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Rundumschlag von Trump : „Afghanistan ist das Harvard der Terroristen“

  • Aktualisiert am

Umringt von Kameras und Journalisten bespricht Trump im Oval Office die Weltpolitik. Bild: Reuters

Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten holt Amerikas Präsident zum Rundumschlag aus: Afghanistan sei eine Ausbildungsstätte für Terroristen und Iran spiele „mit dem Feuer“. Für den Nationalfeiertag am 4. Juli plant Trump indes Gigantisches.

          Amerikas Präsident Donald Trump hat Afghanistan als Ausbildungsstätte für Terroristen bezeichnet und damit die Verzögerung bei dem von ihm angestrebten Truppenabzug verteidigt. „Ich würde gerne einfach rausgehen“, sagte Trump dem Sender Fox News in einem am Montagabend ausgestrahlten Interview. „Das Problem ist, es scheint einfach ein Labor für Terroristen zu sein.“ Mit Blick auf die berühmte amerikanische Eliteuniversität fügte der Präsident hinzu: „Ich nenne es das Harvard von Terroristen.“

          Trump verwies auf die Anschläge vom 11. September 2001, die dem Terrornetz Al Qaida zugeschrieben werden. Al Qaida-Chef Usama Bin Ladin lebte damals unter dem Schutz des Taliban-Regimes in Afghanistan. Trump verwies in dem am Montag ausgestrahlten Interview darauf, dass er die Truppenpräsenz in Afghanistan bereits deutlich reduziert habe. Er versicherte, nach einem Abzug des Militärs werde er eine sehr starke Geheimdienstpräsenz in Afghanistan belassen.

          „Iran spielt mit dem Feuer“

          Trump betonte: „Wir wollen raus.“ Es sei aber eine sehr schwierige Entscheidung. „Es sind jetzt 19 Jahre. Und wir sollten nicht 19 Jahre dort gewesen sein.“ Tatsächlich begann der von den Vereinigten Staaten geführte Einsatz in Afghanistan im Oktober 2001, also vor knapp 18 Jahren.

          Trump sagte weiter: „19 Jahre. Sie bauen Hotels, wir tun das, ich meine, wir hatten ein Holiday Inn, das Summen gekostet hat, die zehn Mal soviel waren, was es gekostet haben sollte.“ In Afghanistan betreiben weder die Holiday-Inn-Kette noch andere amerikanische Ketten Hotels. Trump sagte außerdem: „Sie haben eine Tankstelle gebaut, ein ziemlich berühmter Deal, wo es rund 80 Millionen Dollar gekostet hat, eine Tankstelle zu bauen.“ Es blieb unklar, auf welche Tankstelle sich der amerikanische Präsident bezog.

          Die Vereinigten Staaten verhandeln mit den Taliban um eine politische Lösung des Konflikts. Bei den Gesprächen im Golfemirat Qatar soll es vor allem um einen Zeitplan des Abzugs der internationalen Truppen gehen sowie um die Forderung der Vereinigten Staaten nach Garantien, dass von Afghanistan aus keine Terroranschläge mehr geplant werden. Einen Waffenstillstand lehnen die radikalislamischen Taliban weiter ab.

          Trump warnte überdies Iran nach der Überschreitung der zulässigen Menge gering angereicherten Urans. Teheran „spielt mit dem Feuer“, sagte Trump am Montag in Washington. „Sie wissen, was sie tun. Sie wissen, womit sie spielen, und ich denke, sie spielen mit dem Feuer.“ Zuvor hatte das Weiße Haus erklärt, die Vereinigten Staaten würden es „niemals zulassen“, dass Iran Atomwaffen entwickele. Es werde weiter „maximaler Druck“ auf Teheran ausgeübt, bis die dortige Führung ihren Kurs ändere. Es sei ein „Fehler“ gewesen, dass Iran im internationalen Atomabkommen überhaupt eine Urananreicherung erlaubt worden sei.

          Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Montag bestätigt, das Iran die erlaubte Menge von 300 Kilogramm auf 3,67 Prozent angereichertes Uran überschritten hat. Teheran hat damit erstmals gegen eine Bestimmung des internationalen Atomabkommens von 2015 verstoßen. Im internationalen Atomabkommen war festgelegt worden, dass Iran maximal 300 Kilogramm gering angereichertes Uran besitzen darf. Anfang Mai kündigte die Führung in Teheran aber an, die Grenzwerte für Uran sowie schweres Wasser nicht länger einzuhalten, wenn ihm die Vertragspartner nicht entgegenkommen. Iran reagierte damit auf den Ausstieg von Amerikas Präsident Trump aus der Vereinbarung ein Jahr zuvor.

          Darüber hinaus will Trump bei den Feiern zum amerikanischen Unabhängigkeitstag in Washington an diesem Donnerstag Panzer auffahren lassen. Er werde eine Rede halten und „die besten Kampfflugzeuge der Welt und auch andere Flugzeuge“ über die Feierlichkeiten fliegen lassen, sagte Trump. „Und wir werden draußen ein paar Panzer stationiert haben.“ Es gehe um „brandneue“ Panzer wie etwa den Abrams. „Wir werden einiges an unglaublichem Gerät, Militärgerät, zur Schau stellen.“

          Eine „Ansprache Ihres Lieblingspräsidenten, mir“

          Trump will bei den Feierlichkeiten am 4. Juli unter dem Motto „Salute to America“ am Lincoln Memorial eine Ansprache halten, bei der er dem amerikanischen Militär würdigen will. „Wir werden einen großartigen 4. Juli in Washington, DC, haben. Er wird wie kein anderer, er wird besonders, und ich hoffe, dass viele Menschen kommen“, sagte Trump.

          Die „Washington Post“ berichtete, unter den Flugzeugen, die über die Feierlichkeiten fliegen sollen, sei auch eine der beiden Boeing 747, die zur „Air Force One“ werden, wenn der Präsident in ihr reist. Nachdem Trump im Jahr 2017 am französischen Nationalfeiertag in Paris teilgenommen und dort eine Militärparade beobachtet hatte, wünschte er sich eine solche auch in der amerikanischen Hauptstadt. Die „Post“ berichtete, die für vergangenes Jahr geplante Militärparade hätte etwa 92 Millionen Dollar gekostet. Die Pläne seien gestoppt worden, als die Kosten bekannt geworden seien. Es ist ungewöhnlich, dass der Präsident sich bei den Feierlichkeiten auf der National Mall in Washington am Unabhängigkeitstag an die Bevölkerung wendet. Schon im Februar hatte Trump in einer Twitter-Nachricht an seine Anhänger geprahlt, die Feier werde „eine der größten Zusammenkünfte in der Geschichte Washingtons“ werden – inklusive „einer Ansprache Ihres Lieblingspräsidenten, mir“

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