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Tillersons Entlassung : Trumps Stil der Demütigung

Außenminister Rex Tillerson wurde von Donald Trump über Twitter gefeuert. Bild: Reuters

Mit Außenminister Rex Tillerson verlässt eine moderate Stimme Trumps Kabinett. Die Zukunft der amerikanischen Außenpolitik liegt nun mehr und mehr im Ungewissen. Ein Kommentar.

          Rex Tillerson hatte als Chefdiplomat der Vereinigten Staaten vielleicht den undankbarsten Posten in der Regierung Trump inne. Während der Präsident Unberechenbarkeit zum Modus Operandi machte, Amerikas sicherheits- und handelspolitische Bündnisse mit Geringschätzung behandelte und Abkommen, die seine Vorgänger ausgehandelt hatten, mit ätzender, maliziöser Dauerkritik bedachte, suchte Tillerson zu retten, was zu retten war – mit allenfalls mäßigem Erfolg. Denn wenn er Einfluss auf den Präsidenten hatte, dann war der sehr begrenzt. Zum inneren Zirkel des Weißen Hauses gehörte er nicht; der Präsident machte sich über ihn eher noch lustig. Es kommt einer Brüskierung gleich, dass Trump die Einladung zu einem Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator annahm, ohne Tillerson, der in Afrika weilte, hierüber ins Bild zu setzen. Es ist eine weitere Demütigung, dass der Außenminister per Tweet von seiner Entlassung erfuhr.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Wiederholt war in den vergangenen Monaten erwartet worden, dass sich Trump von ihm trennen werde; jetzt hat er diesen Schritt vollzogen und Tillerson durch den CIA-Direktor Pompeo ersetzt. Darüber jubeln kann der frühere republikanische Abgeordnete eigentlich nicht, denn er übernimmt ein verwundetes Außenministerium: das Budget gekürzt, viele Schlüsselstellen unbesetzt, das verbliebene Personal demoralisiert. Trump scheint das recht zu sein. Zwar hat er Pompeo ein paar Girlanden umgebunden: Er werde einen phantastischen Job machen. Aber diese Wertschätzung kann sich bekanntlich schnell ändern. In der Russland-Affäre etwa hat sich Pompeo vor den Geheimdienst und gegen den Präsidenten gestellt.

          Tillersons Rauswurf folgt nur wenige Tage auf den Rücktritt des Wirtschaftsberaters Cohn. Es ist ein weiteres Indiz, wie weit sich die Regierung Trump, so wie es der Kandidat Trump versprochen hatte, vom Internationalismus früherer Regierungen ab- und einem engstirnigen (Wirtschafts-)Nationalismus zugewandt hat. Als seine Nominierung bekannt wurde, schlug Tillerson einige Skepsis entgegen. Ein Protektionist und Isolationist ist der frühere Chef von ExxonMobil aber gewiss nicht gewesen. Auf ihn glaubten die Europäer zählen zu können, zum Beispiel im Streit über das Iran-Abkommen, von dem Trump bekanntlich nichts hält, an dem der soeben Entlassene festhalten wollte. Die Zukunft der amerikanischen Außenpolitik liegt mehr und mehr im Ungewissen.

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