahin den Eindruck hatte. Das Gesicht des Präsidenten sei „leicht orange“ gewesen, mit „großen weißen Halbmonden unter den Augen, wo ich vermutete, dass er auf der Sonnenbank eine kleine Sonnenbrille plaziert hatte, und eindrucksvoll frisiertem, hellblonden Haar, welches nach genauer Inaugenscheinnahme sein eigenes zu sein schien.“ Trumps Hand sei zwar kleiner als seine eigene gewesen, jedoch nicht ungewöhnlich klein – ein Punkt, auf den Trump besonderen Wert legt, nachdem sein republikanischer Konkurrent Marco Rubio im Wahlkampf behauptet hatte, Trump habe kleine Hände.

Scharmützel auf Twitter

Comey geht in seinem Buch wohl auch auf andere Personen ein, die er in seiner Laufbahn kennengelernt hat. Die Berater von George W. Bush seien überzeugt gewesen, dass der Krieg gegen den Terror es erlaube, das geschriebene Recht zu biegen oder sogar zu brechen. Obamas Justizministerin Lynch sei unentschieden gewesen, wie sie mit der Clinton-Untersuchung umgehen solle und ihr Nachfolger unter Donald Trump, Jeff Sessions, sei überwältigt von seinem Amt und keine Hilfe für ihn gewesen. Außerdem habe er kurz nach seiner Entlassung, von der er aus dem Fernsehen erfuhr, ein Gespräch mit dem damaligen Heimatschutzminister John Kelly geführt. Dieser habe aus Frustration ebenfalls hinschmeißen wollen, da er nicht für solche „unehrenhaften Menschen“ habe arbeiten wollen. Comey habe ihm aber gesagt, gerade in der Umgebung dieses Präsidenten brauche es prinzipienfeste Mitarbeiter. Kelly gab nach und ist mittlerweile Stabschef des Weißen Hauses. Auch mit der Führung der Partei im Kongress geht Comey hart ins Gericht. Es sei falsch, einfach zuzuschauen, wenn man es besser wisse, schreibt Comey laut den Berichten.

Das Buch enthält den Berichten zufolge keine grundstürzend neuen Enthüllungen, dürfte aber ob seiner Deutlichkeit die Schlagzeilen in den kommenden Tagen bestimmen. Die Regierung hat „Politico“ zufolge keinen Plan, wie sie der Veröffentlichung begegnen soll. Eigentlich sollte Trump demnach auf einer Reise von den Ereignissen abgelenkt sein, doch diese wurde wegen der Entwicklung in Syrien abgesagt. Die Reaktion überlasse man vielmehr der republikanischen Partei. Diese hat in den vergangenen Tagen im Internet eine Seite mit den Namen „lyincomey.com“ ins Leben gerufen. Dort präsentiert sie Zitate über und von Comey, die diesen als Lügner porträtieren sollen, dem nicht zu trauen sei. Was Comey in seinem Buch schreibt, müsse dementsprechend auch falsch sein, so der implizite Rückschluss.

Comeys Buch, das auf seinen ständigen Notizen beruht, ist der erste Einblick eines Insiders in die ersten Monate von Donald Trump im Weißen Haus. Comey und Trump sind sich seit Comeys Entlassung aus dem Weg gegangen, haben sich aber ab und an verbale Scharmützel via Twitter geliefert. Während Trump Comey als Lügner und Durchstecher von Informationen zieh, antwortete dieser, man werde schon noch sehen, wer unehrlich sei. Sein eigenes Urteil über Trumps Präsidentschaft hat Comey denn auch schon gefällt. „Was jetzt passiert, ist nicht normal. Es sind keine Fake News. Es ist nicht in Ordnung“, zitiert ihn die „Washington Post“.

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