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Scaramuccis Ausraster : Vulgärer Machtkampf in Amerikas Schaltzentrale

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Unterstützung erhielt Priebus vom republikanischen Präsidenten des Repräsentantenhauses, Paul Ryan. Priebus leiste hervorragende Arbeit, sagte er. Sollten der Stabschef und der Kommunikationsdirektor Meinungsverschiedenheiten haben, sollten sie diese gemeinsam ausräumen, sagte Ryan.

Seinen Streit mit Stabschef Priebus hatte Scaramucci in einem CNN-Interview beschrieben als einen Zwist wie zwischen Kain und Abel. Dass die „New York Times“ da Scaramucci einen Dschihad gegen Priebus attestiert, einen heiligen Krieg, ist nur konsequent.

Scaramucci erbost über scheinbares Leak seiner Einkunftserklärung

Scaramucci drohte jedoch nicht nur dem Stabschef, sondern allen Mitarbeitern der Kommunikationsabteilung, die nicht mit seinem Kurs einverstanden seien. „Ich habe die Leute darum gebeten, für einige Zeit keine Dinge durchzustechen und mir einen guten Einstieg zu ermöglichen“, sagte Scaramucci, „aber die machen das nicht.“ Scaramucci zeigte sich auch wütend über eine weitere Information, die angeblich dem Online-Magazin „Politico“ zugespielt worden war. Das Medium veröffentlichte die Geschäftsbeziehungen des früheren Bankers. Auch dafür macht Scaramucci Priebus verantwortlich.

„Ich habe das FBI und das Justizministerium angerufen“, sagte der Kommunikationschef des Weißen Hauses. „Der Sumpf wird ihn nicht besiegen.“ Und weiter: „Die versuchen mir Widerstand entgegenzusetzen, aber das wird nicht funktionieren. Ich habe nichts falsch gemacht bei der Offenlegung meiner Finanzen, die werden sich also selbst ficken müssen.“ Mittlerweile stellte „Politico“ jedoch klar, dass es sich nicht um ein Leak handelt, diese Finanzinformationen keineswegs geheim, sondern öffentlich zugänglich seien. Scaramuccis Tweet, der diesen Vorwurf erhob, ist mittlerweile gelöscht.

Nicht nur in den sozialen Medien war nach den obszönen Äußerungen sofort der Teufel los. Die Kommentarlage in den amerikanischen Medien war einhellig: Niemals zuvor habe es ein solches Chaos und ein solches Niveau im Weißen Haus gegeben. Sprecher Sean Spicer hatte zum Abschied gesagt, Scaramucci werde die bereits vorhandene Unsicherheit und das Durcheinander in der Regierung nur verstärken. „Weiser Sean“, schreibt die „Washington Post“.

Am Donnerstagabend reagierte Scaramucci auf Twitter. „Ich benutze manchmal eine sehr lebhafte Sprache“, schreibt er. „Ich werde mich in diesem Bereich zurückhalten, aber ich werde den leidenschaftlichen Kampf für Donald Trump nicht aufgeben.“ Keine Entschuldigung, kein Zurücknehmen, nichts dergleichen.

Zuvor hatte Scaramucci Reporter Lizza beschieden, man habe doch jeweils italienische Wurzeln und damit einen Hang zur lebhaften Sprache. Der Journalist schrieb das alles ungerührt auf. Scaramucci habe genau gewusst, dass dies kein vertrauliches Gespräch war, sagt Lizza. Später wird Scaramucci twittern, es werde ihm nicht mehr passieren, dass er einem Journalisten traue.

Wie im Brennglas hat Scaramucci klargemacht, warum Spicer bei dessen Bestallung sofort hingeworfen hat. Hader regiert das Weiße Haus, nackter Neid und Missgunst. Eine offene Feldschlacht mehrerer Lager herrscht, wo hochprofessionelles Regierungshandeln die Vereinigten Staaten steuern sollte. Niemals, donnerte ein Kommentator, könne Trumps Narrenschiff noch dreieinhalb Jahre so weitersegeln. Bisher hat Kapitän Trump alle eines Besseren belehrt. Aber die See wird dieser Tage nochmals rauher – viele sehen einen Sturm heraufziehen.

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