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Donald Trump : Endlosschleife der Eitelkeit

  • -Aktualisiert am

Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence bei der Vereidigung von Ministern im Weißen Haus Bild: dpa

Kritiker werden der Lüge bezichtigt, „alternative Fakten“ verbreitet, das eigene Lager als „Bewegung“ verklärt. Fingerspitzengefühl? Fehlanzeige! Dabei hatte Donald Trump doch angekündigt, ein „Präsident für alle Amerikaner“ zu werden.

          Eigentlich ist es ja ganz einfach für Donald Trump. Nachdem er in seinem polarisierenden Wahlkampf bereits so viele Menschen beleidigt und so viel politisches und diplomatisches Porzellan zerschlagen hat, wird nun jede Aussage, in der er mal nicht krawallig daherkommt, überschwänglich gelobt. „Seht ihr, er kann sehr wohl präsidial sein“, sagen wohlmeinende Kommentatoren dann. Das Problem: Solche Aussagen kommen nur ganz selten über Trumps Lippen.

          Am frühen Morgen des 9. November hatte Trump unmittelbar nach seinem Wahlsieg in überraschend bescheidenen Worten angekündigt, „Präsident aller Amerikaner“ sein zu wollen – also auch auf die Menschen zuzugehen, die ihn nicht gewählt hatten. Es waren Worte, die zum Standardrepertoire eines jeden Redenschreibers gehören, wenn es darum geht, einen siegreichen Kandidaten in der Stunde des Triumphs Größe und Demut ausstrahlen zu lassen. Dies seien, da zeigten sich die meisten Beobachter einig, die richtigen Worte zur richtigen Zeit gewesen. Sofern die Ankündigung denn ernst gemeint gewesen sei.

          Seine viel beachtete Inaugurationsrede vom Freitag, aber auch seine anderen erste Auftritte im Amt zeigen, dass offenbar durchaus Zweifel an Trumps Ankündigung vom 9. November angebracht sind. Während er seine Anhängerschaft als „Bewegung“ verklärt, die „das Land“ zurück an „das Volk“ geben werde, hat er für die vielen Amerikaner und vor allem die vielen Amerikanerinnen, die nur einen Tag nach seiner Vereidigung im ganzen Land friedlich gegen ihn demonstrierten, keine versöhnlichen Worte übrig. Mehr als eine Million Menschen waren am Samstag in Washington, New York und vielen anderen Städten der Vereinigten Staaten in Protestmärschen auf die Straße gegangen.

          Unterdessen befeuert Trump lieber einen bizarren Streit darüber, wie viele Menschen ihm bei seiner Inauguration am Freitag zujubelten. Während zahlreiche Medien korrekterweise darauf hingewiesen hatten, dass es deutlich weniger Zuschauer waren als bei der Inauguration von Präsident Obama vor acht Jahren, belegt unter anderem durch eindeutige Fotos, schickte Trump am Samstag seinen neuen Sprecher Sean Spicer vor, um die verdutzen Journalisten des Pressekorps des Weißen Hauses der Lüge und gezielten Fehlinformation zu bezichtigen.

          Da die von Spicer vorgetragenen „Beweise“ allerdings leicht widerlegbar sind, geriet Trumps Team gleich an seinem ersten Arbeitswochenende selbstverschuldet unter Druck. Dass sich Trumps sonst so eloquente Beraterin Kellyanne Conway am Sonntagmorgen in einem NBC-Fernsehinterview von Moderator Chuck Todd zu der Aussage hinreißen ließ, dass Spicer keine Lügen, sondern, George Orwell lässt grüßen, „alternative Fakten“ präsentiert habe, spricht Bände. „Alternative Fakten sind keine Fakten, es sind Lügen“, lässt Todd nicht locker.

          Die Tatsache, dass Trump bereit ist, in einer abseitigen Angelegenheit wie dem Streit über die Zuschauerzahl seiner Inauguration derart in die Offensive zu gehen, könnte verschiedene Gründe haben. Entweder ist ihm die Sache so wichtig, weil sie für sein Narrativ, an der Spitze einer angeblich nie da gewesenen Massenbewegung zu stehen, von zentraler Bedeutung ist. Oder sein Ego erträgt es einfach nicht, weniger beliebt zu sein, als er das selbst gern hätte.

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