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Donald Trump : Ein Lügner und Hetzer

  • -Aktualisiert am

Donald Trump ist der Held der frustrierten Weißen. Doch er wird ihnen nicht helfen. Bild: AP

Der Durchmarsch des Milliardärs Donald Trump bei den amerikanischen Vorwahlen ist tragisch und gefährlich. Millionen Amerikaner fühlen sich endlich verstanden. Doch viele Forderungen des Milliardärs sind rassistisch, dumm oder verfassungsfeindlich. Ein Kommentar.

          Die Republikaner beugen sich der Realität. Donald Trump ist ihr Kandidat für das Weiße Haus. Der Milliardär macht vor allem weißen Arbeitern Hoffnung. Erst sein Durchmarsch hat Amerika die Augen dafür geöffnet, wie sehr sich dieser Teil der Bevölkerung im Abseits wähnt. Viele Amerikaner haben gute Gründe zur Verbitterung. Trump legt den Finger in ihre Wunden. Gerade deshalb ist sein Durchmarsch tragisch. Denn Trump wird den Frustrierten nicht helfen. Vielmehr gefährdet er Wohlstand, Sicherheit und Demokratie. In dem selbstverliebten Milliardär steckt eine autoritäre Versuchung.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Der Aufruhr der weißen Arbeiter lässt sich nicht mit dem Hinweis abwürgen, es gehe ihnen besser als Afroamerikanern oder Einwanderern aus Lateinamerika. Automatisierung und Globalisierung haben in Amerika zu Deindustrialisierung geführt. Vielerorts ist zwar ein Strukturwandel gelungen, aber viele Dienstleister von heute verdienen schlechter als die Industriearbeiter von gestern. Ein wirtschaftlicher Aufschwung macht sich im Geldbeutel vieler Familien nicht bemerkbar. Jeder fünfte weiße Mann zwischen 30 und 50 Jahren hat keine Arbeit. Die Lebenserwartung geringqualifizierter Weißer sinkt wegen Selbstmorden, Alkoholismus und Drogensucht. In jedem Dorf zerstört billiges Heroin Familien.

          Die Elite hat über solche Sorgen nicht nur hinweggesehen. Viele „einfache Leute“ fühlen sich und ihre Lebensweise regelrecht verhöhnt. Mag in Amerikas besseren Kreisen heute die Verunglimpfung ethnischer oder sexueller Minderheiten verpönt sein, Spott gegen „Rednecks“ ist salonfähig. Diese „Hinterwäldler“ leben ja im „flyover country“, das viele Manager oder Meinungsmacher nur beim Metropolen-Hopping zwischen Ost- und Westküste überfliegen. Amerika ist immer weniger egalitär und immer mehr ein Land abgeschotteter Klassen geworden. Ärzte heiraten nicht mehr die Sprechstundenhilfe, sondern eher die Kommilitonin von der Eliteuniversität. Kulturelle Gemeinsamkeiten werden rar.

          Barack Obama hatte 2008 im Wahlkampf von den Kleinstädtern geredet, die sich „an ihre Waffen oder Religion klammern“. Vom ersten schwarzen Präsidenten, der in Martin Luther Kings Duktus die Gleichstellung „unserer schwulen Brüder und lesbischen Schwestern“ verlangte, fühlen sich viele Weiße abseits der Großstädte provoziert. Hillary Clintons Vorwahlkampf gegen Bernie Sanders zeigt, wie stark sich das Demokraten-Establishment heute auf Schwarze, Latinos und auch Homosexuelle stützt. Die Bewegung „Black Lives Matter“ hat dafür gesorgt, dass schon der Satz „Alle Leben zählen“ als rassistisch gilt. Und die Republikaner gelobten nach der Wahlpleite 2012, endlich die Latinos zu umwerben.

          Als Kämpfer wider die Korruption geriert

          Ausgerechnet ein im Luxus lebender Fernsehstar aus Manhattan hat diese Stimmung erspürt. Weil Trump reich ist und das Spiel mit den Medien beherrscht, kam er bisher ohne Großspender aus. So konnte sich der Erbe und Unternehmer, der stets Politiker beider Lager mit Geld bei Laune hielt, als Kämpfer wider die Korruption gerieren. Doch außer sich selbst bietet er keine Lösung für das Problem der Lobbyisten-Macht an. Tragisch ist die Trump-Begeisterung der Vernachlässigten auch, weil sein angedrohter Handelskrieg ihre Lage nur verschlimmern kann. Nicht in Strafzöllen, sondern in besserer Ausbildung läge ein Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit. Trump aber sagt: „Ich liebe die Ungebildeten.“ So denken Tyrannen. Die meisten würden es nur nicht laut sagen.

          Trumps Versprechen, das Land durch eine Mauer von seinen südlichen Nachbarn abzuschotten, ist eine weitere Scheinlösung. Trump fördert Rassismus, wenn er illegal eingewanderte Mexikaner „Vergewaltiger und Mörder“ nennt. Er verspricht die zügige Deportation von elf Millionen, teils tief verwurzelten Menschen. Trumps Forderung, Einreisewillige einem Religionstest zu unterziehen, damit keine Muslime mehr ins Land gelangen, ist verfassungsfeindlich. Sein Machismo, sein Spott über einen Behinderten oder sein Pauschalurteil über Journalisten („verlogene Leute“) lassen Böses ahnen.

          In Wahrheit ist Trump der Lügner und Hetzer. Hemmungslos redet er dummes Zeug nach: Obama sei Kenianer, Tausende Muslime hätten auf Amerikas Straßen am 11. September 2001 Al Qaida bejubelt und Ted Cruz’ Vater stecke mit Kennedys Mörder unter der Decke.

          Schlimmer noch: Trump setzt auf Gewalt. Er drohte der Republikaner-Führung mit Krawallen während des Parteitags in Cleveland. Prügel gegen Störer seiner Kundgebungen rechtfertigte er als Patriotismus. Das sind nicht einfach Fehltritte eines Neupolitikers, der die Herrschaft über Amerika anstrebt, obwohl er sich selbst nicht beherrschen kann. Terrorverdächtige sollen gefoltert, ihre Angehörigen getötet werden. Dem Islamismus sei beizukommen, legt Trump nahe, indem man Dschidahisten mit in Schweineblut getränkten Kugeln erschieße. Fast schon harmlos erscheint dagegen Trumps Geschwätz darüber, dass sich Japan und Südkorea nuklear bewaffnen sollten, die Nato obsolet sei und er mit Putin prima auskommen werde.

          In blinder Loyalität ersparen die erbosten Massen Trump Fragen nach seinen konkreten Plänen. Zig Millionen Amerikaner fühlen sich endlich verstanden. Mehr hat Trump ihnen nicht zu bieten.

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