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Veteranen-Eltern geschmäht : Ist Trump dieses Mal zu weit gegangen?

  • -Aktualisiert am

Donald Trump im Januar bei einer Veranstaltung für Veteranen. Bild: AFP

Kriegsveteranen sind den Amerikanern heilig. Dass Donald Trump jetzt ausgerechnet die Eltern eines gefallenen Soldaten attackiert, könnte ihn die Wahl zum amerikanischen Präsidenten kosten. Dabei ist es längst nicht sein erster Tabubruch.

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          Wenn der amerikanische Patriotismus eine Religion wäre, dann wären die Veteranen ihre Heiligen. Wer die Soldaten nicht ehrt, der gewinnt in Amerika keine Wahl, schon gar nicht die Wahl zum Präsidenten. Gerade aus dem republikanischen Lager sind viele ranghohe Politiker selbst Veteranen, oder haben Kinder, die im amerikanischen Militär dienten oder dienen. Donald Trump, der Kandidat der Republikaner, gehört nicht dazu – seine Kinder sind, wie er, Unternehmer.

          Für Khizr Khan, pakistanischer Einwanderer, amerikanischer Bürger und der Vater eines Soldaten, der in der Uniform der Vereinigten Staaten vor zwölf Jahren im zweiten Irak-Krieg gefallen ist, verdeutlicht diese Tatsache, dass Trump „nichts und niemanden geopfert hat“ und dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner ein „moralischer Kompass“ fehle.

          Mit diesen Worten griff Khan Trump beim Parteitag der Demokraten wegen seiner Forderung ein Einreiseverbot für Muslime an. Und brachte so eine nationale Kontroverse ins Rollen, die vielleicht das bewirken könnte, was Trumps Gegnern bislang nicht gelang: der Sturz eines Präsidentschaftskandidaten, der sich bis dato scheinbar alle Tabubrüche leisten konnte.

          Heute Tabubruch – morgen Schnee von gestern?

          Trump selbst scheint davon auszugehen, dass auch dieser Sturm an ihm vorbeiziehen und in ein paar Tagen Schnee von gestern sein wird. Dass er im landesweiten amerikanischen Fernsehen beteuerte, er habe schon „sehr viele Opfer gebracht“, arbeite „sehr, sehr hart“ und suggerierte, Khizr Khans Frau habe beim Parteitag nicht selbst das Wort ergriffen, weil es ihr verboten wurde, rechtfertigte er auf Twitter mit den Worten: „Ich wurde beim Parteitag der Demokraten von Herrn Khan stark angegriffen. Darf ich etwa nicht antworten?“

          Schließlich habe Hillary Clinton, damals Senatorin, für den Irak-Krieg gestimmt, und nicht er. Der gefallene Khan sei zwar ein Held, es gehe hier aber um „radikal islamistischen Terror,“ so Trump.

          Die Khans selbst ließen mit ihrer Antwort auf Trumps Aussagen nicht lange auf sich warten. Die Worte des Immobilienmoguls seien „typisch für eine Person ohne Seele“, sagte Khizr Khan am Sonntag der Zeitung „Washington Post“. Trumps Kandidatur sei zum moralischen Problem geworden, das über politische Meinungsverschiedenheiten hinausgehe, so Khan. Am Sonntagabend (Ortszeit) legte Khan im Interview mit dem Sender CNN nochmal nach: „Trump hat eine schwarze Seele“, sagte er.

          Auch seine Frau, Ghazala Khan, ergriff in einem Gastbeitrag für die „Washington Post“ das Wort und erklärte, wie auch ihr Mann bereits im Fernsehen versichert hatte, dass sie aus nur einem Grund beim Parteitag nicht gesprochen habe: „Mein Mann fragte mich, ob ich sprechen wolle, aber ich sagte ihm, dass ich es nicht kann.“ Der Schmerz über den Tod ihres Sohns sei zu groß.

          Mit veralteten, religiös begründeten Geschlechterrollen, wie Trump suggerierte, habe ihr Schweigen nichts zu tun. „Meine Religion lehrt mich, dass alle Menschen in Gottes Augen gleich sind. Ehemann und Ehefrau sind jeweils ein Teil des anderen.“

          Die Khans auf der Bühne des demokratischen Parteitages. Im Hintergrund ist ein Bild ihres verstorbenen Sohnes zu sehen.

          Trump verstehe das nicht, denn wenn er über den Islam rede, sei er „ignorant“. „Wenn er den echten Islam und Koran studieren würde, dann würden sich all die Ideen, die er von Terroristen hat, ändern, denn Terrorismus ist eine andere Religion,“ schrieb Ghazala Khan. Trump selbst wisse gar nicht, was das Wort „Opfer“ bedeute.

          Letzteres geht auch deutlich aus einem offenen Brief, den mehrere Familien von im Irakkrieg gefallenen Soldaten gemeinsam unterzeichnet haben, heraus. Trump würde niemals wissen, was für Opfer sie gebracht hätten, schreiben die Familien. Seine Kommentare über die Khans seien „abscheulich“, „beleidigend“ und „anti-amerikanisch“. Gemeinsam fordern die Familien in ihrem Brief eine öffentliche Entschuldigung von Trump.

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