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Comey-Buch : Eine Abrechnung mit dem Egomanen

„Bislang unbekannte Tatsachen“

Der Präsident habe außerdem über mehrere Monate immer wieder eine Obsession für das sogenannte Steele Dossier erkennen lassen. Diese Sammlung angeblicher Informationen über Donald Trump wurde von dem ehemaligen britischen Agenten Christopher Steele zusammengetragen und enthält Details, die der Präsident seit der Veröffentlichung stets bestritten hat. So soll er unter anderem in einem Moskauer Hotel Kontakt zu Prostituierten gehabt und diese animiert haben, gegenseitig auf sich zu urinieren. In den Gesprächen, die Comey mit Trump gehabt habe, sei das Dossier immer wieder zur Sprache gekommen. Trump habe ihm versichert, dass er nichts mit „Nutten“ zu tun hatte, dass die ganze Angelegenheit gar nicht habe stattfinden können, weil er nicht über Nacht in Moskau geblieben sei und außerdem Angst vor Keimen habe, weshalb er es niemals jemandem erlauben würde, in seiner Nähe zu urinieren. Zu seiner Reaktion schreibt Comey laut der „Washington Post“: „Ich entschloss mich, ihm nicht zu sagen, dass die angeblichen Tätigkeiten meines Erachtens nach weder eine Übernachtung noch eine direkte Nähe zu den Geschehnissen nötig machten. Tatsächlich, allerdings weiß ich es nicht genau, denke ich, dass die Präsidenten-Suite im Ritz-Carlton in Moskau groß genug ist, dass ein Mensch mit Keimphobien in sicherer Entfernung von der Aktivität sein könnte.“ Trump habe das Thema immer wieder zur Sprache gebracht und Comey gebeten, das Dossier zu untersuchen, um es zu widerlegen. Der Präsident berief sich demnach auf seine Frau Melania, von der er nicht wollte, dass sie die Vorwürfe glaubte.

Ein Teil des Buches bezieht sich den Berichten zufolge auch auf Comeys Rolle in der Untersuchung der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton. Comey verwendet demnach unter anderem Zitate des damaligen Präsidenten Barack Obama, des Minderheitsführers im Senat Chuck Schumer und der damaligen Justizministerin Loretta Lynch, die alle gesagt haben sollen, Comey habe sich in einer schwierigen Situation befunden und richtig gehandelt. Als Erklärung dafür, dass er elf Tage vor der Präsidentenwahl im November 2016 bekannt gemacht hatte, dass das FBI eine weitere Untersuchung der E-Mails von Hillary Clinton eingeleitet und er damit möglicherweise großen Einfluss auf den Ausgang der Wahl genommen hatte – Clinton schreibt in ihrem Buch, sie fühlte sich von Comey „beschissen“ –, gibt er laut „ABCNews“ „der Öffentlichkeit bislang unbekannte Tatsachen“ über die Justizministerin Lynch an. Er habe Angst gehabt, diese Tatsachen könnten öffentlich und die Untersuchung damit als kompromittiert betrachtet werden. Direkt an Clinton gewandt schreibt Comey laut „Politico“: „Ich habe gelesen, sie ist wütend auf mich persönlich und das tut mir leid. Es tut mir leid, dass ich es nicht fertig gebracht habe, ihr und ihren Anhängern zu erklären, warum ich die Entscheidungen so traf, wie ich es getan habe.“

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