https://www.faz.net/-gpf-97hgm

Amerikas Rechte unter Trump : Konservative Komplexe

  • -Aktualisiert am

Held der Konservativen: Donald Trump während seines Auftritts auf dem CPAC-Treffen Bild: AFP

Die CPAC ist das größte Klassentreffen rechter Aktivisten in den Vereinigten Staaten. Über dem Treffen steht in Trumps Zeiten vor allem eine Frage.

          5 Min.

          Nach fünfzehn Minuten war alles gesagt. Die Zuschauer standen auf, manche von ihnen guckten sich etwas ungläubig an, die meisten klatschten frenetisch. „Ein bisschen anders, nicht wahr“, fragte er von seinem Pult hinab ins Publikum. „Ein bisschen anders als das, was Ihr sonst hier hört, richtig?“

          Donald Trump stand auf der Bühne der Conservative Political Action Conference, kurz CPAC, und erinnerte die Zuschauer daran, dass die Welt zurzeit Amerika auslache, dass die politische Klasse „schwach und ineffizient“ sei, er kritisierte Chinas Währungsmanipulation und forderte „endlich faire Handelsabkommen“. Zum Schluss prahlte er noch etwas über seinen Kontostand und seinen Geschäftssinn, und merkte an, dass Amerika jemanden wie ihn bräuchte, um Washington wieder in Ordnung zu bringen. Ein bisschen anders, nicht wahr?

          Nicht ganz. Diese Auszüge aus Donald Trumps CPAC-Rede sind keineswegs aktuell, sie stammen aus dem Jahr 2011. Jener 4. Februar 2011 ist so etwas wie der Geburtsmythos des Politikers Trump. Seine erste öffentliche politische Rede, wie Trump gern betont. 2015 gab es Buh-Rufe bei seinem vierten CPAC-Auftritt für die Forderung nach Bodentruppen gegen ISIS. 2016 galt er als zu kontrovers, man hielt ihn nicht für einen Konservativen, bloß für einen Kontroversen, der sich mit vulgärem Populismus Gehör verschaffte.

          2017 dann platze der Konservativen Bewegung, die sich hier vor den Toren von Washington jährlich zum Ideenaustausch trifft, vor Stolz beinah die Brust: Einer der ihren im Weißen Haus, dazu beide Kammern im Kongress unter Republikanischer Mehrheit – unglaublich. Keine Frage, Donald Trump, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, müsste auch dieses Jahr wieder eingeladen werden.

          Und Donald Trump nahm dankend an. „Wir haben es weit gebracht“, sagte Trump am zweiten Tag des CPAC-Treffens 2018, wieder unter tosendem Applaus. „Ich weiß noch, als meine Wahlkampftour anfing, ich war noch keine politische Figur. Alle haben gesagt: Ich weiß nicht, ob er überhaupt ein Konservativer ist. Ich glaube, ich habe inzwischen bewiesen, dass ich ein Konservativer bin.“

          Trump fehlt der Wille zur Selbstreflexion

          Hat er das? Oder anders formuliert: Wo steht der Konservativismus unter Trump heute? Hat er sich gewandelt oder tritt er auf der Stelle? Denn viel anders als 2011 hörte sich das, was er an diesem Freitagmorgen im großen Saal des Gaylord National Resort & Convention Center zu sagen hatte, auch nicht an.

          Wieder einmal geißelte Trump das milliardenschwere Handelsdefizit Amerikas mit China und Mexiko, monierte Nafta als den erdenklich schlimmsten Deal überhaupt. Wieder einmal bemängelte Trump, dass die Länder, aus denen Migranten nach Amerika kämen, „uns nicht die besten ihrer Leute“ schickten. Es ist, mindestens seit Juli 2015 (mit Abstrichen seit Februar 2011), Trumps Best-of-Platte, die er in seinen politischen Reden auf Dauerschleife durchlaufen lässt.

          Eine von Trumps Kernforderungen: Der Diebstahl geistigen Eigentums, vor allem durch China, soll gestoppt werden.

          Was Trump natürlich fehlt, ist ein nützliches Werkzeug für jeden Politiker: der Wille zur Selbstreflexion. Wo nach einem Jahr im Amt womöglich eine intellektuelle Auseinandersetzung mit der ideologischen Verwurzelung seiner Konservativen Anhängerschaft angebracht wäre, plustert der Präsident sich bloß auf und rattert etwas zusammenhangslos durch seine politischen Errungenschaften. Steuersenkungen, niedrige Arbeitslosenzahlen, Börsenrekorde, plus eine Prise Indieschrankenweisung der Demokraten.

          Konservative Bewegung sehr gut vernetzt

          Geht man durch die Hallen des Convention Centers, stößt man auf die unterschiedlichsten Anliegen: Hier treffen sich social conservatives, die Abtreibung verdammen und Familienwerte hochhalten. Hier fordern fiscal conservatives einen ausgeglichenen Haushalt und Infrastrukturprojekte. Die religiöse Rechte diskutiert über gleichgeschlechtliche Ehen. Junge Konservative streiten über Redefreiheit an Universitäten. Die Gun-Lobby verteidigt Waffengesetze.

          Es wäre einfach, die Cowboyhutträger mit ihrem Waffenfaible, die eifrigen Evangelikalen oder die strammen Campus-Konservativen in den roten „Make Amerika Great Again“-Kappen für realitätsfremde Hinterwälder zu halten. Die Konservative Bewegung ist in Amerika sehr gut vernetzt und vor allem im Netz hervorragend organisiert. Was man ihr dagegen nur schwer bescheinigen kann: ein Übermaß an kritischer Innenansicht. 

          Weitere Themen

          War es ein Terrorakt?

          Attentat auf Militärstützpunkt : War es ein Terrorakt?

          Die Ermittler in Florida können noch nicht sagen, ob der Attentäter von Pensacola allein handelte oder Mittäter hatte. Weil es sich um einen saudischen Soldaten handelte, diskutieren aber auch die Republikaner über die Beziehungen des Präsidenten zum Königreich.

          Topmeldungen

          Integrationskurs für Migrantinnen in Würzburg, 5. November 2015.

          Bayerns Integrationskurse : Keine staatliche „Gesinnungspolizei“

          Der Bayerische Verfassungsgerichtshof hat entschieden, dass Bayern eine landeseigene Leitkultur definieren und für diese werben darf. Verpflichtende Bürgerkundekurse für geistige Integrationsverweigerer hat der Gerichtshof hingegen richtigerweise untersagt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.