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Trumps Übergangsteam : Ein Leugner des Klimawandels für die Umweltschutzbehörde

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Klimawandel, welcher Klimawandel? Myron Ebell hält wärmere Winter nicht für ein Problem. Bild: cei.org

Myron Ebell soll Donald Trumps Fachmann für Umweltpolitik werden. Der Leugner des Klimawandels setzt auf fossile Brennstoffe und will Obamas Errungenschaften abschaffen. Seine Finanziers wird das freuen.

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          Dass Donald Trump kein Anhänger der Theorie vom Klimawandel ist, ist schon lange bekannt. 2012 bezeichnete er diesen als Legende, die von den Chinesen erfunden worden sei, um der amerikanischen Wirtschaft zu schaden.

          Im Wahlkampf, als er damit konfrontiert wurde, behauptete er zwar, er hätte das nie gesagt, machte aber in Nachrichten auf dem Kurznachrichtendienst Twitter klar, wes Geistes Kind er ist. Der ganze „GLOBAL WARMING bullshit“ sei nur sehr teuer und er sei es leid, diesen „Nonsens“ hören zu müssen. Noch im März kündigte er an, die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA fast komplett abschaffen und aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen zu wollen.

          Daher ist es nur konsistent, dass Trump nun einen Leugner des Klimawandels als Umweltfachmann in sein Übergangsteam geholt hat. Myron Ebell ist Jahren einer der Lieblingsfeinde von Umweltaktivisten, weil er mit seiner Überzeugung nicht hinterm Berg hält, dass jene Wissenschaftler, die vor dem Klimawandel warnen, nur unnötig Panik verbreiten.

          Ebell ist der Vorsitzende der „Cooler Heads Coalition“, einer Vereinigung, die wissenschaftliche Beweise für die Klimaerwärmung widerlegen will und arbeitet für das Competitive Enterprise Institute, einen Think Tank, der eine Einschränkung der staatlichen Lenkung propagiert und ebenfalls das Ziel hat, die Klimaerwärmung als unsinnige Theorie zu verunglimpfen. Ebell gibt zwar zu, dass das Klima in den vergangenen Jahren wärmer geworden ist, doch sei das normal und natürlich. Es sei auf jeden Fall etwas, um das man sich „keine Sorgen machen“ müsse. Und falls es den Klimawandel wirklich geben sollte, sei das doch eine gute Sache, schrieb er 2006 in einem Meinungsartikel in „Forbes“. Es sei doch nichts schlimmes daran, dass die Winter milder würden.

          Um die Umwelt- und Klimaschutzpolitik Obamas zurückzudrehen, könnte sich Trump kaum einen besseren aussuchen als Ebell. Im vergangenen Jahr sagte der 63 Jahre alte Ebell, das er hoffe, wer immer neuer Präsident werde, werde die Regeln der Umweltschutzbehörde für Kraftwerke und andere Regularien, die „unserer Wirtschaft schaden“, zurücknehmen. Eines der wichtigsten Ziele von Ebell ist es, den Clean Power Plan der Umweltschutzbehörde abzuschaffen. Dieser hatte zum Ziel, die Kohlendioxidemissionen zu reduzieren und seine Regularien hätten wahrscheinlich dazu geführt, dass viele Kohlekraftwerke hätten abgeschaltet werden müssen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Organisationen, für die Ebell arbeitet, sowohl von der Kohle- als auch der Erdölindustrie finanziell gefördert werden.

          Ebell selbst sagt, seine Ablehnung der Klimawandel-Theorie beruht darauf, dass er schon immer ein Skeptiker von Autoritäten gewesen und besonders vom Ethos der sechziger und siebziger Jahre beeinflusst worden sei, als Autoritäten und alte Gewissheiten sehr stark hinterfragt wurden. In einem Interview sprach er im vergangen Jahr davon, dass die Menschen Autoritäten gegenüber skeptisch sein sollten. „Je mehr man dir sagt, dass Du etwas glauben sollst, desto mehr solltest du es hinterfragen“, so Ebell.

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