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Mediengruppe Sinclair : Fernseh-Propaganda für den Präsidenten

  • -Aktualisiert am

Donald Trump bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Florida Bild: AFP

Eine rechtskonservative Mediengruppe gewinnt in Amerika immer mehr an Macht. Angestellte schlagen Alarm, weil sie falsche Behauptungen vortragen sollen. Ganz im Sinne von Donald Trump.

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          „Wenn ich nicht aufstehe, wer wird es tun?“ fragte Justin Simmons in einem Essay für die „Washington Post“. Der Producer hatte gerade seinen Job hingeschmissen – obwohl er beim Regionalsender KHGI in Kearney, Nebraska, schnell vom Cutter aufgestiegen und für Sendungen verantwortlich war. KHGI gehört der Mediengruppe Sinclair – und Simmons ist einer der Angestellten, die Alarm schlagen, weil sie die Standards ihres Berufs nicht mehr erfüllen können. Zu oft habe er von der Unternehmenszentrale vorproduzierte Beiträge abspielen sollen, die etwa falsche Behauptungen zum Thema Terrorismus enthielten.

          Sinclair besitzt oder betreibt 193 Regionalsender in Amerika. Für ihre einseitigen Berichte steht die Mediengruppe immer wieder in der Kritik. Im März hatte das Unternehmen die Moderatoren seiner Sender angewiesen, einen identischen Text zu verlesen, der vor den „verantwortungslosen, einseitigen Nachrichten“ warnte, die andere Medien produzierten. Vielen Journalisten gehe es vor allem um ihre eigene politische Agenda. Die Botschaft war klar: die Sinclair-Medien stehen für die Wahrheit und die Fakten, die etablierten Medien manipulieren die Bürger. Schnell war ein Video-Zusammenschnitt der Moderatoren-Statements im Umlauf: lauter Fernsehleute, die alle dieselben Sätze sagen, wie: „Dies ist extrem gefährlich für unsere Demokratie“.

          Die Sinclair-Botschaft und ihre Wiederholung riefen jede Menge unangenehme Assoziationen hervor: Propaganda, gleichgeschaltete Medien wie in totalitären Staaten seien das, schimpften viele Kritiker. Und tatsächlich berichteten Mitarbeiter, sie seien unter Druck gesetzt worden, den Text zu verlesen. Mehrere Branchenorganisationen bescheinigten dem Unternehmen, dass die Botschaft und ihre konzertierte Verbreitung journalistische Standards verletze. Präsident Donald Trump, der viele Medien dauernd als „fake news“ diskreditiert, lobte das Unternehmen allerdings: Sinclair sei Sendern wie CNN „weit überlegen“, twitterte er.

          Ein alter Fernseher an einer Straße in Miami (Florida)

          Kürzlich legte Sinclair dann noch einmal nach: mit einem Video, das sich direkt gegen den Konkurrenten CNN richtete. Viele Sender des Unternehmens strahlten den Clip mit dem Titel „Greift CNN Sinclair für genau das an, was es selbst seit Jahren tut?“ aus. Darin ist CNN-Reporter Brian Stelter zu sehen, wie er vor „fake news“ warnt – nichts anderes habe Sinclair mit seinem Video getan, behauptet das Unternehmen. Es sei unehrlich von CNN, dies nun zu kritisieren.

          Dabei ignoriert Sinclair, dass der Begriff „fake news“ einen Bedeutungswandel durchgemacht hat und in den vergangenen Jahren von einer Warnung vor Verschwörungstheorien und falschen Nachrichten zu Donald Trumps Lieblings-Schimpfwort gegen die Medien geworden ist. Stelter twitterte: „Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen meiner Berichterstattung und Sinclairs verpflichtenden Promovideos. Niemand schreibt mir vor, was ich sagen soll. Aber diesen Moderatoren wurde genau vorgegeben, was sie zu sagen hatten.“

          Die Mediengruppe Sinclair hat enorme Marktmacht. Gegründet wurde sie 1971 von Julian Sinclair Smith, der ein konservatives Gegengewicht gegen die vermeintlich liberalen anderen Medien schaffen wollte – später übernahm sein Sohn David und baute das Unternehmen immer weiter aus. Mit seinen 193 regionalen Fernsehsendern besitzt oder betreibt es mehr Stationen als jeder Konkurrent. Sinclair besitzt viele der Standorte selbst, ist in einigen Gegenden aber auch Betreiber lokaler Sender, die zum Fox News Imperium von Rupert Mudoch gehören. Sinclair gehört jedoch nicht zu Fox. Fox und andere Sender wie ABC und NBC gehen vor Ort Service-Abkommen mit Unternehmen wie Sinclair oder dem Medienkonzern Tribune Broadcasting ein. Sinclair betreibt so auch ein paar Stationen, die zu ABC, CBS oder NBC gehören – das könnte auch der Grund dafür sein, dass man sich nicht auf sie, sondern auf CNN einschoss.

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