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Trumps Kommunikationschefin : Jung, loyal, gutaussehend

  • -Aktualisiert am

Vielgefragt in diesen Tagen: Trumps neue Kommunikationsdirektorin Hope Hicks Bild: dpa

Hope Hicks soll endlich die desaströse Außendarstellung des Weißen Hauses in den Griff bekommen. Dabei hat die 28 Jahre junge Frau kaum politische Erfahrung. Ihre Qualifikationen: Bedingungslose Loyalität – und Ähnlichkeit mit Ivanka Trump.

          Donald Trump mag Frauen. Er hat es oft genug selbst gesagt. Seine Anhänger lieben ihn, seine Gegner attackieren ihn dafür, dass er Frauen gut findet, weil sie eben Frauen sind. Junge, gutaussehende Frauen. Das Ganze funktionierte im Wahlkampf auch anders herum: Frauen, die ihm nicht Frau genug schienen, griff Trump mit schamlosen Sprüchen unterhalb der Gürtellinie an. Beides ist natürlich zutiefst misogyn.

          Würde der amerikanische Präsident Vertrauen und Zuneigung alleine nach äußeren Gesichtspunkten verteilen, seine frisch ernannte Interims-Kommunikationschefin Hope Hicks hätte wohl gute Aussichten auf eine Festanstellung in ihrer neuen Position. In den amerikanischen Medien kommt derzeit kaum ein Porträt der 28 Jahre alten Frau ohne einen Hinweis auf ihr Aussehen aus, auf ihre langen braunen Haare und die grünen Augen. Was natürlich auch etwas über die Art der Berichterstattung aussagt. Tatsächlich hat Hicks in der Vergangenheit bereits für Ivanka Trumps Modelabel als Fotomodel gearbeitet. Und doch ist das nur die halbe Wahrheit.

          Die junge Frau aus Connecticut hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Nach einem Bachelorabschluss in Englisch an der texanischen Southern Methodist University arbeitete sie für verschiedene New Yorker PR-Firmen. In dieser Rolle bearbeitete sie ab 2012 Aufträge von Ivanka Trumps Modelinie, ehe sie zwei Jahre später ganz in das Unternehmen von deren Vater wechselte. Der war damals bloß ein aus dem Fernsehen bekannter Immobilientycoon mit kruden, verschwörungstheoretischen Ansichten.

          Kompetent mit Stallgeruch

          Als Donald Trump wenig später, im Januar 2015, mit den Vorbereitungen seiner Präsidentschaftskandidatur begann, bat er Hicks, seinem Team als Pressesekretärin beizutreten. Für sie kam der Schritt überraschend; sie willigte ein, bei der Planung auszuhelfen. Doch dann wurde aus den Gedankenspielen Ernst, und Hicks musste sich im Sommer entscheiden, ob sie weiter für die Kampagne arbeiten wollte. Hicks mag geahnt haben, was auf sie zukommen würde. Sie zögerte lange. Es heißt, der Patriarch habe sie lange dazu überreden müssen, an Bord zu bleiben.

          Der Schlüssel zu Donald Trumps Wertschätzung war seine Tochter. Hicks machte als PR-Beraterin großen Eindruck auf Ivanka Trump, über die ein Journalist einmal schrieb, sie gehöre zu den wenigen weiblichen Firmenchefs, die anderen Frauen helfen. Hicks kam Ivanka näher, gewann ihr Vertrauen, begann sogar, sich ähnlich zu kleiden – mit Produkten des Hauses. Die junge Frau verschrieb sich völlig ihrer Chefin und deren Modefirma.

          Es ist diese absolute, bedingungslose Loyalität, gepaart mit Intelligenz, die Donald Trump an seiner Tochter so schätzt und in Hope Hicks wiederzufinden glaubt. Natürlich umgibt sich der Patriarch gerne mit jungen, hübschen Frauen, aber Ivanka Trump und Hicks sind eben mehr als das. Journalisten finden nur lobende Worte für Hicks, die ihren Job während des Wahlkampfes meist souverän und hochprofessionell ausführte – im Gegensatz zu so manchem männlichen Kollegen. Nach dem Wahlsieg wurde für Hicks ein neuer Beraterposten im Stab des Präsidenten geschaffen: Als Direktorin für strategische Kommunikation gehörte sie zu den Höchstverdienern im Weißen Haus – und zu den wenigen Mitarbeitern, die Trump noch aus seiner New Yorker Zeit kennt. Auch das verbindet.

          Im Zweifel für die Familie

          Hicks hat akzeptiert, dass Trump auf seinem Twitter-Account nicht zu bändigen ist und sich nicht um mühsam ausgearbeitete Richtlinien für die Öffentlichkeitsarbeit schert. Der letzte Kommunikationsdirektor im Weißen Haus, der länger als zwei Monate im Amt war, warf Ende Mai entnervt das Handtuch – eine Woche, nachdem Trump entgegen der offiziellen Position seines Stabes offen zugegeben hatte, FBI-Direktor Comey wegen der Russlandermittlungen entlassen zu haben.

          Professionell zu arbeiten und dabei der Linie Trumps treu zu bleiben, ist eine Herausforderung. Auch Hicks musste das erkennen. Sie hat früh verstanden, dass im Hause Trump im Zweifelsfall Loyalität alles andere überragt. Als Wahlkampfmanager Corey Lewandowski im März 2016 von einer Reporterin beschuldigt wurde, sie auf einer Wahlkampfveranstaltung tätlich angegriffen zu haben, bezichtigte Hicks die Reporterin der Lüge, obwohl Aufnahmen von Überwachungskameras ihr später Recht gaben. Ende Mai 2017 erntete Hicks viel Spott für eine Stellungnahme, die in eine hymnische Eloge auf Trump ausartete und dem Präsidenten unter anderem eine „magnetische Persönlichkeit“ bescheinigte.

          Dennoch hat Hicks im Gegensatz zu anderen, die bereits für Trump gelogen haben, in der amerikanischen Presselandschaft nach wie vor einen guten Ruf. Vielleicht, weil sie als junge, hübsche Frau immer noch nicht ernst genommen wird. Doch wenn einen nicht alles täuscht und Trump seinem bisherigen Stil treu bleibt, könnte das „Interim“ vor Hicks’ Positionsbezeichnung bald wegfallen.

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