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Angebot an Machthaber Kim : Trump würde auch nordkoreanischen Boden betreten

Trifft er nach dem Gipfel wirklich noch Kim? Amerikas Präsident hat am Wochenende noch einiges vor. Bild: dpa

Am Rande des G-20-Gipfels bietet Donald Trump Nordkoreas Machthaber spontan ein Treffen an, um „Hallo“ zu sagen – und würde auch über die Grenze schreiten. Das dortige Regime reagiert freudig.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un angeboten, sich am Wochenende zu einem kurzen Austausch an der innerkoreanischen Grenze zu treffen. Vom japanischen Osaka aus lud Trump Kim über den Kurznachrichtendienst Twitter ein, sich in der entmilitarisierten Zone zu sehen. „Wenn der Vorsitzende Kim dies sieht, ich würde ihn an der Grenze treffen, um sich einfach die Hand zu schütteln und Hallo zu sagen“, schrieb Trump.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Trump wird am Samstagabend von Japan nach Südkorea zu einem Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in fliegen. Dabei geht es unter anderem um Wege, den festgefahrenen Dialog mit Nordkorea wieder in Gang zu setzen. Erwartet worden war, dass Trump dabei den Waffenstillstandsort Panmunjom in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea besuchen werde. Bei seinem ersten Besuch in Südkorea im November 2017 hatte Trump einen Besuch des Grenzorts Panmunjom absagen müssen, weil schlechtes Wetter den Hubschrauberflug dahin verhinderte. In der entmilitarisierten Zone hatten zuletzt im April 2018 Südkoreas Präsident Moon und Kim getroffen.

          „Es ist eine gute Sache, miteinander auszukommen“

          „Ich habe nur mal einen Fühler ausgestreckt“, sagte Trump kurz nach seinem Tweet vor Journalisten. Er wisse gar nicht ob Kim derzeit überhaupt in Nordkorea sei. „Wenn er da ist, werden wir uns für zwei Minuten sehen“, betonte Trump. „Das ist alles, was wir tun können.“ Der Präsident verteidigte sein „gutes Verhältnis“ zu dem Machthaber Nordkoreas, dem Brutalität gegen sein Volk vorgeworfen wird. „Es ist eine gute Sache, miteinander auszukommen.“ Es hätte mit Sicherheit Krieg gegeben, wenn nicht er als Präsident die Initiative ergriffen und Gespräche in Gang gebracht hätte, sagte Trump. Er wäre außerdem dazu bereit, nordkoreanischen Boden zu betreten. „Sicher, ich glaube nicht, dass ich ein Problem damit habe“, sagte Trump am Samstag auf eine entsprechende Reporterfrage bei seiner Pressekonferenz im Anschluss an den G-20-Gipfel.

          Die nordkoreanische Regierung hat Trumps Vorschlag unterdessen als „interessant“ begrüßt. Pjöngjang halte das Angebot für einen sehr interessanten Vorschlag, sei von den Vereinigten Staaten aber bislang nicht offiziell deswegen kontaktiert worden, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag Vize-Außenminister Choe Son Hui. Sollte das Treffen im Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea tatsächlich wie von Trump angeregt stattfinden, wäre es „eine weitere bedeutungsvolle Gelegenheit, die persönlichen Beziehungen zwischen den beiden Staatschefs zu vertiefen und die bilateralen Beziehungen voranzutreiben“, betonte Choe.

          Trump brachte am Samstag seine Bewunderung für die Grenzanlagen an der innerkoreanischen Grenze zum Ausdruck. „Wenn wir über eine Mauer sprechen, wenn wir über eine Grenze sprechen: Das nennt man eine Grenze“, sagte Trump mit Blick auf die 248 Kilometer lange Demarkationslinie zwischen den beiden koreanischen Staaten, die mit Stacheldraht und technischen Überwachungsanlagen extrem strikt gesichert ist. „Niemand geht über diese Grenze. Das nennt man eine echte Grenze.“ Trump nahm offenbar Bezug auf die zahlreichen Grenzübertritte an der amerikanischen Südgrenze zu Mexiko, die er gerne durch eine Mauer sichern möchte.

          „Vielleicht in einer anderen Form zu ihm sprechen“

          Vor dem Abflug nach Südkorea hat sich Trump am Rande des Gipfeltreffens der G-20-Gruppe großer Industriestaaten und Schwellenländer in Osaka noch mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping getroffen – beide einigten sich auf die Wiederaufnahme von Gesprächen im Handelsstreit.

          Trump hat Kim bislang zweimal gesehen, in Singapur im Juni 2018 und im vietnamesischen Hanoi im Februar dieses Jahres, um den Nordkoreaner zu einer nuklearen Abrüstung zu bewegen. Das Gipfeltreffen in Hanoi scheiterte, weil Amerika und Nordkorea sich nicht über die Bedingungen der Denuklearisierung einigen konnten. Trump hatte in den Wochen danach signalisiert, dass er für ein drittes Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber sei.

          Vor dem Abflug nach Japan hatte Trump in Washington auf eine Reporterfrage zu einem möglichen Treffen mit Kim erklärt, er werde sich mit vielen Menschen treffen, aber nicht mit ihm. „Aber ich könnte zu ihm vielleicht in einer anderen Form sprechen“, hatte Trump gesagt.

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