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Donald Trump : Der Anti-Medien-Präsident

  • -Aktualisiert am

Das Verhältnis zwischen Donald Trump und den Medien ist angespannt. Bild: Reuters

Im Wahlkampf schimpfte er über „verlogene“ Journalisten, nach seiner Wahl lästert er über die „New York Times“ und schottet sich vom Pressekorps des Weißen Hauses ab. Haben die Eklats Methode?

          „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“ Viele amerikanische Fernsehsender machten ihre Zuschauer am Freitag darauf aufmerksam, dass man keine Aufnahmen vom Treffen zwischen Donald Trump und dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zeige – aus Protest.

          Bruch mit der Tradition

          Entgegen der üblichen Gepflogenheiten hatte Trumps Team der Presse keinen Zugang zu dem historischen Termin, immerhin das erste Treffen des Wahlsiegers mit einem ausländischen Regierungschef, gewährt. Das Videomaterial, dass die japanische Regierung später zur Verfügung stellte, werde nicht verbreitet, da es „keinen Ersatz für unabhängige Berichterstattung“ darstelle, erklärt Jeff Mason, Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters und Präsident der „White House Correspondents Association“.

          Der Eklat um das Abe-Treffen fügt sich ein in eine ganze Reihe von Misstönen zwischen dem designierten Präsidenten und den Menschen, deren Aufgabe es ist, über ihn zu berichten. Gleich mehrfach versäumten es Trumps Mitarbeiter zuletzt, den so genannten „press pool“, jenen kleinen Kreis von Journalisten, der beginnend mit der Wahl (nicht erst mit der Inauguration) jederzeit alle Schritte des Präsidenten verfolgt, über Trumps Aufenthaltsort zu informieren.

          Während die Pool-Journalisten etwa dachten, dass sich Trump daheim im „Trump Tower“ befinde, ließ sich dieser in einem Edelrestaurant in der Nähe von überraschten Gästen fotografieren. Der unangemeldete Abendausflug mag wie eine Lappalie erscheinen, in den Augen vieler Medienvertreter aber ist er ein schwerwiegender Bruch des Protokolls. Trump schere sich, so die Interpretation, nicht um die lange gewachsenen Traditionen der amerikanischen Demokratie. Kritische Journalisten seien ihm ein Dorn im Auge. Dass Trump zudem seit der Wahl immer noch keine Pressekonferenz gegeben hat, sei bezeichnend.  

          Lieblingsgegner „New York Times“

          Trump-Beraterin Hope Hicks weist die Vorwürfe zurück. In der neuen Regierung werde es selbstverständlich „einen traditionellen press pool“ geben, so Hicks. In der hektischen Zeit der Regierungsfindung erwarte sie von den Reportern ein wenig mehr Geduld – ein Einwand, den viele Kritiker nicht gelten lassen wollen. Schließlich habe Trump ja offenbar auch genug Zeit, um via Twitter Journalisten zu beschimpfen. Sein Lieblingsgegner: Die „New York Times“.

          Etwa ein Viertel aller in den letzten zehn Tagen von Trumps Twitter-Account verschickten Nachrichten befassen sich mit der weltberühmten Zeitung aus seiner Heimatstadt, die er fast durchgehend „die erfolglose New York Times“ nennt. Wie bereits im Wahlkampf, als Trump der Times und anderen amerikanischen Leitmedien auf seinen Rallys immer wieder „Verlogenheit“ vorwarf, macht er als gewählter Staatschef munter weiter mit der Medienschelte. „Wow“, frohlockte Trump am 13. November, „die New York Times verliert tausende Abonnenten wegen ihrer sehr armseligen und höchst fehlerhaften Berichterstattung.“ Selbst viele Trump-Anhänger finden solche Tweets kindisch und wenig präsidial, zumal die Zeitung versichert, dass die Attacke nicht den Fakten entspreche.

          Trump sei ein „Anti-Medien-Präsident“, der gleichzeitig „von den Medien besessen“ sei, schreibt der Autor und Essayist Michael Wolff. Dass eine überwältigende Mehrheit der Zeitungen und Magazine in diesem Jahr in ihren traditionellen „Endorsements“ empfohlen hatte, Hillary Clinton zu wählen, darunter auch viele konservative Blätter, scheint Trump tief getroffen zu haben. Die große Frage wird nun sein, ob er in seiner Amtszeit versuchen wird, sich an seinen Kritikern zu rächen, indem er etwa bestimmten Journalisten den Zugang zu seiner Regierung erschwert.

          Wird „Breitbart“ zum Staatsmedium?

          Die Tatsache, dass Trump seinen umstrittenen Wahlkampfmanager Stephen Bannon, der noch bis zum August dieses Jahres als Chef der rechtspopulistischen Internetplattform „Breitbart News“ fungierte, zum ranghöchsten Berater gemacht hat, lässt viele Beobachter Schlimmes befürchten. Schon jetzt prahlen Bannons ehemalige Kollegen, dass man in Zukunft „die beste Adresse für News aus Trumps Weißem Haus“ sein werde. „Breitbart“ könnte eine Art Staatsmedium werden, warnt der konservative Trump-Kritiker Charlie Sykes. „Ihnen wurde Macht gegeben, sie sind zu einer Waffe geworden“, so Sykes in einem Interview mit der „Washington Post“.

          Und noch eine Personalentscheidung könnte den Einfluss selbst erklärter „Anti-Mainstream-Medien“ im Weißen Haus in Zukunft vergrößern. Laura Ingraham, einflussreiche Radiomoderatorin und Kommentatorin, wird als aussichtsreiche Kandidatin auf den Posten der Pressesprecherin gehandelt. Die 53-Jährige hatte zuletzt kaum eine Gelegenheit ausgelassen, Journalisten eine Verschwörung gegen Trump vorzuwerfen. Dieser habe es gewagt, „die Scharlatane und Betrüger“ herauszufordern, rief sie in ihrer Rede beim Nominierungsparteitag in Cleveland im Juli und zeigte mit ausgestrecktem Finger in Richtung Pressebereich. „Die Korruption“ sei „viel zu lange unentdeckt“ geblieben.

          Die von Trump so gescholtene „New York Times“, die dem republikanischen Kandidaten im Wahlkampf unter anderem „Getöse, unzivilisierte Verspottung seiner Herausforderer, entwürdigende Kommentare über Frauen, Verlogenheit und geschmacklose Verallgemeinerungen von Nationen und Religionen“ vorgehalten hatte, wird sich, gemeinsam mit vielen anderen großen Medien, wohl auf eine schwierige Arbeitsbeziehung mit Trump und seinen Leuten einstellen müssen.

          Durchaus selbstkritisch hatten sich Times-Herausgeber Arthur Sulzberger und Chefredakteur Dean Baquet kurz nach der Wahl in einem Brief an ihre Leser gewandt. Ob man Trumps Unterstützung in der Bevölkerung unterschätzt habe, fragten sie auch mit Blick auf die fehlerhaften Prognosen im eigenen Haus. Vor allem aber blickten sie nach vorn: Man werde „fair“ und „unabhängig“ über den neuen Präsidenten berichten. Darauf könnten sich die Leser verlassen. Trump selbst dürfte das anders sehen.

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