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Scaramuccis Ausraster : Vulgärer Machtkampf in Amerikas Schaltzentrale

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Nimmt die Hand, aber kein Blatt vor den Mund: der neue Kommunikationsdirektor im Weißen Haus Anthony Scaramucci Bild: AP

Wie von Sinnen verunglimpft der neue Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses Trumps Stabschef Reince Priebus. Viele glauben, er habe dabei die Rückendeckung von Trump. Hat der Präsident seinen engsten Berater fallengelassen?

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          Wer die Ära Donald Trump verfolgt, wird regelmäßig eines Besseren belehrt. Immer wieder glaubt man, alle rote Linien seien erreicht, alle Standards aufgegeben, nichts könne mehr schockieren. Doch dann kommt Anthony Scaramucci.

          Was des amerikanischen Präsidenten frisch gebackener Kommunikationschef im Gespräch mit einem Reporter des „New Yorker“ von sich gibt, ist schwer zu glauben. Politik ist oft ein rauhes Geschäft. Aber auch in den erbittertsten Machtkämpfen in den Vereinigten Staaten gehörten öffentliche Obszönitäten und vulgäre Beschimpfungen bisher nicht dazu. Nicht nur Washington ist schwer irritiert.

          Scaramucci, sagt Ryan Lizza vom „New Yorker“, habe ihn angerufen und vehement bedrängt, seine Quelle für eine Geschichte offenzulegen. Ob er denn kein Patriot sei? Raus mit der Sprache! Wenn nicht, werde er sämtliche möglichen Leaker feuern, und der Reporter sei mitschuldig an deren Rauswurf. Lizza lehnte ab. Bei CNN sagt er: „Das muss man sich mal vorstellen. Der Kommunikationschef des Weißen Hauses. Droht einem Journalisten.“

          Kalkulierte Eskalation mit Trumps Erlaubnis?

          Schon nicht sehr hoch gestartet, geht das Niveau des Gesprächs von da an steil bergab. Scaramucci verliert völlig die Beherrschung. Er beschimpft und verunglimpft den Stabschef des Weißen Hauses, Reince Priebus, gegen den er seit Mittwoch öffentlich schießt und stänkert. Scaramucci warf Priebus das Durchstechen von Informationen an die Presse vor und äußerte die Einschätzung, dass er bald zurücktreten werde. Dem Artikel des „New Yorker“ zufolge warf Scaramucci Priebus konkret vor, vertrauliche Informationen über ein Gespräch zwischen ihm und Trump an die Presse gegeben zu haben. Priebus sei ein „paranoider Schizophrener.“

          Nun hat Priebus tatsächlich nicht bei allen den besten Stand. Trotzdem kann sich an solch vulgäre Schimpfkanonaden in der amerikanischen Hauptstadt niemand erinnern. Auch gegen Trumps Chefstrategen Steve Bannon schießt Scaramucci mit Äußerungen, die nicht jugendfrei sind: „Ich bin nicht Steve Bannon. Ich versuche nicht, meinen eigenen Schwanz zu lutschen.“

          Vom Leder zieht hier der Mann, der sich um undichte Stellen aus dem Weißen Haus sorgt. Hier spricht jemand, der entweder mal eben komplett aus der Rolle fällt oder sich der vollen Rückendeckung des amerikanischen Präsidenten sicher weiß. Trump ist dafür bekannt, dass er Streit liebt und das Drama  von Herzen schätzt. Ist Priebus also zum Abschuss freigegeben?

          Zweifel an Priebus' Kompetenz

          Wegen der ausbleibenden Erfolge wird seit längerem spekuliert, dass Priebus seinen Posten nicht mehr lange innehat. Mehrere Berater haben dessen Kompetenz angezweifelt. Unter anderem geht es mit den angekündigten Gesundheits- und Steuerreformen nicht voran. Zudem belasten Trump Ermittlungen zu mutmaßlichen Kontakten seiner Berater zu russischen Regierungsvertretern während des Wahlkampfes im vergangenen Jahr. In diesem Zusammenhang hat er massiv Kritik an seinem Justizminister Jeff Sessions geübt.

          Unter Beschuss: Trumps Stabschef Reince Priebus (rechts), hier mit Präsidentenberater Steve Bannon

          Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders wollte sich nicht dazu äußern, ob Priebus noch das Vertrauen Trumps habe. Der Präsident hole die besten Leute, die nicht immer einer Meinung sein würden. Trump sei für eine gesunde Konkurrenz, um das beste Ergebnis zu bekommen, sagte sie. Priebus hatte versucht, die Ernennung Scaramuccis zu verhindern. In Folge der Ernennung war Spicer zurückgetreten.

          Unterstützung erhielt Priebus vom republikanischen Präsidenten des Repräsentantenhauses, Paul Ryan. Priebus leiste hervorragende Arbeit, sagte er. Sollten der Stabschef und der Kommunikationsdirektor Meinungsverschiedenheiten haben, sollten sie diese gemeinsam ausräumen, sagte Ryan.

          Seinen Streit mit Stabschef Priebus hatte Scaramucci in einem CNN-Interview beschrieben als einen Zwist wie zwischen Kain und Abel. Dass die „New York Times“ da Scaramucci einen Dschihad gegen Priebus attestiert, einen heiligen Krieg, ist nur konsequent.

          Scaramucci erbost über scheinbares Leak seiner Einkunftserklärung

          Scaramucci drohte jedoch nicht nur dem Stabschef, sondern allen Mitarbeitern der Kommunikationsabteilung, die nicht mit seinem Kurs einverstanden seien. „Ich habe die Leute darum gebeten, für einige Zeit keine Dinge durchzustechen und mir einen guten Einstieg zu ermöglichen“, sagte Scaramucci, „aber die machen das nicht.“ Scaramucci zeigte sich auch wütend über eine weitere Information, die angeblich dem Online-Magazin „Politico“ zugespielt worden war. Das Medium veröffentlichte die Geschäftsbeziehungen des früheren Bankers. Auch dafür macht Scaramucci Priebus verantwortlich.

          „Ich habe das FBI und das Justizministerium angerufen“, sagte der Kommunikationschef des Weißen Hauses. „Der Sumpf wird ihn nicht besiegen.“ Und weiter: „Die versuchen mir Widerstand entgegenzusetzen, aber das wird nicht funktionieren. Ich habe nichts falsch gemacht bei der Offenlegung meiner Finanzen, die werden sich also selbst ficken müssen.“ Mittlerweile stellte „Politico“ jedoch klar, dass es sich nicht um ein Leak handelt, diese Finanzinformationen keineswegs geheim, sondern öffentlich zugänglich seien. Scaramuccis Tweet, der diesen Vorwurf erhob, ist mittlerweile gelöscht.

          Nicht nur in den sozialen Medien war nach den obszönen Äußerungen sofort der Teufel los. Die Kommentarlage in den amerikanischen Medien war einhellig: Niemals zuvor habe es ein solches Chaos und ein solches Niveau im Weißen Haus gegeben. Sprecher Sean Spicer hatte zum Abschied gesagt, Scaramucci werde die bereits vorhandene Unsicherheit und das Durcheinander in der Regierung nur verstärken. „Weiser Sean“, schreibt die „Washington Post“.

          Am Donnerstagabend reagierte Scaramucci auf Twitter. „Ich benutze manchmal eine sehr lebhafte Sprache“, schreibt er. „Ich werde mich in diesem Bereich zurückhalten, aber ich werde den leidenschaftlichen Kampf für Donald Trump nicht aufgeben.“ Keine Entschuldigung, kein Zurücknehmen, nichts dergleichen.

          Zuvor hatte Scaramucci Reporter Lizza beschieden, man habe doch jeweils italienische Wurzeln und damit einen Hang zur lebhaften Sprache. Der Journalist schrieb das alles ungerührt auf. Scaramucci habe genau gewusst, dass dies kein vertrauliches Gespräch war, sagt Lizza. Später wird Scaramucci twittern, es werde ihm nicht mehr passieren, dass er einem Journalisten traue.

          Wie im Brennglas hat Scaramucci klargemacht, warum Spicer bei dessen Bestallung sofort hingeworfen hat. Hader regiert das Weiße Haus, nackter Neid und Missgunst. Eine offene Feldschlacht mehrerer Lager herrscht, wo hochprofessionelles Regierungshandeln die Vereinigten Staaten steuern sollte. Niemals, donnerte ein Kommentator, könne Trumps Narrenschiff noch dreieinhalb Jahre so weitersegeln. Bisher hat Kapitän Trump alle eines Besseren belehrt. Aber die See wird dieser Tage nochmals rauher – viele sehen einen Sturm heraufziehen.

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