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Donald Trump : Der Rächer im Weißen Haus

Bild: Reuters

Vor seinem Sieg haben sich viele gefürchtet. Aber er ist Wirklichkeit geworden – weil der „Aufstand des Populismus“ mächtiger war als alle Warnungen vor Trumps Unberechenbarkeit.

          Zuletzt drehte sich vieles allein um die Frage, ob Donald Trump eine knappe Wahlniederlage akzeptieren würde, zumal er Andeutungen gemacht hatte, dass „dunkle Kräfte des Systems“ seinen Sieg verhindern könnten. Nach einer Wahlnacht, die an Dramatik kaum zu überbieten ist, stellt sich diese Frage nicht: Denn nicht Hillary Clinton wird Präsident Obama nachfolgen und Geschichte schreiben, sondern der Immobilienmogul Trump wird ins Weißen Haus einziehen. Die Anhänger Clintons im Lande sind im Schockzustand, die Partner Amerikas fassungslos, weil sie nicht wissen, was nun auf sie zukommen wird. Und die Märkte in der Welt schlagen die ersten Kapriolen. Nach dem Brexit im Juni jetzt der Sieg des Populisten Trump, der viele Meinungsumfragen Lügen gestraft hat und jetzt der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wird. Viele hatten es nicht erwartet, und viele hatten sich regelrecht davor gefürchtet. Aber so ist es gekommen.

          Es ist so gekommen, weil der „Aufstand des Populismus“ mächtiger war als alle Warnungen vor Trumps Unberechenbarkeit; weil die weißen Arbeiter von der globalisierungskritischen, den internationalen Handel geißelnden Botschaft des Demagogen in republikanischen Kleidern angezogen wurden. Trump mobilisierte weiße Wähler auf dem Land und vor allem in den alten Industriestaaten, wie das nicht für möglich gehalten wurde. Sein Populismus und sein Wirtschaftsnationalismus kamen bei den sogenannten einfachen Leuten gut an, die sich von der politischen Elite nicht vertreten, von der wirtschaftlichen Elite ausgenommen und von der Kulturelite verachtet und verhöhnt fühlen. Trump ist es gelungen, diese Frustration und Verbitterung erfolgreich anzuzapfen. Alle Vermutungen, dass traditionelle republikanische Wähler sich von Trumps Krawallrhetorik angewidert abwenden würden, erwiesen sich als Gerede. Der Kongress bleibt im Übrigen unter der Kontrolle der Republikaner.

          Fest anschnallen!

          Hillary Clinton, die frühere Außenministerin und Senatorin, konnte den Erfolg Obamas nicht wiederholen. Sie wurde als Symbol eines angeblich korrupten Systems denunziert; der Anti-System-Sturm, der ihr schon während der Vorwahlen in Gestalt ihres Konkurrenten Bernie Sanders so zugesetzt hatte, erwies sich stärker als ihre auf Versöhnung setzende Kampagne. Viele Wähler wollten sich rächen – aus Enttäuschung, Verbitterung und aus Zorn über einen wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Wandel, von dem sie sich überwältigt fühlen.

          Und jetzt also Donald Trump. Was wird er tun, um das gespaltene Land wieder zu einen? Will der Matador eines weißen Aufbäumens das überhaupt? Hat er einen Plan für die Erneuerung des Landes im Inneren und für die Verteidigung amerikanischer Interessen in der Welt? Das sind alles offene Fragen, und deshalb sind die Zweifel so groß.

          Eines ist sicher: Nach dem Brexit wird dem alten Gebäude westlicher Ordnung ein neuer Schlag versetzt. Der Zorn vieler Amerikaner war ganz offenkundig stärker als die Skrupel, sich auf ein gefährliches Experiment demokratischen Richtungswechsels einzulassen. Sie wählten den „Wandel“, verkörpert von einem Mann, der so offensichtlich gravierende Charaktermängel hat, so wie viele andere Wähler vor acht Jahren jenen Wandel gewählt hatten, den Barack Obama ihnen versprach. Der scheidende Präsident setzte sich für Clinton ein, konnte damit aber selbst im eigenen Lager das Misstrauen, das ihr entgegenschlägt, nicht neutralisieren. 

          Für Amerikas Freunde und Verbündete heißt es jetzt, sich mit der neuen Lage vertraut zu machen und sich ganz fest anzuschnallen!

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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