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Kommentar : Nicht nur Liebesgrüße aus Moskau

Wird es ihm gelingen, die aufgeheizte Stimmung in Amerika zu beruhigen? Donald Trump (rechts) neben seinem künftigen Vizepräsidenten Mike Pence. Bild: AP

Donald Trump lernt dazu. Doch wird es ihm gelingen, die aufgeheizte Stimmung in Amerika zu beruhigen? Eines seiner Geheimnisse wahrt er weiter. 

          Die Chancen, dass Donald Trump diese Zeilen lesen wird, sind denkbar gering. Dennoch soll hier eine seiner jüngsten Fragen beantwortet werden: Nein, die Amerikaner leben nicht in Nazi-Deutschland. Was alles die amerikanische Demokratie zu Beginn des 21. Jahrhunderts von der Hitler-Diktatur unterscheidet, lässt sich in diesen wenigen Zeilen nicht unterbringen, auch wenn mancher Neuling im politischen Geschäft wohl selbst noch von einer kurzen Zusammenfassung profitierte. Ins 140-Zeichen-Format von Trumps Lieblingsmedium „Twitter“ passt aber sogar nur dieser Hinweis: Die Gestapo hätte die Veröffentlichung von Behauptungen jener Art verhindert, die Trump nun zu Recht empören, ob sie stimmen oder nicht.

          Für den Bericht, Moskau habe belastendes Material gegen den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten in der Hand, gibt es bisher keinerlei Belege. Die von Trump vehement bestrittenen Behauptungen werfen ein grelles Licht auf ein gespaltenes und zerstrittenes Amerika, in dem sich Trump-Anhänger und Trump-Gegner unversöhnlich gegenüberstehen. Auch Trumps Reaktion auf die Veröffentlichung („Hexenjagd“) zeigt, dass er wie der russische Präsident Putin einem ausgeprägten Freund-Feind-Denken folgt. An seinem Selbstbewusstsein muss Trump, das stellte er am Mittwoch abermals unter Beweis, nicht mehr arbeiten. Die Verwandlung in einen Staatsmann, der lieber Gräben zuschüttet, als Mauern zu bauen, hat jedoch noch nicht eingesetzt. Trump tritt noch immer als der dünnhäutige Provokateur auf, der sich schon von einer Schauspielerin aus der Reserve locken lässt.

          Obamas Warnung vor dem Rückzug in „Blasen“, in die nur Eingang findet, was dem jeweiligen unerschütterlichen Weltbild entspricht, galt gewiss auch dem Nachfolger. Der scheint inzwischen immerhin erfahren zu haben, dass aus Moskau nicht nur Liebesgrüße kommen. Doch wird es ihm gelingen, die aufgeheizte Stimmung in Amerika zu beruhigen? Auch seine Anhänger dürften die Veröffentlichung von solchen Geheimdienstberichten als weiteren Beleg dafür ansehen, wie verzweifelt das verhasste „Establishment“ versuche, sich an dem Mann zu rächen, der es besiegte. Amerika stehen schwere Zeiten bevor. Wie es aus seiner tiefen Zerstrittenheit gestärkt hervorgehen soll, bleibt Trumps Geheimnis, das er auch in seiner ersten Pressekonferenz nicht lüftete.

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